Geschäftsführer Veka Rus: Mittelständler im Standby-Modus

Warum eine Entwarnung nach den Investitionen zahlreicher deutscher Unternehmen der letzten Wochen zu kurz gedacht ist, erklärt Josef Leo Beckhoff, Geschäftsführer von VEKA Rus.

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Das Ende der 1960er von Heinrich Laumann gegründete Unternehmen Veka Rus ist einer der größten Fenster- und Türenhersteller des Landes / Foto: Unternehmen.

Herr Beckhoff, kann man denn in ihrer Branche von einer Stabilisierung der Lage sprechen?

Der Markt für Fenster ist seit vier Jahren rückläufig. Das heißt die negative Entwicklung setzte bereits vor den Sanktionen ein, wurde durch diese allenfalls verschärft.

Würden Sie das letzte Geschäftsjahr rückblickend als erfolgreich bewerten?

2016 war das schwierigste Jahr seit unserer Gründung. Sinkende Umsätze gingen einher mit fallenden Preisen. Die dringend benötigte Marktbereinigung hat leider noch nicht eingesetzt.

VEKAWurde die „Tahlsohle“ durchschritten, um es mit den Worten des Ostausschuss-Vorsitzenden, Michael Harms, auszudrücken?

Nein. Die deutsche Lobby in Russland hofft einfach nur darauf, dass die Talsohle erreicht ist, was sich sicherlich auch an der Stabilisierung der Ölpreise und der damit einhergehenden Festigung des Rubelkurses erkennen lässt. Für das Baunebengewerbe sehe ich eine Verlangsamung der Rezession – eine komplette Entwarnung würde ich noch nicht geben.

Sonderinvestitionsverträge und Co.: Ist die staatliche Lokalisierungspolitik auch für Mittelständler attraktiv?

Es ist sicher ein positives Zeichen an potentielle ausländische Investoren, allerdings sehe ich den Effekt eher  als begrenzt an, ich würde einen Mitnahmeeffekt unterstellen. Ein Unternehmer wird nur dann Geld investieren, wenn es sich mittel- und langfristig auszahlt.

Was ist eigentlich nötig, um als deutsches Unternehmer in Russland erfolgreich zu sein?

Ein langer Atem und die Fähigkeit, sich auf den Markt und die handelnden Personen einzulassen. Denn Markt und Käufer handeln hier anders, als es in Deutschland erwartet wird.

Zum Ausblick: Erwarten Sie bis Ende des Jahres eine Besserung?

Wir hoffen, dass die Marktlage bis Ende des Jahres mindestens auf dem Niveau von 2016 bleibt. Eine deutlich positive Entwicklung erwarte ich nicht, somit müssen wir und unsere deutsche Muttergesellschaft noch ein wenig im Durchhaltem-Modus verharren.

Das Interview führte  Christopher Braemer

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