„Nichts“: Was Putin der Nation zu sagen hatte

Wenn er ohne Kriegsrhetorik auskommen müsse, habe Wladimir Putin sofort „nichts zu sagen“. So kommentierte Kremlkritiker Alexej Nawalnyj Putins diesjährige Rede an die Nation, in der Außenpolitik nur eine Nebenrolle spielte. Aber was war dieses „Nichts“? Lesen Sie hier Auszüge des 68-minütigen Auftritts am 1. Dezember und urteilen Sie selbst.

Freunde und Feinde

Wir wissen um das Maß unserer Verantwortung und sind aufrichtig bereit, uns bei der Lösung globaler und regionaler Probleme einzubringen, soweit unsere Beteiligung angemessen, gewollt und notwendig ist. Wir wollen keine Konfrontation mit niemandem, so etwas brauchen weder wir noch unsere Partner und die Weltgemeinschaft. Im Unterschied zu ausländischen Kollegen, die Russland als Gegner betrachten, suchen wir keine Feinde und haben sie nie gesucht, wir wünschen uns Freunde.

Werte und Prinzipien

Jede Ungerechtigkeit und Unwahrheit wühlt die Menschen sehr stark auf. Das ist überhaupt eine Besonderheit unserer Kultur. Die Gesellschaft lehnt Anmaßung, Herablassung, Arroganz und Egoismus ab, egal, von wem sie ausgehen, und schätzt zunehmend Eigenschaften wie Verantwortungsbewusstsein, hohe Moral, Sorge ums Gemeinwohl und die Bereitschaft, andere anzuhören und ihre Meinung zu respektieren. Die Prinzipien von Gerechtigkeit, Achtung und Vertrauen sind universell. Wir machen uns dafür in der internationalen Arena stark, offenkundig nicht ohne Erfolg, sind in gleicher Weise aber auch verpflichtet, ihre Anwendung innerhalb unseres Landes für jeden Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes zu gewährleisten.

Putin

Immer am Jahresende spricht Wladimir Putin zur „Föderationsversammlung“ aus den beiden Kammern des Parlaments. Dieses Foto stammt von einem anderen Auftritt. / function.mil.ru

Schimpf und Schande

Einige meinen, die Gefühle anderer Leute und nationale Traditionen herabwürdigen zu können, indem sie mit schönen Worten jonglieren und sich hinter Einlassungen zur Freiheit verstecken. Wenn ihr euch für fortschrittlicher, intelligenter haltet, dann verhaltet euch respektvoll gegenüber anderen, das ist doch nur natürlich. Unberechtigt und unakzeptabel ist gleichzeitig aber die aggressive Gegenreaktion, erst recht, wenn sie mit Vandalismus und Gesetzesverstößen einhergeht. Solche Fälle wird der Staat mit aller Strenge ahnden.

Freiheit und Offenheit

Ich möchte es besonders unterstreichen: In der Kultur, in der Politik, in den Medien und im öffentlichen Leben darf niemand das freie Denken und die offene Meinungsäußerung verbieten.

Behörden und NGOs

Ich wende mich jetzt an viele von Ihnen, möchte, dass mich die Gouverneure erhören wie auch die Munizipalitäten. Ich bitte Sie, nicht nach alter Gewohnheit nur behördliche Organisationen für soziale Dienste heranzuziehen, sondern maximal auch NGOs. Sagen wir es doch offen, die sind noch nicht betriebsblind, und das ist sehr wichtig – den Menschen mit Herz zu begegnen.

Zusammengestellt von Tino Künzel.

Im russischen Orginal:

Post von Alexej Nawalnyj – navalny.com/p/5146

25 Zitate aus der Rede Putins – www.rbc.ru/politics/01/12/2016/58400b509a7947fe85b80e61

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