„Ein Gefühl der Freude“

Gelöste Stimmung, fröhliche Musik und reichlich Essen. Mit einem großen Fest haben Moskaus Muslime im Ramadanzelt der Gedenkmoschee das Ende des Fastenmonats gefeiert.

Ramadan

Die Freiwilligen versammeln sich vor dem Ramadanzelt © Thoya Urbach

Es ist sonnig und warm, vom Vorplatz der Moskauer Gedenkmoschee auf dem Poklonnaja-Hügel fällt der Blick auf die ausgestellten Kriegsschiffe im Siegespark, aus der Tankstelle nebenan tönt russische Popmusik. Der Vorplatz der Moschee füllt sich und auch im Ramadanzelt tummeln sich die Gäste. Auch Adilet Bejschenow geht ins Zelt, es gibt noch einiges zu tun.

„Salam Aleikum“, grüßt Adilet und schaut zufrieden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, dennoch wirkt der junge Mann im grauen Anzug entspannt und erleichtert. Adilet ist einer der vielen freiwilligen Helfer des Ramadanzelts an der Gedenkmoschee. Vor einem Jahr ist er aus Kirgistan nach Moskau gekommen, um zu studieren und zu arbeiten. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Moschee. Zusammen mit anderen Freiwilligen half er während des Ramadans beim abendlichen Fastenbrechen im Zelt auf dem Vorplatz der Moschee.

Etwa zwei Millionen Muslime leben in Moskau. „Als Muslime feiern wir den Ramadan. Das bedeutet, dass wir tagsüber auf Nahrungsmittel und Getränke verzichten. Außerdem halten wir uns von schlechten Gewohnheiten unseres Körpers und Geistes fern“, erklärt Adilet. „Anschließend feiern wir, dass wir es geschafft haben und wollen dieses Gefühl der Freude mit anderen teilen.“ Auf die Frage, ob ihm der Ramadan in diesem Sommer, mit bis zu 17 Stunden langen Tagen, schwergefallen sei, schüttelt Adilet den Kopf. „Wir sind daran gewöhnt. Vor zwei Jahren habe ich in meiner Heimat gefastet und dort in der Zeit auf dem Feld gearbeitet“, sagt er.

Ramadan

Der muslimische Halbmond darf am Ramadanzelt nicht fehlen © Thoya Urbach

Das Ramadanzelt wirkt von außen schlicht, innen ist es dekoriert und mit Tüchern ausgehängt. An den 29 Tagen des Fastens organisierten Adilet und die mehr als 120 anderen Freiwilligen abendliche Treffen und Veranstaltungen im Ramadanzelt. Nach Sonnenuntergang kamen hier die Moskauer Muslime – aus verschiedensten Ländern und Regionen – zusammen. Manchmal kochte Adilet zusammen mit einem Freund vor dem Zelt Plow und verteilte ihn beim Fastenbrechen.

„Ich komme aus Kirgistan, aber hier sind auch Menschen aus dem Kaukasus, Tatarstan, Kasachstan, Tadschikistan, Singapur, Ägypten und Syrien. Dennoch sind wir eine Gemeinschaft“, erzählt Adilet. Untereinander sprechen sie Russisch, gebetet wird auf Arabisch. Der Kontakt zu anderen Muslimen half Adilet in Moskau anzukommen: „Manchmal fühle ich mich etwas unverstanden. Und die Leute verstehen nicht alles, was ich tue. Es gibt ein paar Dinge, die mir zeigen, dass dies nicht zu Hause ist“, erzählt er. Dennoch fühle er sich mittlerweile wohl. Dass der Koran überall auf Arabisch gelesen wird, helfe mit Gläubigen in Kontakt zu kommen. „Wenn ich nach Moskau, nach Afrika oder irgendwo anders hingehe, ist alles gleich. Es ist egal, wer du bist, du kannst zu jemandem gehen und ihm ‚Salam Aleikum’ sagen, er wird ‚Aleikum as-Salam’ antworten. Es ist eine Bruderschaft und das ist sehr gut.“

Am Tag nach Ramadan belebt sich das Zelt derweil noch ein letztes Mal. Jetzt bekommen die Freiwilligen ihr Fest. „Der beste Helfer wird geehrt. Er bekommt ein Geschenk“, sagt Adilet begeistert. Bis zu 700 Gläubige nahmen an manchen Abenden am gemeinsamen Fastenbrechen im Zelt teil – das wäre ohne die vielen Helfer nicht möglich gewesen. An diesem Abend sind sie die Gäste. 

Thoya Urbach

Islam in Russland

Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Religion in Russland. Im gesamten Land leben Schätzungen zufolge 20 Millionen Muslime, die meisten von ihnen in Kasan, der Hauptstadt der Republik Tartarstan. Mehr als die Hälfte der Tartaren sind Muslime. In Kasan gibt es 19 Moscheen und das Fest des Fastenbrechens, Urasa Bairam, ist ein offizieller Feiertag. In Moskau leben rund zwei Millionen Muslime und es gibt vier Moscheen. Viele von ihnen besuchen regelmäßig die Kathedralsmoschee, die Hauptmoschee Moskaus. Sie bietet Platz für bis zu 10 000 Gläubige. Der Fastenmonat Ramadan, eine der fünf Säulen des Islams, fand in diesem Jahr vom 6. Mai bis zum 3. Juni statt. Gläubige verzichten in dieser Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken.

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