Die zehn besten Banjas: So überstehen Sie den russischen Winter

Die Sauna hat in Russland zur kalten Jahreszeit Hochkonjunktur. Beim Besuch der Banja, wie sie hierzulande heißt, gibt es aber einige Eigenheiten zu beachten. Wir stellen die Besten von ihnen vor.

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Beim sogennanten „Quästen“ in der Sanduny-Banja / Foto: Sanduny

Der russische Kultfilm „Ironie des Schicksals“ beginnt in der Banja und endet im Rausch. Wie eben ein typischer russischer Silvesterabend. Dabei soll das Schwitzen eigentlich von den Sünden des alten Jahres reinwaschen. Die Banja gilt als eine der letzten Enklaven für gelebte russische Männerkultur: Neben der schweißtropfenden Abhärtung gegen die anhaltende eisig-russische Kälte gibt es vertrauliche Gespräche, Schaschlik und Wodka. Sogar Prostituierte soll es hier geben.

In der Sadunowskaja Banja, kurz Sanduny, unweit Kusnezkij Most  gelegen und das berühmteste Dampfbad Moskaus, geht es doch etwas zivilisierter zu, wie übrigens in den meisten Banjas der Stadt. 200 Jahre Tradition machen sich hier bemerkbar, vor allem im Innern: Es gleicht einem Museum und wurde Teil mehrerer Filmsets, beispielsweise des zweiten Teils des Gangster-Kultstreifens „Brat“. In den sozialen Medien und auf der Webseite gibt es gerade jetzt zu Saisonbeginn zahlreiche Rabattaktionen.

Der wohl härteste Konkurrent der Sanduny ist die Krasnopresnenskaja Banja an der gleichnamigen Metrostation. Sie steht im Ruf, sündhaft teuer und versnobbt zu sein. Dem sei jedoch widersprochen: Die Preise gleichen denen der Sanduny. Es werden darüber hinaus eine Vielzahl von kosmetischen Dienstleistungen angeboten, dazu gibt es eine japanische Küche. Etwas günstiger ist die Warschawskaja Banja (Metro Nagatinskaja), gegründet im Jahr 1938 und vor vier Jahren komplett renoviert. Neben einer exquisiten Bar stehen zehn verschiedene Aufgüsse zur Auswahl: unter anderem Honig, Minze und Eis – ein Genuss für die Sinne. Wer den Jungs aus „Ironie des Schicksals“ nacheifern will, der sei gewarnt: Der Alkoholkonsum in der Banja kann laut Medizinern zu Kreislaufproblemen bis hin zum Kollaps führen. Weniger bedenklich sei das Einatmen der beliebten Bieraufgüsse.

Russische Banja vs. finnische Sauna

Die russische Banja ist mit 80 bis 95 Grad ähnlich heiß wie die finnische Sauna. Der Unterschied liegt in der Menge der Aufgüsse. Denn die Russen lieben die daraus resultierende erhöhte Luftfeuchtigkeit mit bis auf weit über 100 Grad steigenden Temperaturen. Die Aufgüsse bestehen aus Wasser und Eis versetzt mit ätherischen Ölen wie beispielsweise Minze. Beliebt sind auch Kwas oder Bier, die einen angenehmen Brotgeruch verströmen.

Zu den absoluten Lieblingsbanjas der Moskauer gehört wohl auch die geräumige Woronzowskaja Banja an der Tanganka. Sie bietet einen atemberaubenden Panoramablick auf das Nowospasskij-Kloster. Neben einigen Aufgüssen gibt es auch hier die landestypischen „Wenikis“ zu erwerben. Das gegenseitige Quästen, also leichte Schlagen mit Eichenruten, soll die Blutzirkulation ähnlich wie bei einer Massage anregen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist der frische Birkengeruch auf der Haut. Das erste Mal wirkt es trotzdem leicht entfremdend, wenn sich nackte Männer mit den Birkenbüscheln „massieren“.

Die Herausforderung bei der Astrachanskaja Banja am Prospekt Mira besteht im Finden des Eingangs. Der Hinweis an der Tür des alten Ziegelhauses ist doch sehr dezent gehalten. Doch die Suche lohnt sich: für zwei Stunden Dampfbad werden umgerechnet läppische zehn Euro fällig. Wer sparen will, muss auch Abstriche machen: Der Service ist nicht gerade berühmt für seine Freundlichkeit. In die gleiche Preisklasse fällt auch die Ismailowskaja Banja (gleichnamige Metro) mit nur einem Saal. Da die russische Banja streng nach Geschlechtern getrennt wird, sind Frauen an ungeraden, Männer an geraden Tagen willkommen. Weiterhin zu empfehlen: Selesnewskaja (Metro Nowoslobodskaja, 150-jährige Tradition, 2014 renoviert), Ussatschjowskaja (Metro Sportiwnaja, wenig Dampf, deswegen besonders für Familien und Kinder geeignet) sowie Rschewskaja (Metro Rischskaja, Schwitz-Flatrate) und Lefortowskaja (Metro Awiamotornaja, klein aber fein).

Das Prozedere im Dampfbad ist immer gleich: Wenn der „Bantschik“ – so heißt das zuständige Personal für die Aufgüsse – zum ersten Mal Wasser auf die glühenden Steine gießt, steigt eine aromatische Note auf und die Besucher reden noch munter weiter. Beim zweiten Mal nach etwa zehn Minuten verdeutlicht das Stocken der Gespräche den Hitzeanstieg im Raum. Beim dritten Mal gibt es dann „hwatit“-Rufe, „genug“. Während es auf dem Lande noch üblich ist, sich während oder nach der Sauna im Schnee und in nahe liegenden Gewässern abzukühlen, belassen es die Hauptstädter beim Abduschen. Danach sitzt man beim Buffet zusammen. Anders am Silvesterabend, an dem viele Moskauer in die Anarchie der Datscha flüchten. Hauptsache, dass dabei die Ironie nicht zum Schicksal wird.

Christopher Braemer

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