Lockerungen in Moskau: Sobjanins nächster Schritt

Seit dem Ende der Selbstisolation bewegt sich Moskau in Richtung des langersehnten, nach wie vor aber riskanten Normalzustands. Nun hat der Bürgermeister weitere Lockerungen angekündigt. Ein Überblick.

Will baldmöglichst wieder Selfies ohne Maske machen: Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin (Foto: svklimkin/Flickr)

Russland geht es wieder besser. Noch Mitte Mai, zum Höhepunkt der Corona-Krise im größten Land der Welt, waren die täglichen Neuinfektionen mit Covid-19 bisweilen über die 10.000er-Marke geklettert. Inzwischen aber haben sich die Werte unterhalb der 7000 eingependelt. Der Föderation ist es zudem gelungen, den ungeliebten zweiten Platz der weltweit am schwersten vom Virus heimgesuchten Länder zu verlassen. Sie liegt jetzt „nur“ noch auf Rang vier der Staaten mit den höchsten Fallzahlen auf der Erde.

Den Behörden in der Hauptstadt Moskau scheint dies auszureichen, um nun den nächsten Schritt zu wagen. Bürgermeister Sergej Sobjanin hat die aktuelle Lage zum Anlass genommen, um weitere Lockerungen für die nächsten Wochen anzukündigen. Diese habe er beschlossen, da „keine Entwicklung zum Schlechteren eintritt und die Zahl der Covid-Fälle weiter zurückgeht“. In einem neuen Erlass legt der 62-Jährige zwei zentrale Termine fest, an denen die wichtigen Maßnahmen in Kraft treten sollen.

Normalbetrieb an den Schulen

Ab dem 13. Juli wird die derzeit noch geltende Masken- und Handschuhpflicht für den öffentlichen Raum in Moskau aufgehoben. In Verkehrsmitteln sowie sonstigen Einrichtungen bleibt sie jedoch weiterhin bestehen. Für Bildungseinrichtungen wie Schulen und Universitäten hingegen gilt ab diesem Termin die Aufhebung jeglicher Beschränkungen. Freizeitangebote für Kinder, wie etwa Ferienlager, dürfen ebenfalls ihre Tore wieder öffnen.

Bedeutende Eingeständnisse werden auch im Bereich Unterhaltung gemacht: Freizeit- und Kultureinrichtungen dürfen ihren Betrieb wiederaufnehmen – wenngleich nur in unbestuhlten Räumen mit einer maximalen Auslastung von 50 Prozent. Massenveranstaltungen im Freien bleiben weiterhin untersagt. Für Unternehmen im Allgemeinen werden alle Einschränkungen bis auf die noch immer geltenden Hygienevorschriften abgeschafft. Russlands Arbeitgeber dürfen selbst entscheiden, ob sie ihre Belegschaft weiterhin von zuhause aus arbeiten lassen oder ins Büro beordern.

Die goldenen fünfzig Prozent

Am 1. August folgen dann die nächsten Lockerungen für den Kulturbetrieb. Theater, Kinos und Konzertsäle mit höchstens 3000 Sitzplätzen dürfen ihre Reihen wieder füllen. Auch hier gilt das Maximum von 50 Prozent. Bei Sportveranstaltungen, die schon jetzt im Rahmen von zehn Prozent der üblichen Zuschauerkapazität stattfinden, dürfen dann ebenfalls 50 Prozent der Plätze belegt werden.

„Nicht nur der gewohnte Rhythmus des Lebens kehrt nach Moskau zurück, sondern auch die freundliche, festliche Atmosphäre, die wir in den langen Monaten der Pandemie so sehr vermisst haben“, fügte Sobjanin zu der Verkündung seiner Beschlüsse hinzu. Ob es sich hierbei um einen Zustand handelt, der langfristig anhalten wird, ist allerdings fraglich.

Auch wenn ein Rückfall nach den bisherigen Lockerungen ausgeblieben ist, rechnen nicht wenige Experten mit einer zweiten Infektionswelle für den kommenden Herbst. Anders als es Sobjanins Worte vermuten lassen, haben Russland und seine Hauptstadt die Pandemie zu dem jetzigen Zeitpunkt noch nicht überwunden.

Patrick Volknant

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