Luschniki: Ein Königreich für den Sport

Luschniki ist der Ort in Moskau, wo die Großstadt ausgeschwitzt wird. All der Stress, die Kalorien. Auf 180 Hektar Fläche im Grünen am Rande der Innenstadt, umspült von der Moskwa. Und wer nicht selbst aktiv sein will, der schaut eben zu. Sieben Aktivitäten, die Luschniki zu einem Erlebnis machen.

Blick auf Luschniki mit dem Fußballstadion und der Schwimmhalle (Foto: Tino Künzel)

Stadiontour

Auch einmal sehen, was Frankreich und Kroatien gesehen haben, die Finalisten der Fußball-WM 2018 in Russland? Das Endspiel wurde im Luschniki-Stadion (bis 1992 Lenin-Stadion) ausgetragen, das über 80.000 Zuschauer fasst und die größte Arena des Landes ist. Gebaut 1956 und seitdem mehrfach rekonstruiert, gehört es zur Eliteklasse der europäischen Stadien und wurde von der UEFA mit der begehrten Fünf-Sterne-Wertung gekürt. 1999 fand das UEFA-Cup-Finale hier statt, 2008 das Champions-League-Finale und vor zwei Jahren – die Krönung – das WM-Finale.

Das Luschniki-Stadion vor dem Hintergrund der Moskauer Innenstadt (Foto: Tino Künzel)

Das Stadion kann im Rahmen einer Tour besichtigt werden, täglich gibt es drei Termine. Erwachsene zahlen 900 Rubel (ca. 10 Euro), Kinder 500 Rubel (ca. 5,50 Euro). Der Veranstalter verspricht, die Teilnehmer dürften sich bei der Tour „als Fan, VIP-Gast, Spieler, Trainer und Journalist fühlen“. Auf www.luzhniki.ru/activities/ekskursii/obzornyj-tur-po-luzhnikam können die Zeiten eingesehen und Tickets gebucht werden. Alternativ sind für das Tourbüro die Telefonnummer +7 (495) 7881077 und E-Mail-Adresse tours@luzhniki.ru angegeben.

Seilbahnfahren

Die Seilbahn-Gondeln auf ihrem Weg von Luschniki zu den Sperlingsbergen, rechts die Spitze der Lomonossow-Universität (Foto. Tino Künzel)

Seit zwei Jahren verkehrt zwischen Luschniki und den Sperlingsbergen eine Seilbahn, die auf ihren 720 Metern in 35 Meter Höhe die Moskwa überquert. Der Ausblick aus den 33 geschlossenen Kabinen von Porsche Design ist entsprechend spektakulär.

Wer mit der Seilbahn Höhenluft schnuppert, der wird mit solchen Panoramen belohnt: die Moskwa, Luschniki und am Horizont Moskau City (Foto: Tino Künzel)

Oben auf den Sperlingsbergen angekommen, geht es zur dortigen Aussichtsplattform vor der Lomonossow-Universität, von wo man noch mal einen anderen Blickwinkel hat. Die Tickets sind relativ günstig, die Preise gestaffelt nach Wochentagen. Am Montag werden für hin und zurück gerade einmal 150 Rubel fällig, am Wochenende sind es 600 Rubel.

Denkmalgucken

Wer Lenin auf seinem Sockel schon mal gesehen hat (was in Russland schwer zu vermeiden ist), der kann das größte Denkmal im Gelände getrost links liegen lassen. Es gibt sehr viel Interessanteres zu sehen. In der sogenannten Allee des Ruhms finden sich Plastiken der legendären Sowjetfußballer Lew Jaschin, Nikolaj Starostin und Eduard Strelzow sowie von Eishockey-Überlieger Walerij Charlamow. Am anderen Ende der Allee steht noch die Schüssel, in der 1980 das Feuer der Olympischen Sommerspiele von Moskau brannte – und daneben Maskottchen Mischka.

Denkmal für die Opfer der Stadionkatastrophe von 1982 (Foto: Tino Künzel)

Doch den Moskauern besonders teuer ist das Denkmal für die Opfer der Stadionkatastrophe von Luschniki, als es am 20. Oktober 1982 beim Europacup-Spiel von Spartak Moskau gegen den holländischen HFC Haarlem zu ein Gedränge auf den Treppen entstand und nach offiziellen Angaben 66 Menschen, darunter viele Jugendliche, ums Leben kamen. Der Vorfall wurde von der Sowjetpresse sieben Jahre lang verschwiegen, erst 1989, während der Perestroika, konnte darüber berichtet werden. Und noch 1992, als am zehnten Jahrestag der Tragödie dieses Denkmal eingeweiht wurde, musste es den Opfern „in den Stadien der Welt“ gewidmet werden. Doch seine eigentliche Geschichte ist wohlbekannt.

Konzertbesuch

Erst im Sommer 2019 traten im Luschniki-Stadion Rammstein auf. Auch Michael Jackson und die Rolling Stones machten hier Station. Gerade die ganz großen Events erfordern eben den ganz großen Rahmen. Ein paar hundert Meter weiter, im „Staatlichen Zentralen Konzertsaal Rossija“ oder alternativ Palast des Sports, ist die Bühne etwas kleiner. Was in den nächsten Monaten an Shows ansteht, lesen Sie hier: luzhniki-kassa.ru

Wasserspiele

So manche Sporthalle in Luschniki heißt „Palast“ und das mit Blick auf Größe und Architektur nicht ganz zu unrecht. Auch die vor einem Jahr eröffnete Schwimmhalle führt diese Bezeichnung im Namen. Offiziell ist sie der „Palast der Wassersportarten“. Errichtet auf dem Terrain eines früheren Freiluftbeckens, wäre „Schwimmbad“ für den sechsstöckigen Bau aber auch tatsächlich maßlos untertrieben. Er vereint in sich unter anderem ein Erlebnisbad mit neun Rutschen, ein 50-Meter- und zwei 25-Meter-Becken, ein Fitnessstudio, eine Boxschule und einen Shoppingbereich.

Das Schwimm- und Erlebnisbad in Luschniki: Sport, Spiel, Spaß und Entspannung auf sechs Stockwerken (Foto: Tino Künzel)

Die Preise für Erwachsene beginnen bei 1500 Rubel für vier Stunden beziehungsweise 3000 Rubel für den ganzen Tag (10 bis 22 Uhr) wochentags, dabei handelt es sich jeweils um einen Kombitarif Erlebnisbad + Therme. Für die Nutzung der Schwimmbecken werden zwischen 400 und 650 Rubel pro Stunde fällig.

Fußballspielen

Über die gesamte Anlage von Luschniki sind 16 Fußballfelder verteilt. Sie werden teils im offiziellen Spielbetrieb genutzt, so trägt Torpedo Moskau hier seine Heimspiele in der FNL, der zweiten russischen Liga aus. Außerdem trainieren auf den Plätzen zahlreiche Jugendmannschaften. Doch auch Feierabendfußballer, die den Kollegen gern zeigen würden, dass an ihnen ein zweiter Messi verlorengegangen ist, können die Felder ab etwa 4000 Rubel pro Stunde mieten. Gleiches gilt im Übrigen auch für Tennisplätze.

Nachwuchstraining auf einem der Fußballfelder (Foto: Tino Künzel)

 Nichtstun

Relaxen in Luschniki (Foto: Tino Künzel)

Warum muss man überhaupt einer gezielten Beschäftigung nachgehen? Wer das lieber anderen überlässt und einfach seinen Gedanken nachhängen will, der findet in Luschniki jede Menge Bänke, auf denen er stundenlang sitzen und den Booten zuschauen kann, die über die Moskwa schippern. Wem es dann doch mit der Zeit danach ist, sich irgendwie zu betätigen, der kann sich beispielsweise ein Fahrrad oder einen Roller an drei Verleihstationen ausleihen und das Gelände auf Rädern erkunden.

Tino Künzel

In Luschniki ist jeder auf seiner eigenen Umlaufbahn unterwegs. (Foto: Tino Künzel)
Der neueste „Palast“ in Luschniki ist der Turnpalast. (Foto: Tino Künzel)
Auch Kinder kommen in Luschniki nicht zu kurz. (Foto: Tino Künzel)

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