Und zum Abschluss einen Gottesdienst

Er begann seine Arbeit während der Krimkrise und bemühte sich mit kulturellen Projekte um eine Verständigung zwischen Moskau und Berlin. Nun verlässt der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch nach fünf Jahren Russland. Welche Spuren bleiben?

Rüdiger Fritsch hat baltische Wurzeln und kam schon früh mit der russischen Sprache in Kontakt. /Foto: Denis Schabanow

Eine Biographie wie aus dem Agenten-Film

Als Rüdiger von Fritsch im März 2014 sein Amt antrat, schrieben viele Zeitungen, die Biographie des deutschen Botschafters erinnere an die Abenteuer von James Bond. Hatte der Karrierediplomat doch einige Zeit als Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) gearbeitet und Jahre zuvor als junger Mann seinem Cousin zur Flucht aus der DDR in den Westen verholfen. Das Basteln eines gefälschten Passes und andere Einzelheiten der wagemutigen Tat beschreibt von Fritsch in seinem autobiographischen Buch „Die Sache mit Tom. Eine Flucht aus Deutschland.“

Die diplomatische Karriere des geborenen Freiherrn ist so makellos wie sein familiärer Stammbaum. Der Botschafter hat baltische Wurzeln, ein Vorfahre mütterlicherseits, der Baron und Grundherr Hans Rosen, war Abgeordneter der Staatsduma für Livland, das auf dem Gebiet von Lettland und Estland lag. Von hier stammt auch von Fritschs Liebe zur russischen Kultur.

Große Sympathie für wundervolle Sprache

„Dank der Familie meiner Mutter, die aus dem Baltikum kam, wurde mir eine große Sympathie zu diesem Staat, seiner reichen Kultur und wundervollen Sprache eingeimpft“, verriet der Botschafter im Jahre 2016 der Zeitschrift „Deutschland“. Zudem empfinde er einen großen Respekt gegenüber den Herausforderungen und Errungenschaften der russischen Geschichte. Der unmittelbare Kontakt mit Russland verstärkte die Sympathie des Diplomaten gegenüber dem Land noch. „Und diese Einstellung bleibt unverändert, egal, welche politischen Zeiten gerade herrschen“, so von Fritsch gegenüber dem Blatt.

In den fünf Jahren seiner Tätigkeit in Russland hat Rüdiger von Fritsch eine große Zahl kultureller Projekte mit auf den Weg gebracht. Vom Jahr der deutschen Sprache und Literatur über das Jahr des deutsch-russischen Jugendaustauschs, das Überreichen von Übersetzungspreisen bis zum Gastspiel des Hamburger Balletts von John Neumeier und der Inszenierung von „Anna Karenina“ im Bolschoi-Theater. Denn nach den Ereignissen um die Krim, die von Fritsch wie viele europäische Politiker als Annexion bezeichnen, war gerade der Kulturbereich die Sphäre mit den besten Erfolgsaussichten auf eine gegenseitige Verständigung.

Kirchenübergabe mit dem Bundespräsidenten

Zu einem bedeutenden Ereignis seiner Dienstzeit wurde die Übergabe der Moskauer Kathedrale St. Peter und Paul in das Eigentum der Evangelisch-lutherischen Kirche in Russland. Der symbolische Akt fand zu einem geschichtsträchtigen Zeitpunkt statt: der 500-Jahresfeier der Reformation. Zur Übergabe der Schlüssel an Erzbischof Dietrich Brauer kam sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Und die Politik? Rüdiger von Fritsch ist überzeugt, dass eine Kooperation zwischen Deutschland und Russland alternativlos ist. „Enge Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sind ein Grundprinzip der deutschen Außenpolitik. Als größter Staat der Welt blickt Russland in viele Richtungen und hat Grenzen mit mehreren Staaten Asiens.“ Gleichzeitig würden ihm seine russischen Gesprächspartner versichern, wie europäisch sie sich fühlten und dass sie weiter an guten Beziehungen mit Europa interessiert seien. „Mein Optimismus basiert deshalb auf dem gegenseitigen Interesse an einem gemeinsamen Weg in die Zukunft“, zitiert ihn die Zeitschrift „Deutschland“.

Mahnende Worte zum Abschluss

Seinen Abschied beging der Botschafter mit einer Predigt in der Kathedrale St. Peter und Paul. Das Thema: Der Widerstand gegen Terrorismus und Umweltzerstörung. Der bekennende Evangele schilderte die Schönheit der Schöpfung, die er auf seinen zahlreichen Reisen durch Russland erleben durfte und rief dazu auf, sich voll und ganz auf Jesus Christus zu verlassen und mit Weisheit und Demut der Welt gegenüberzutreten.

Ljubawa Winokurowa

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