Ins Netz gegangen: Eisangeln wie ein echter Moskauer

Auf dem Fluss Moskwa ist im Winter Angel-Hochsaison. Erst wenn sich eine dicke Eisdecke über den Fluss zieht, meist Mitte Dezember, beginnt das große Fischen. Zwei Moskauer Eisfisch-Profis geben Tipps für potentielle Neulinge.

Eisfischer Wassilij Igonin hat sichtlich Erfolg. / privat

Eisfischer Wassilij Igonin hat sichtlich Erfolg. / privat

Statt Stadtzentrum empfehlen sich die Flussauen in Strogino oder Mjakinino im Nordwesten. Diese Gebiete gelten sauberste der ganzen Stadt. Angeblich gibt es in der Moskwa ja nur Mutanten. Aber erfahrene Eisfischer winken ab. Sergej Woronenko ist einer von ihnen und will nie einen Fisch mit zwei Köpfen oder drei Schwänzen gesehen haben. Er bringe meist Hecht, Perca und Brachse nach hause – für leckere Ucha-Suppe und gefüllte Pirogi.

Nie allein!

Das Eisfischen ist ein nicht ganz ungefährliches Hobby. So dick das Eis auch sein mag, es besteht immer die Gefahr einzubrechen. Nur besonders mutige Angler wagen sich aufs Neueis, so lange sich die Fische noch nicht an den Winter gewöhnt haben. Oft belohnt sie dann ein besonders üppiger Fang.

Eisangeln sollte man nie allein, empfiehlt Sergej: „Man muss unbedingt jemanden mitnehmen oder wenigstens an einem Ort angeln, wo noch andere Fischer sind. Zwischen ihnen gibt es zwar auch Konkurrenz, aber wir sind immer bereit, einander zu helfen. Das Leben ist mehr wert als jeder Fisch.”

Zwiebelprinzip

Wassilij Igonin, der selbst die frostigen Feiertage auf dem Eis verbrachte, rät zu mehreren Kleidungsschichten: „Ich trage Leggins, Pullover, einen warmen Wollanzug, Fellmantel und eine warme Mütze. Die Füße stecke ich in wollige Walenki und Gummistiefel. So kann man bis abends und die Nacht durch eisfischen”, so Wassilij.

Wenn Freunde gefunden und Wintersachen angelegt sind, kann es losgehen. Für Raubfische müssen entsprechende Köder vorbereitet werden, wie Würmer oder Kleinstfische, die es in Angelgeschäften gibt. Damit beißen Raubfische relativ schnell an, erzählen die Eisangel-Profis. Mit Friedlichen müsse man dagegen richtig spielen, sie mit einer Art Tanz anlocken.

Warten und Teetrinken

Das Angeln ist ein langwieriger Prozess, darum ziehen die Männer mit viel Essen und Tee in Thermoskannen los. „Alkohol empfehle ich nicht”, sagt Wassilij. „Es ist eine Illusion, dass er wärmt. Beim Eisangeln ist Alkohol der Feind, man verliert an Aufmerksamkeit.” Und jede Aufregung verjage die Fische, dafür zieht sie Konkurrenten an.

Auf der vereisten Moskwa gilt: In der Ruhe schwimmt der dickste Fisch. Und ein selbst Gefangener ist immer leckerer als jeder Gekaufte.

Zum Abschluss verraten Sergej und Wassilij noch ihre

Drei besten Eisfisch-Plätze in Moskau:

1) Ruderkanal Krylatskoje

Metro: Krylatskoje, Molodjoschnaja

2) Park Serebrjannyj Bor

in Horoschevo-Mnjownik

Metro: Schtschukinskaja, Strogino

3) Flussaue Mjakinino

in Kuntsewo

Metro Mjakinino

 

von Ljubawa Winokurowa

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