Zurück in die Heimat

In der Tretjakow-Galerie ist derzeit die erste groß angelegte Ausstellung mit Werken von Konstantin Kusnezow zu sehen. Während Kusnezow in Russland praktisch unbekannt war, nannten ihn die Kritiker in Frankreich „den letzten Ritter des Impressionismus“.

In der Tretjakow-Galerie ist derzeit die erste groß angelegte Ausstellung mit Werken von Konstantin Kusnezow zu sehen. Während Kusnezow in Russland praktisch unbekannt war, nannten ihn die Kritiker in Frankreich „den letzten Ritter des Impressionismus“.
Kusnezows „Place de la Concorde“ aus den 1920er Jahren (Bild: Tretjakow-Galerie)

Konstantin Kusnezow wurde 1863 in der Region Nowgorod in die Familie eines reichen Kaufmanns geboren. Als er 33 Jahre alt war, beschloss er, Maler zu werden und nach Paris zu gehen. In seine Heimat kehrte er nie wieder zurück. Die erste Monografie über den Künstler in russischer Sprache wurde jedoch erst im Jahr 2018 veröffentlicht. Und das angesichts der Tatsache, dass seine Werke im Musée d’Orsay und Musée Carnavalet in Paris, im Musée de Pont-Aven und im Kunstmuseum Den Haag schon seit langem präsentiert werden.

Diese Ausstellung in der Tretjakowka konnte vor allem aufgrund der ungewöhnlich guten Lebensumstände des Künstlers zusammengestellt werden. Nach seinem Umzug nach Frankreich studierte Kusnezow im Atelier des französischen Akademikers Fernand Cormon und war lange Zeit finanziell so gut aufgestellt, dass er keine seiner Gemälde verkaufen musste. Nachdem der Künstler im Jahr 1936 verstorben war, blieben die meisten seiner Bilder in seinem Studio in Paris. Sie wurden von Generation zu Generation von den Nachkommen des Künstlers weitergegeben. Vor einigen Jahren führten russische Spezialisten Recherchen durch und trafen die Urenkelinnen des Malers. In ihren Wohnungen fanden sie eine umfangreiche Sammlung von Konstantin Kusnezows Werken.

Über 70 Werke versammelt

In den Hallen der Tretjakow-Galerie werden nun mehr als 70 Werke präsentiert, unterteilt nach den Regionen, in denen der Künstler gearbeitet hat: Paris, Bretagne, Normandie. Die Ausstellung enthält einen vom Kusnezow gemalten Schirm, der seine Wohnung in Paris dekorierte. Dazu wurde noch ein spezieller Film über das Schicksal und die Arbeit von Kusnezow vorbereitet.

Ein separater Raum ist der Arbeit auf der Insel Belle-Île gewidmet. Das ein einzigartiger Ort in Frankreich, an dem Claude Monet, Henri Matisse, Maxime Maufra und viele andere große Künstler arbeiteten. Normalerweise bevorzugte Kusnezow Orte, die noch nicht auf den Leinwänden seiner Vorgänger erschienen waren.

Französischer Impressionist und doch russischer Künstler

Aber die Insel war eine Ausnahme. Konstantin Kusnezow ist der einzige russische Künstler, der auf dieser Insel gemalt hat. Bei seinem zweiten Besuch spürte er die Kraft des Ortes und fing mit einem Gemälde des Felsen von Port-Coton an, der schon durch Claude Monet bekannt war. Jedoch setzt Kusnezow in seiner Malerei die Akzente anders, mit der Freiheit eines Meisters des 20. Jahrhunderts.

In seiner Arbeit gelang es ihm, die Essenz des französischen Impressionismus einzufangen und gleichzeitig ein wahrer russischer Künstler zu bleiben. Er hat sehr viel im Freien gemalt, er besuchte viele Städte in der Normandie und der Bretagne, blieb in jeder für ein paar Monate und arbeitete. Das feuchte Klima und das besondere silberne Licht in diesen Regionen stimmten mit seiner Vision als Impressionist überein, die mächtige Kraft und Freiheit der offenen Räume begeisterten ihn.

Am Ende seiner Karriere begann er, Paris zu malen, die Stadt, in der er über dreißig Jahre lebte. Der Künstler fand seine eigene Vision von Paris. Er arbeitete hauptsächlich an den Uferpromenaden, schloss Details aus, die auf eine bestimmte Stunde, die Jahreszeit oder das Jahrhundert hinweisen können. Paris scheint auf seinen Leinwänden ewig und zeitlos zu sein.
Eines der Ziele dieser Ausstellung ist es, den Namen des Künstlers wieder in den Kanon der russischen Kunst aufzunehmen. Bis Mitte März ist der „neue“ russische Impressionist Konstantin Kusnezow nun in der Tretjakow-Galerie zu entdecken.

Maria Bolschakowa

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