Rumänien und Russland: Gespanntes Verhältnis

Verstärkte Präsenz im Schwarzen Meer, der Konflikt in der Ostukraine und russische Soldaten auf der Krim: In der neuen rumänischen Verteidigungsstrategie wird Russland erstmals als feindlicher Staat definiert. Ein Überblick über konfliktreiche Beziehungen.

Das russische Beziehung zu Rumänien ist konfliktreich. (Foto: Andrei Pungovschi/Getty Images)

Unabhängigkeit

Rumänien erklärte während des Russisch-Türkischen Krieges von 1877 bis 1878 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Dem russischen Zaren kam das Vorhaben sehr gelegen. Der Grund: Die russischen Strategen konnten einen Pufferstaat am Südrand des russischen Imperiums gut gebrauchen. Denn in der Region lieferten sich Osmanen und Russen seit rund 200 Jahren Dauerkämpfe um die Vorherrschaft. 1878 nahmen beide Länder diplomatische Beziehungen auf.

Erster Weltkrieg

Rumänien trat 1916 auf Seite Russlands in den Ersten Weltkrieg ein. Ziel des jungen Staates war die Eroberung des damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Siebenbürgens. Doch das militärische Vorhaben scheiterte kläglich. Stattdessen wurde die rumänische Armee fast vollständig aufgerieben, riesige Territorien und die Hauptstadt Bukarest von den Mittelmächten besetzt.

Erst an der Moldau konnte die Front mit Hilfe des russischen Heeres wieder stabilisiert werden. Bis zu einem Drittel der russischen Soldaten musste dafür an diesen Kampfplatz abkommandiert werden. Nur so konnte ein Einfallen des Gegners in den Süden des russischen Imperiums verhindert werden. Allerdings schwächte die Truppenbewegung die zaristische Armee massiv an der Ostfront und ermöglichte deutsche Erfolge.

Mit dem Ausscheiden Russlands infolge der Oktoberrevolution von 1917 verlor Rumänien dann jedoch seinen wichtigsten Verbündeten und musste sich zu einem Waffenstillstand bequemen. Allerdings konnte Bukarest die Schwächung des ehemaligen Waffenbruders nutzen und besetzte 1918 Bessarabien. Die sowjetische Regierung brach die Beziehungen zu Rumänien daraufhin ab. Erst im Jahr 1934 tauschten beide Staaten wieder Botschafter aus.

Zweiter Weltkrieg

Im Juni 1940 besetzte die Sowjetunion die nördliche Bukowina und Bessarabien. Auf diesen Schritt hatten sich Moskau und Berlin zuvor im geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes verständigt. Als das Deutsche Reich ein Jahr später zum Angriff auf die Sowjetunion ausholte, sah Bukarest die Chance zur Revanche gekommen: Die rumänische Armee beteiligte sich an der Seite der Wehrmacht an dem Überfall.

Vor allem auf dem Gebiet der heutigen Ukraine und Moldaus verübten rumänische Einheiten dabei zahlreiche Verbrechen gegen Zivilisten und Juden. Auch in der Schlacht von Stalingrad kämpften rumänische Soldaten. Als sich 1944 die Niederlage des Deutschen Reiches abzeichnete, wechselte das Land die Seiten. Nach dem Ende des Krieges musste Rumänien Bessarabien und die Nordbukowina zurückgeben.

Der Sonderweg

Nach 1945 gehörte Rumänien als Mitglied des Warschauer Paktes und des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zum sowjetisch geführten Ostblock. Allerdings nahm sich das Land gegenüber Moskau weitgehende Freiheiten heraus. So verurteilte Bukarest die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, ließ keine Militärübungen auf eigenem Territorium zu und grenzte sich von den sozialistischen Verbündeten ab. Zudem pflegte das Land außergewöhnlich gute Beziehungen mit der Bundesrepublik und anderen westlichen Staaten. Auch Kontakte zu Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) wurden unterhalten. Allerdings blieb Rumänien immer auf sowjetische Unterstützung angewiesen.

Nach 1989

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus richtete Rumänien seine Politik nach Westen aus. 2004 trat das Land der NATO bei, 2007 der EU. Diese Richtungsentscheidungen beeinflussen bis heute das spannungsreiche Verhältnis zu Russland, mit dem Bukarest 2003 einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit abschloss. Moskau stört sich vor allem an der Raketenabwehrbasis Deveselu, welche Teil der NATO-Raketenabwehr in Europa ist. Rumänien kritisiert den russischen Einfluss in Moldau und Transnistrien sowie die russische Flotte im Schwarzen Meer.

Birger Schütz

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