Was? Wo? Wann?: Russisches Kult-Quiz auch im Ausland beliebt

„Was? Wo? Wann?“ ist Rätselraten für Fortgeschrittene. Das intellektuelle Quiz, 1975 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt, genießt Kultstatus. Die Begeisterung geht so weit, dass Russen überall auf der Welt Clubs gründen, um es zu spielen. Darunter auch in München.


Bei „Was? Wo? Wann?“ in München ist die Bude voll / Foto: Alexander Iwanow

Bei „Was? Wo? Wann?“ in München ist die Bude voll / Foto: Alexander Iwanow

„Manchmal hängen Vietnamesen das über die Tür, damit ein vorbeikommender Drache denkt, dass in diesem Haus bereits ein Drache wohnt. Raten Sie, was das ist.“ Mit dieser Frage wendet sich Maxim Mosul im Münchner Kulturzentrum „Gorod“ an drei Mannschaften. Er ist Moderator des russischen Kult-Quiz „Was? Wo? Wann?“, das hier jeden Sonntag stattfindet. Kaum sind seine Worte verklungen, stecken die Spieler die Köpfe zusammen. „Was kann man alles über eine Tür hängen?“, flüstert Alexander Lakozenin seinen Mitspielern zu. „Vielleicht einen Kopf?“, schlägt Maria Sachs vor. „Nein, eher nicht. Das wäre viel zu einfach“, gestikuliert ein anderer. Doch zu weiteren Geistesblitzen kommt es nicht mehr. Die Zeit ist um. Nach einer Minute müssen die Mannschaften ihre Antwort abliefern.

„Was? Wo? Wann?“ ist ein Quiz für Intellektuelle, das seit 41 Jahren auf dem Ersten Kanal läuft. Zunächst waren die Kandidaten Studenten der Lomonossow-Universität. Sie durften in der Bar des Fernsehzentrums „Ostankino“ qualmen, laut diskutieren und länger über den Rätseln grübeln. Das brachte ihnen die Bezeichnung Snatoki ein, was so viel wie „die Wissenden“ heißt. In den wilden 90ern verwandelte sich der „intellektuelle Club“ in ein „intellektuelles Casino“, weil die Snatoki seitdem vor einem Roulette sitzen und um echtes Geld spielen.

Dieses sowjetische Produkt brachten russischsprachige Emigranten in ihre neue Heimat mit. Neben dem Quiz-Club in München gibt es in Deutschland noch 14 weitere. Die selbstorganisierten Spiele laufen ein wenig anders ab als im Fernsehen. Was aber gleich bleibt, sind die raffinierten, kniffligen Rätselfragen. Dafür zahlen Spieler wie Maria oder Alexander gern drei Euro pro Spiel. Denn die euphorischen Glücksmomente stellen sich vor allem dann ein, wenn die richtige Antwort aus einer assoziativen und deduktiven Ideensuche geboren wird. Neulinge sind da schnell überfordert. Aber Pawel Masko, der keinen Quiz-Sonntag im „Gorod“ verpasst, gibt Entwarnung: „Das ist wie beim Sport. Je häufiger man trainiert, desto besser wird man.“

Die meisten Teilnehmer sind mit der Sendung aufgewachsen. Sobald die Titelmelodie von Richard Strauss „Also sprach Zarathustra“ erklang, saßen Millionen von Menschen vor dem Fernseher und fieberten mit. Auch heute noch ist „Was? Wo? Wann?“ eine der beliebtesten Fernsehsendungen in Russland. Für die russischsprachige Community im Ausland ist es ein Stück gemeinsame sowjetische Vergangenheit, an der viele noch hängen. Und dafür muss man nicht einmal mehr in der Sowjetunion geboren worden sein. Das Spiel ist auch eine Möglichkeit, sich in einer neuen Stadt zu vernetzen. „Wer einmal bei uns mitmacht, der wird eingesogen“, lacht Pawel.

Obwohl viele junge Expats Teil des „Was? Wo? Wann?“-Mikrokosmos sind, gäbe es allerdings ein Nachwuchsproblem. Besonders die Kindergeneration russischer Auswanderer sei kaum vertreten, berichtet Maria. Nicht aus mangelndem Interesse: Ihr fehlten gute Russischkenntnisse, die das Spiel verlangt. Auf Deutsch würde es nicht funktionieren, glaubt die Literaturwissenschaftlerin. Aber zurück zur Eingangsfrage: Was hängt nun über manchen Türen in Vietnam? Die richtige Antwort lautet: Ein Spiegel. So schützen sich Vietnamesen vor bösen Geistern.

Katharina Lindt

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