Wilde Stars mit Krallen und Schuppen: Die Publikumslieblinge des Moskauer Zoos

Rund 1000 Tierarten leben auf den 22 Hektar des ältesten Zoos Russlands. Mitten im Zentrum der lärmenden Millionenstadt liegt die grüne Oase. Anstatt Hupgeräuschen und quietschenden Reifen pfeift, knurrt und raschelt es, wenn Tiger und Co. durch ihre Gehege streifen. Manche der  8000 Zoobewohner haben sich zu tierischen Stars gemausert, vor deren Gehegen kaum ein Durchkommen ist. Doch die Geschichte manch eines Tieres ist frei erfunden.

Tiere, die über Lebzeiten hinaus bekannt und beliebt waren, gab es im Moskauer Zoo seit seiner Gründung im Jahr 1864 immer wieder. Einer der ersten Publikumslieblinge war ein Löwenbaby, dass 1935 Berühmtheit erlangte. Von der Mutter verstoßen, musste das Junge von der Tierpflegerin Wera Tschaplina in deren Wohnung gepflegt und von einem Collie gesäugt werden.

Ein weiterer Star am Himmel des Zoos war eine Kondordame namens Mummy. Acht Jahrzehnte zog der große Vogel seine Kreise über dem Zoo. Weil Mummy immer wieder zurückkehrte, war sie das einzige freilebende Zootier. Heute erinnern Schautafeln mit Fotografien an die früheren Stars, wie den geretteten Löwen oder den freiheitsliebenden Kondor.

Auch die folgenden fünf Publikumsmagnete könnten eines Tages in die Geschichte des Moskauer Zoos eingehen und auf dessen Walk of Fame verewigt werden. Beliebt und gut besucht sind sie schon jetzt.

Zoo

Alligator mit Geschichte: Saturn /Foto: Kim Hornickel

Saturn –  Hitlers Alligator?

Die sagenumwobenste Geschichte des Moskauer Zoos ist mit großer Sicherheit die des zweieinhalb Meter langen Mississippi-Alligators Saturn. Wie alt er ist, kann niemand mit Sicherheit sagen, aber man schätzt, dass der Alligator um die 80 sein muss. Gesichert ist hingegen, dass Saturn einst in den USA gefangen wurde und anschließend durch die Tümpel des Berliner Zoos schwamm. Dort war Adolf Hitler häufiger zu Gast. So entstand die Legende, dass Saturn zu einem der Lieblingstiere des deutschen Diktators gehörte. Beweise gibt es dafür allerdings nicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fingen britische Soldaten den Alligator ein und übergaben ihn in Leipzig an sowjetische Soldaten. Ob offiziell oder inoffiziell – das gehört zu den vielen unbeantworteten Fragen rund um Saturns Leben. Unterlagen, die darüber Auskunft geben könnten, verbrannten in den 1950er Jahren. Der Moskauer Zoo selbst bezeichnet den Alligator als Trophäe. Heute genießt Saturn seine Rente im Terrarium des Zoos, wo er zu jeder Zeit besichtigt werden kann.

Zoo

Verspielte Tigerdame: Prinzessa /Foto: Kim Hornickel

Die Prinzessin unter den Tieren

Eine Katze zum Schmusen? Nicht ganz. Aber Armurtigerdame Prinzessa ist den Kontakt mit dem Menschen durchaus gewöhnt. Geboren in Kiew, bekam sie die erste Nahrung aus der Flasche. Mit drei Monaten kam Prinzessa in die Aufzuchtstation des Moskauer Zoos. Hier entwickelte sie ihre Liebe zum Menschen. Immer, wenn jemand vorbeikam, fing sie an zu schnurren. Durch Anschmiegen an die Gitterstäbe forderte Prinzessa ihre Pfleger auf, mit ihr zu spielen.

Auch heute zeigt sich die mittlerweile fast 15 Jahre alte Tigerin sehr verspielt, womit sie für die Besucher des Zoos zu einer Attraktion geworden ist. Wenn sie ihre Spielsachen durch das Gehege wirft oder auf ihren Hochsitz klettert, dann geht ein Raunen durch die Zuschauermenge. Einen Spielgefährten hat die Tigerdame allerdings nicht. Da sie zu viel Zeit mit dem Menschen verbracht hat, verträgt sie sich mit keinem ihrer Artgenossen. Aber das scheint die lebensfrohe Tigerin nicht zu stören. Munter planscht Prinzessa in ihrem Teich oder beobachtet, wie sich die zahlreichen Besucher vor ihrem Gehege drängen, um einen Blick auf sie zu erhaschen.

Zoo

Der Nachzügler: Filimon /Foto: Kim Hornickel

Kleiner Dickhäuter

Im Elefantenhaus geht es gesellig und kuschelig zu. Die Dickhäuter müssen in Schichten auf das Außengelände geführt werden, denn Mutter Pipita und Vater Pamir haben Nachwuchs bekommen. Ein Jahr ist der kleine Elefantenbulle namens Filimon alt. Zusammen mit seiner Mutter und der neun Jahre alten Schwester Kiprida untersucht der Kleine neugierig das frische Futter und tollt durch das Gehege. Vater Pamir muss sich das alles aus der Ferne ansehen. Er ist in einem abgesperrten Teil des Geheges untergebracht. Um das Junge vor dem dreieinhalb Meter großen Elefantenbullen zu schützen, wird die Herde erst in einem Jahr wieder zusammengeführt. Wenn Filimon zwei Jahre alt ist, ist er groß genug, um mit der ganzen Familie zusammenzuleben. Bis dahin können sich Vater und Sohn nur langsam kennenlernen. Denn die massiven Stangen des Geheges lassen nur wenig Raum, um sich körperlich nahe zu sein.

Zoo

Lässt sich selten blicken: Rosa /Foto: Kim Hornickel

Scheue Riesin

So leicht wie die Elefanten lässt sich Braunbärin Rosa nicht bestaunen. Ein halbes Jahr lang hält die betagte KamtschatkabärinWinterschlaf in einer Höhle, die ihr hilfsbereite Menschen gebaut haben. Doch auch im Sommer bekommen die Besucher des Zoos Rosa kaum zu Gesicht. Von der gleißenden Sonne und den aufgeregten Rufen der Gäste abgeschreckt, zieht sich die rund 250 Kilogramm schwere Bärin am liebsten in ihre Höhle zurück. Doch ab und zu haben die Besucher Glück. Dann kommt Rosa aus ihrem Versteck und unternimmt einen Streifzug durch ihr Gehege. Neugierig setzt sie sich auf ihre stämmigen Hinterbeine und reckt die Nase in die Luft, um all die Gerüche des Zoos zu untersuchen. Und manchmal ist die Bärin auch Dirigentin, wenn sie den Zoobesuchern zuwinkt und diese auf ihr Signal Essen in das Gehege werfen. Besonders beliebt ist Rosa, die sehr an einen Teddybär erinnert, bei den Kindern.

Zoo

Entspannter Vater: Wrangel /Foto: Kim Hornickel

Eiskalter Genießer 

Gar nicht scheu ist hingegen Eisbär Wrangel. Genüsslich wälzt er sich in einem Schneehaufen und freut sich über die Abkühlung, die aus einer Eismaschine kommt. Wälzen ja, essen lieber nicht – Wrangel hat es sich abgewöhnt, das kalte Nass zu verspeisen. Als er noch klein war, probierte der Eisbär gern von der weißen Pracht, wie er es in seiner arktischen Heimat gewohnt war. Doch seitdem die Pfleger der Schneemischung Salz hinzufügen, ist diese nicht mehr nach Wrangels Geschmack.

Wie Rosa ist auch Wrangel mittlerweile ein alteingesessener Zoobewohner. Seit 23 Jahren ist Moskau nun schon sein Zuhause.In dieser Zeit ist Wrangel stolze 15 Mal Vater geworden. Der stete Nachwuchs hat den Eisbären entspannt werden lassen. Gänzlich ungezwungen setzt er sich heute vor die Glasscheibe, hinter der sich die aufgeregten Besucher drängeln, um Fotos zu machen. Vor den neugierig gezückten Kameras kratzt er sich genüsslich den Bauch und schließt dabei die Augen und träumt wahrscheinlich von der kalten Arktis.

Kim Hornickel

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