Moskaus Kampf um die Maske

Seit Monaten gilt in Moskau Maskenpflicht. Doch immer noch halten sich viele Menschen nicht daran. Sie sehen die Maßnahmen als ungesetzlich und beleidigen sogar den Bürgermeister.

Maske
Maskenkontrolle in einem Bus. In Moskau soll härter durchgegriffen werden. (Foto: Sofia Sandurskaja/ AGN Moskwa)

Es war ein Vorfall, der viele Moskauer in Rage brachte. Anfang Oktober schlug ein Mann in der Metro einer hustenden Frau ins Gesicht. Als Grund für seinen Ausraster nannte der Mann, dass sein Opfer keine Maske getragen habe und er sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus fürchtete. Die anschließenden Reaktionen im Netz zeigen, wie blank die Nerven bei vielen Menschen mittlerweile liegen. Denn neben der Ablehnung von Gewalt gegen Frauen erhielt der Mann auch viel Zuspruch. Schließlich herrscht in der Metro Maskenpflicht und die Angst der Menschen wächst.

Im Sommer schützten sich viele nicht

Seit dem 12. Mai gilt im Nahverkehr und Supermärkten Masken- und Handschuhpflicht. Wer sich nicht daran hält, darf nicht einkaufen oder reisen. Eigentlich. Denn wie oft in Russland üblich, werden die Regeln nur für kurze Zeit wirklich befolgt. Handschuhe trug über den Sommer niemand beim Einkaufen. Und nur jeder Dritte eine Maske. Scheinbar legten die Verkäufer auch keinen Wert darauf. Und in der Metro ließen sich Polizisten und Angestellte nur sporadisch zu „Razzien“ (rejdy) hinreißen. Dabei steht auf Masken-Vergehen eine empfindliche Strafe von 5000 Rubel (55 Euro). Supermärkten droht sogar die Schließung.

In den Augen der Gegner der Maskenpflicht verstoßen diese gegen die russische Verfassung. Gern berufen sie sich darauf, dass es kein Gesetz gebe, dass die Verweigerung von Masken unter Strafe stellt. Mehr noch widerspreche die Moskauer Anordnung dem russischen Ordnungswidrigkeitsgesetzbuch, das keinerlei Strafen vorsehe, erklärte der Rechtsanwalt Ilja Rejser der Agentur „Regnum“. Außerdem wurde in Russland nicht der Notstand ausgerufen, der eine solche Maßnahme rechtfertigen könnte. Und nicht zuletzt sei es eine Geldfrage. Der Staat müsse dafür sorgen, dass ausreichend kostenlose Masken zur Verfügung stehen. Weil dem nicht so ist, habe jeder Russe die Möglichkeit zu sagen, dass er sich den Mundschutz schlicht nicht leisten kann, argumentiert Rejser.

Regierung führt vermehrt „Razzien“ durch

Erklärungen wie diese machen in russischen Blogs die Runde und sind Wasser auf die Mühlen der Maskengegner. Wann immer auf diversen Plattformen neue „Razzien“ bekannt werden, häufen sich die abwertenden Kommentare, die gar bis zu rassistischen Beleidigungen gegenüber Bürgermeister Sergej Sobjanin führen, der aus dem Autonomen Kreis der Chanten und Mansen in Sibirien stammt.

Bislang lässt sich das Moskauer Rathaus von den Pöbeleien nicht beeindrucken und verschärft die Kontrollen und auch die Strafen zunehmend. Nachdem zum Ende des Sommers mehrere Supermärkte wegen Corona-Verstößen schließen mussten, ging das Rathaus dazu über, die Ladenbesitzer noch stärker zur Verantwortung zu ziehen und sie zukünftig anstatt der Kunden zur Kasse zu bitten. Und in der Metro wird stärker auf den Mundschutz geachtet.

Seit Beginn der Maskenpflicht habe man 96 000 Passagiere wegen Verstößen bestraft, erklärte Wladislaw Sultanow von der Moskauer Transportbehörde, Mitte Oktober. Dabei kamen Bußgelder von 479,5 Millionen Rubel (5,3 Millionen Euro) zusammen. Demnächst könnten es noch mehr werden. Denn mit den steigenden Ansteckungszahlen sind nicht nur Handschuhe überall Pflicht, auch die „Razzien“ sollen verstärkt werden. Vor allem in Bussen, in denen bisher so gut wie gar nicht kontrolliert wurde.

Daniel Säwert

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