Ausstellung: Wunder auf Russisch

Von der Natur hervorgebracht oder von Menschenhand geschaffen: Die Ausstellung „Russlands Wunder“ im Historischen Museum zeigt zauberhafte Orte.

Wunder-Ausstellung

Sitzen und staunen: Besucher der Ausstellung über Russlands Wunder dürfen es sich bequem machen. Foto: Corinna Anton

Selten ist eine Ausstellung so romantisch. Und so bequem. Erst recht, wenn sie im Staatlichen Historischen Museum stattfinden. Allein deshalb lohnt es sich, „Russlands Wunder“ anzusehen. Im Zentrum stehen zwei große Kinoleinwände. Dazwischen gepolsterte Hocker und Sitzsäcke, die sich die Besucher hinschieben können, wo sie es sich gerade gemütlich machen möchten.

In Dauerschleife laufen auf den beiden Leinwänden zwei Stumm-filme über „Russlands Wunder“, auf einer Seite die von der Natur hervorgebrachten. Man sieht Schneeflocken, die sanft auf den Gipfel des Elbrus fallen, den Fluss Lena, der sich seinen Weg durch Felsschluchten bahnt, den rauchenden Kljutschewskoi-Vulkan auf der Halbinsel Kamtschatka. Gegenüber staunen Besucher über die „Wunder“, die von Menschenhand erschaffen wurden. Dazu zählt der Kreml in Kasan, die Festung Derbent in der Teilrepublik Dagestan, Schloss Peterhof. Zugleich erfüllt Musik den Raum, die auch aus dem Soundtrack zu „Fluch der Karibik“ stammen könnte.

Selbst gewählte Wunder

Wer sich die Aufnahmen anschaut, zweifelt nicht daran, dass es sich um außergewöhnliche Erscheinungen handelt. Vieles  zählt auch zum Unesco-Natur- oder Kulturerbe. Aber muss man deswegen gleich von „Wundern“ sprechen? Es ist wohl kaum Zufall, dass der Titel der Ausstellung (Russisch: Tschudesa Rossii) an die Sieben Weltwunder (Tschudesa Swjeta) erinnert.

Welche Landschaften und Bauwerke als „Wunder Russlands“ gelten dürfen, darüber hat das Volk bereits vor zehn Jahren selbst entschieden: in einer Umfrage, die der TV-Sender „Rossija“, der Radiosender „Majak“ und die Zeitung „Iswestija“ durchführten. Das geschah gewiss nicht zufällig in dem Jahr, in dem auch die von einem Schweizer gegründete „New Open World Foundation“ die „Sieben neuen Weltwunder“ wählte. Wobei Russland übrigens leer ausging.

Pathetische Botschaft

In die eigenen, russischen Top 7 schafften es die Manpupuner-Felsformationen in der Republik Komi, der höchste Berg des Landes Elbrus, der Baikalsee, das Geysirfeld Dolina Geiserow auf der Halbinsel Kamtschatka, der Mamajew-Hügel nördlich von Wolgograd mit der Mutter-Heimat-Statue, Schloss Peterhof bei St. Petersburg und die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau.

Sie und viele mehr werden nun im Historischen Museum präsentiert, bildgewaltig in den beiden Filmen sowie auf Schautafeln mit Fotos und kurzen erklärenden Texten, auch auf Englisch und Chinesisch. Einen Hauch zu pathetisch kommt das vielleicht rüber. Zumindest haben sich die Macher der Ausstellung keine Mühe gegeben, ihre Botschaft zu verschleiern: Russland ist großartig, wunderbar. Dem kann man am Ende der Schau kaum widersprechen. Und verlässt das Historische Museum mit großer Lust, die Koffer zu packen, um von Wunder zu Wunder durchs Land zu reisen.

bis 29. Oktober
Staatliches Historisches Museum
Krasnaja Ploschad 1, Metro Ochotnyj Rjad

 

Corinna Anton

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