Das blühende Geschäft mit Tulpen & Co.

Der Winter verabschiedet sich, denn der Frühling steht schon vor der Tür. Den Anfang macht der Weltfrauentag, an dem sich jede Frau in Russland über üppige Bouquets freut. Weil die Nachfrage jährlich wächst, könnte Russland zum zweitgrößten Blumenimporteur Europas aufsteigen.


Der Trend geht zum Natürlichen: Frische Feldblumen in sanften Farben / Foto: Duschystyj Goroschek

Am 8. März riecht ganz Moskau nach Blumen. Den internationalen Frauentag kann man hier nicht einfach vergessen. Man wird an jeder Ecke daran erinnert – und zwar schon am 7. März,  denn dann werden Frauen am Arbeitsplatz mit Blumen reichlich beschenkt. Überall sieht man glückliche Gesichter. Männer, die üppige Blumensträuße in der Metro tragen, und Frauen, die mit ihnen heimkehren. Am Weltfrauentag verzeichnen Blumenverkäufer ihren höchsten Umsatz. Deshalb arbeiten sie vor dem Feiertag Tag und Nacht. Schließlicht hält jeder Mann in Russland es für seine Pflicht, dem „schönen“ Geschlecht zum internationalen Frauentag mit Blumen zu gratulieren. Eine Tradition, die sich seit über hundert Jahren hält.

Von grün bis schlicht: Blumentrends 2017

Eigentlich sind gelbe Mimosen und Tulpen die klassischen Blumen, die am 8. März verschenkt werden – und nicht rote Rosen, die mit dem Valentinstag assoziiert werden. Tulpen und Mimosen stehen für den Frühlingsanfang, denn ihre Saison beginnt bereits im Februar. Im März erleben diese Blumen eine wahre Konjunktur. Doch genau wie bei der Kleidermode haben auch Blumen ihre Trends. Es gibt die Evergreens, die nie unpassend zu sein scheinen, und es gibt die Revivals wie etwa Anemonen und Ranunkel. „Sie sehen weich und zerbrechlich aus. Bunte Farbkombinationen werden weniger populär“, verrät Roman Steingauer. Der Florist aus Nowosibirsk belegte beim europäischen Floristikwettbewerb den zweiten Platz.

Auch die Blumenverpackung geht mit der Zeit. Eng zusammengeschnürte Bouquets in bunten Folien seien nicht mehr zeitgemäß, erzählt er. Heute werden sie durch Kraftpapier ersetzt, das Authentizität suggerieren soll. Oder gar in Körbchen aller Art verschenkt. „Das Aussehen der Blumensträuße ist jetzt interessanter und komplizierter geworden, weil mehr Fortbildungskurse in diesem Bereich angeboten werden“, berichtet Steingauer. In Russland gäbe es hierfür per se keinen Ausbildungsberuf.

Angesagt ist dieses Jahr viel Grün. Auch Artischocken, Brokkoli und Äpfel kommen bei ungewöhnlichen Kreationen zum Einsatz. Und damit liegen russische Floristen voll im Trend. Das Farbforschungsinstitut Pantone hat die Farbe „greenery“, ein sattgelbes Grün, zur Farbe des Jahres 2017 gekürt.

Blumennachfrage steigt

Das Geschäft mit den Blumen blüht in Russland. Rund vier Milliarden Euro wurden letztes Jahr laut des Berichts der internationalen „Flower Expo“ umgesetzt. Moskau deckt alleine 23 Prozent des Marktvolumens ab. Im Vergleich dazu werden in Deutschland knapp 8,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Geht es nach Denis Barinow, dann steht dabei nicht der Gewinn an vorderster Stelle. „Es geht auch um die Liebe“, meint der Inhaber des Blumenateliers „Duschystyj Goroschek“ (Duftige Wicken) auf dem Danilowski-Markt in Moskau. Der Florist kennt das Geschäft und weiß, dass der rein kommerzielle Verkauf nicht mehr reicht. Zu hart umkämpft sei der Markt in Moskau. Online-Händler und die vielen Discounter verschärfen ihn. Blumenhändler müssen um ihre Kunden regelrecht buhlen. Wenn es sein muss, auch mit nerviger Reklame vor den Metrostationen, wo sich viele Läden befinden. Etwa 2 600 Blumengeschäfte existieren in der 16-Millionen-Einwohner-Metropole.

„Wir möchten den Menschen dabei helfen, ihre Gefühle zu äußern“, erklärt Barinow. Er sehe sich als Blumenflüsterer. Und darauf komme es an. Vor zwei Jahren haben Barinow und seine Frau das Atelier gegründet, seit dem beobachten sie, dass sich der Blumenmarkt in Russland verändere – zum Besseren, wie sie sagen. Es gäbe mehr Inhaber, die mit ihren Kreationen Schönheit in das Leben ihrer Kunden bringen möchten.

Um die große Blumennachfrage bedienen zu können, reicht die heimische Produktion in den Gewächshäusern bei Weitem nicht aus. Und selbst sie ist nicht authentisch „russisch“, denn das Saatgut kommt vornehmlich aus dem Ausland.  Über 90 Prozent der in Russland verkauften Blumen werden nämlich importiert, und zwar aus den Niederlanden (mehr als 44%) und südamerikanischen Ländern wie Ecuador (36%) und Kolumbien (13%). 20 Tonnen jährlich. Noch befindet sich Russland an sechster Stelle der wichtigsten Blumenimporteure. Laut „Flower Expo“ könnte Russland jedoch in zehn Jahren den zweiten Platz in Europa einnehmen – gleich hinter Deutschland.

Ekaterina Solowjowa 

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