Bessere Wachstumsaussichten – falls Inlandsnachfrage wieder anspringt

Die Wirtschaftskolumne des Osteuropa-Experten Andreas Schwabe von der Raiffeisen Bank.

Andreas Schwabe ist Analyst für Osteuropa mit Schwerpunkt Russland und Ukraine in der volkswirtschaftlichen Abteilung bei der Raiffeisen Bank International in Wien.

Die Wirtschaftsaussichten für Russland in diesem Jahr hellen sich auf. Nach sieben Quartalen mit einer negativen Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts verzeichnete das russische Statistikamt für das vierte Quartal 2016 erstmals wieder ein leichtes Plus. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wuchs die Wirtschaft um 0,3 Prozentpunkte. Dies ist noch nicht viel und der russische Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin könnte mit seiner Erwartung von zwei Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr etwas zu optimistisch sein. Allerdings prognostizieren inzwischen auch die meisten Beobachter ein moderates Wachstum für Russland. Die mittleren Schätzungen von 40 im März von Bloomberg befragten Analysten liegen bei 1,2 Prozentpunkten für 2017 und 1,6 Prozent für 2018. Nicht weit davon entfernt pegelt sich unsere Prognose ein: Sie liegt zwischen einem und 1,5 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den kommenden zwölf Monaten wird von den Analysten nunmehr bei 15 Prozent gesehen.

Im letzten Jahr wuchs das verarbeitende Gewerbe bereits wieder leicht um 1,1 Prozent –  nach einem Rückgang von 4,6 Prozent 2015. Der Landwirtschaftssektor „boomt“ schon das vierte Jahr in Folge – 2016 wies er ein Plus von 3,6 Prozent auf. Allerdings sank 2016 die Wertschöpfung im Groß- und Einzelhandel weiter – nach einem Minus von 8,8 Prozent 2015 immerhin noch um 3,1 Prozent. Positiv überraschte hingegen die Entwicklung der Exporte aus Russland 2016. Letztere stiegen – preisbereinigt – um knapp über drei Prozent und konnten die bislang negative Inlandsnachfrage teilweise ausgleichen.

Eine weitere Verbesserung der Wirtschaftslage hängt nun entscheidend davon ab, ob die noch schwächelnde inländische Nachfrage endlich wieder anspringt    sowohl die Konsumausgaben der privaten Haushalte als auch die Investitionen der Unternehmen. Zumindest die Analysten glauben daran und sehen 2017 eine um
1,5 Prozent stärkere private Konsumnachfrage und einen Anstieg der Investitionen um knapp drei Prozent. Bei Rohölpreisen über 50 Dollar pro Fass, einer guten globalen Konjunktur, einer stabileren Rubelentwicklung und einer Inflationsrate von unter fünf Prozent scheint dieses Ziel nicht unrealistisch – zumindest, falls keine neuerlichen wirtschaftlichen oder politischen Schocks auftreten.

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