Fünf Ziele für einen Ausflug nach Kolomna

Rund 100 Kilometer südöstlich von Moskau entfernt liegt eine historische Kleinstadt, die sich sehen und schmecken lässt: Kolomna. Bequem mit Auto und Zug erreichbar, ist sie ein ideales Ausflugsziel, um dem Trubel der Metropole zu entfliehen.

Im Museum „Kalatschnaja“ gibt es leckere Kolatsche zum Naschen. /Foto: Pawel Pelewin.

Kreml von Kolomna

Der Kreml von Kolomna ist spätestens seit dem Wettbewerb „Russia 10“, bei dem Russen 2013 über das Symbol ihres Landes abgestimmt haben, eine feste Größe unter den russischen Sehenswürdigkeiten. Er wurde knapp vor der Moschee „Das Herz Tschetscheniens“ in Grosnyj auf den ersten Platz gewählt. Der Kreml ist zwar kleiner als der in Moskau, für eine 140 000-Einwohner-Stadt aber auf jeden Fall beachtlich. 1531 fertiggestellt, war der Kreml Zeuge der wechselvollen Geschichte Russlands: angefangen bei den Fürstentümern Rjasan und Moskau über das Russische Reich, Sowjetunion hin zum heutigen Russland.

Die vielstimmige Fama verlieh den vergangenen Ereignissen neue Züge und verwob sie mit zahlreichen Legenden. Wer sich für Sagen interessiert, muss unbedingt nach Kolomna fahren. Zudem ist der Kreml auch noch frei begehbar.

Museum „Kalatschnaja“

Kolomna ist aber nicht nur wegen seines Kremls ein Pilgerort für Touristen. Die historische Altstadt mit ihren zahlreichen Museen zeigt das alte Russland. Das Museum „Kalatschnaja“ ist eines von ihnen und gewährt einen Einblick in die Backkunst des traditionellen Kolatsche-Brots. Eigentlich gibt es Kolatschen in fast jeder slawischen Küche. Für gewöhnlich handelt es sich hierbei um einen runden und süßen Kuchen aus Hefeteig, der mit Quark oder Mohn gefüllt ist.

Die Kolomner Kolatsche hingegen ist aus salzigem Hefeteig gemacht. Das Rezept, so versichert man im Museum „Kalatschnaja“, stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde in der Russischen Staatsbibliothek in Moskau unter Verschluss gehalten, bevor es wieder ausgegraben wurde. Besucher des Museums kommen in den Genuss einer frisch gebackenen Kolatsche, dessen Einrichtung gibt einem das Gefühl, sich in einer traditionellen Kolatschen-Bäckerei von einst zu befinden. Frisch aus dem Ofen gezogen, werden die Brote noch dampfend mit Butter bestrichen und mit süßem Tee verspeist. Wer sich beeilt, noch andere Museen in der Altstadt zu besuchen und keine Zeit für Tee hat, kann die Kolatsche auch zum Mitnehmen kaufen.

Es ist angerichtet im Haus des Kaufmanns Agafanow in Kolomna. /Foto: Dom Agafanowa.

Süße Pastila

Gäste begrüßt man in Kolomna nicht nur mit Salz und Brot, so eine russische Tradition, sondern auch mit Pastila. Das ist das süßeste Symbol der Stadt. Im „Museum des verschwundenen Geschmacks“ kann man ohne Reue verschiedene Arten von Pastila naschen. Traditionell wird Pastila aus Äpfeln hergestellt. Aber auch andere saure Obstsorten finden Verwendung. Der seltsame Name des Museums erklärt sich so: Seit 1735 wird in Kolomna Pastila hergestellt. Früher mussten die Menschen von weither anreisen, um die Süßigkeit zu kaufen. Mit ihr wurde sogar der Tisch von Katharina der Großen gedeckt.

Doch nach der Revolution gingen alle Rezepte verloren, die Herstellung wurde eingestellt. Nostalgiker suchten nach den alten Rezepten für die leichte und luftige Pastila, die in elastischen Blöcken geschnitten ist, und fanden sie in der Literatur.

Museum des verschwundenen Geschmacks

Wem das „Museum des verschwundenen Geschmacks“ nicht reicht und wer mit eigenen Augen den Herstellungsprozess von Pastila sehen möchte, muss in der Museumsfabrik vorbeischauen. Im alten Kaufmannshaus weht der Geist des 19. Jahrhunderts. Konditor Sachar und sein Lehrling Wanja demonstrieren, wie man Pastila macht – mit alten Geräten und Techniken. Nach der Schau werden die Gäste in einem gediegenen Besucherzimmer mit verschiedenen Arten von Pastila bewirtet, die mit Erdbeeren, Himbeeren oder Erdnüssen gebacken sind.

In der Konditorei der Fabrik kann man außerdem andere Leckereien wie Konfekt, Apfelkonfitüre oder Torten aus mehreren Arten von Pastila kaufen.

Gasthaus des Kaufmanns Agafanow

Diejenigen, die nicht nur die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts spüren wollen, sondern sich auch in die Vergangenheit buchstäblich zurückversetzen möchten, sind zum Gastmahl ins Haus des Kaufmanns Agafonow eingeladen. Hier veranstalten die Betreiber des Restaurants Festessen mit Schick. Bevor sich Gäste zu Tisch setzen, tauschen sie ihre Alltagskleidung gegen historische Kostüme.

Im Menü eines herkömmlichen Mittagsessens mit drei bis vier Gängen werden folgende Gerichte nach altem Rezept angeboten: Schinken eines jungen Ebers mit Meerrettich gekocht, Pastete aus Rindsleber nach Kaufmannsart, Ucha-Suppe aus drei Fischsorten, Fischkuchen, Huhn mit Pilzfüllung und Salate. Und das ist bei Weitem nicht alles, was das Gasthaus an Leckereien zu bieten hat. Damit sich die Gäste beim Essen nicht langweilen, wird ein Würfel- und Pfänderspiel angeboten, das früher ein Zeitvertreib der guten Gesellschaft war. Und am Ende erhält man ein Foto als Erinnerung an seine Reise in die Vergangenheit, in das Kolomna der Kaufleute.

Anna Braschnikowa

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