Zombie-Alarm: Warum die Moskauer Metro ein guter Fluchtort ist

Seit Jahren treiben Untote in der Popkultur ihr Unwesen. Nun auch in Moskau. Wie man in der Metro vor ihnen Zuflucht findet, darüber hat sich ein Illustrator Gedanken gemacht.

Achtung, Zombies im Anmarsch: Zugangssperren und Automaten dienen als Barrikaden. / Foto: Maxim Degtjarejew

Die Moskauer Metro ist bombensicher. Zumindest die U-Bahn-Stationen im Herzen Moskaus, die vor 1980 gebaut wurden, sagt Alexander Popow. Der ehemalige Leiter des Projekts „Metro.ru“ kennt die Metro wie seine Westentasche. Er studiert sie nicht nur theoretisch anhand von Bauplänen, sondern auch praktisch, als sogenannter Digger in den unzähligen Schächten.

Selbst bei einem Einsatz von Chemiewaffen und im Falle eines Atombombenangriffs sei man im Untergrund in Sicherheit. Jedoch nur, wenn es sich um eine Luft-detonation handelt. Bei einem direkten Aufprall auf der Erde wäre alles zerstört, sagt Popow. Der Grundstein für den Bevölkerungsschutz wurde 1941, kurz vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, gelegt. Bei Fliegeralarm konnten sich so fast eine halbe Million Menschen verstecken.

„Ich würde dorthin rennen, wo eine Tür offen ist“

Auf ein Kriegsszenario ist man in Moskau vorbereitet. Aber was passiert, wenn die Zwölf-Millionen-Metropole plötzlich von einer Seuche heimgesucht wird, die Lebende in Untote verwandelt und es heißt: „Renn um dein Leben“, wie in der amerikanischen Fernsehserie „The Walking Dead“? Man möchte meinen, ein unwahrscheinliches Szenario. Nicht aber für Maxim Degtjarejew. Der Illustrator landete einen viralen Hit, als er auf LiveJournal ein Plakat veröffentlichte, das zeigt, wie man sich in die Metro retten kann, wenn die Zombie-Apokalypse über Moskau hereinbricht.

„Ich würde dorthin rennen, wo eine Tür offen ist“, sagt Degtjarejew ohne lange zu überlegen. Aber wenn er sich einen Zufluchtsort aussuchen könnte, dann wäre es die Station Ploschad Rewoluzii, weil sie „schön ist“, sagt der Illustrator. Ganze 76 Bronzestatuen, die sowjetische Menschen darstellen, zählt die Station. Weitaus mehr Personen tummeln sich in seiner detaillierten Zeichnung.

Bevölkerungsschutz auch bei Zombie-Apokalypse

Während oben das Militär gegen Zombies kämpft, herrscht unten Ruhe und Gelassenheit. Foto: Maxim Degtjarejew

Da ist beispielsweise eine Gruppe, die, von einem Patrouillengang zurückgekehrt, den Lüftungsschacht hinabklettert. Vorbei an den hermetisch verschließbaren Toren, die einen sicheren Schutzraum garantieren und sich in den Tunneln und Vestibülen der Station befinden. Sie passieren auch die Filteranlage, die für saubere Luft sorgt und gleichzeitig den Lärm dämmt, der die Untoten anlocken kann. Im Inneren der Station angekommen, können sich die Überlebenden nach der Flucht erst einmal erholen und einen Schluck Wasser trinken. Für Vorräte wurde gesorgt.

Es herrscht keine Panik unter der Erde. Verletzte werden verarztet, Kinder spielen, manch einer hat sich auf eine Bank schlafen gelegt, eine Frau schneidet einem Mann die Haare und eine andere betet vor einer Ikone. Alles hat seine Ordnung. Dafür sorgt das Militär, das im Arbeitszimmer der Metroaufsicht seine Kommandozentrale eingerichtet hat. „Ich nehme mir Zeit, um die Miniaturfiguren zu erschaffen“, sagt Degtjarejew. „Für jede einzelne habe ich mir eine Biografie ausgedacht und an sie gedacht, als ich gezeichnet habe.“

Kein Ort für die Ewigkeit

Seine Detailversessenheit stützte der Illustrator auf offizielle Fotografien, Baupläne und auf Erzählungen, was Menschen in den unterirdischen Schutzräumen während des Zweiten Weltkriegs gemacht haben. Am Ende ließ Degtjarejew das Zombie-Szenario von einem Sachverständigen der Metro absegnen. „Er gab mir grünes Licht, als er sagte, dass so ein möglicher Bevölkerungsschutz aussehen könnte, wenn die Zombie-Apokalypse droht.“

Doch anders als im dystopischen Roman „Metro 2033″ von Dmitri Alexejewitsch, der einen Überlebenskampf im Moskauer U-Bahn-Netz schildert, nachdem ein Atomkrieg zwanzig Jahre zuvor die Erde verwüstet hat, kann man sich im Luftschutzbunker nicht ewig verstecken. „Wenn der Akkumulator ausgeht und die Lüftung den Geist aufgibt, dann wird sich schnell ein schlechter Geruch ausbreiten“, sagt Degtjarejew. „Das hält man nicht lange aus.“ In solch einem Fall muss man sich wieder nach oben trauen und an einem neuen Plan arbeiten.

Hermetisch verschließbare Tore garantieren sicheren Schutzraum – nicht nur im Falle eines Atombombenangriffs. /Foto: Maxim Degtjarejew

Sicherheit mit Wimmelbildern erklären

Der Illustrator ist nicht der erste, der auf die Idee gekommen ist, einen Survival-Guide zu zeichnen. Auch amerikanische Behörden scheinen die Zombies zu beschäftigen. Das „Center for Desease Control and Prevention“ in Atlanta gab ein Comic heraus, das darüber aufklärt, was zu tun ist, wenn die Zombies kommen. Es listet 21 Dinge, die dann in greifbarer Nähe sein sollten: Wasser, Essen, Funkgeräte, Kleidung, Decken, Bargeld und persönliche Dokumente. Das gilt übrigens für jede Natur-katastrophe. Und genau das hatten die Initiatoren im Sinn: Wer auf Zombies vorbereitet ist, wird mit jeder Art von Katastrophe fertig.

Auch Degtjarejew findet das sinnvoll. Nachdem seine Illustration auf reges Interesse gestoßen ist, arbeitet er an einem neuen Projekt. „Mit Comics kann man scheinbar langweilige Themen wie Sicherheit spannend erzählen. Beispielsweise im russischen Unterrichtsfach „Grundlagen der sicheren Lebensführung“. Damit Zombies keine Chance haben.

Katharina Lindt 

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