In Moskaus Hinterhand

Immer wieder fanden in den letzten Monaten auf russischem Boden Raketentests statt. Die neuen „Wunderwaffen“ dienen laut Putin vor allem der Verteidigung gegen die militärische Bedrohung aus den USA. Die Entwicklung läuft aber nicht bei allen nach Plan. Ein Einblick ins russische Waffenarsenal.

Angeblich erfolgreich getestet: Interkontinentalrakete RS-23 Sarmat (Foto: Ministerstwo Obrony Rossijskoj Federazii)

Burewestnik

Die „Burewestnik“, auf Deutsch „Sturmvogel“, ist die zurzeit wohl am meisten diskutierte russische Hightech-Waffe. Der Marschflugkörper mit Nuklearantrieb besitze eine fast uneingeschränkte Reichweite und sei aufgrund seiner Manövrierbarkeit für gegnerische Raketenabwehrsysteme kaum erkennbar, sagte Putin in seiner Jahresrede vor dem Parlament 2018. Kein Land habe je etwas Vergleichbares entwickelt. Soweit die Theorie. US-amerikanische Medien berichten indes von einem gescheiterten Test im November 2017 auf der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer. Auch der Nuklearunfall in Njonoksa am Weißen Meer vom Sommer wird sowohl von ausländischen als auch von russischen Experten mit der Bergung einer bei einem Test ins Meer gefallenen Burewestnik in Verbindung gebracht.

RS-28 Sarmat

Die ballistische Interkontinentalrakete Sarmat gilt als effektivste Waffe im russischen Arsenal. Die NATO gab ihr denn auch den Codenamen „Satan 2“. Sie kann nach russischen Angaben bis zu 15 nukleare Sprengköpfe tragen und ein Gebiet von der Fläche des US-Bundesstaats Texas zerstören. Doch auch hier ist bis jetzt noch vieles Schall und Rauch. Seit 2013 wird an der Waffe gebastelt, die das Wojewoda-System aus Sowjetzeiten ersetzen soll. Das erste Exemplar hätte 2015 einsatzbereit sein sollen. Mittlerweile befindet sich das System laut Angaben der US-Amerikanischen Non-Profit-Organisation Nuclear Threat Initiative (NTI) schon mindestens vier Jahre hinter dem Zeitplan und wird wohl nicht wie angekündigt 2021 in Betrieb genommen.

Awangard

Als „hervorragendes Neujahrsgeschenk für die Nation“ bezeichnete Putin Ende 2018 die „Awangard“: Der Gleitflugkörper soll mittels der Interkontinentalrakete Sarmat in die Stratosphäre geschossen werden und sich von dort in Hyperschallgeschwindigkeit auf sein Ziel stürzen soll. Die Waffe könne Gefechtsköpfe mit mehr als der doppelten Sprengkraft der meisten existierenden Atomraketen tragen und sei mit 20-facher Schallgeschwindigkeit viermal schneller als die amerikanische Konkurrenz. Nach einem Test im Südural Ende 2018 sprach die kremlnahe Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ schon von einer „militärischen Revolution“. Wann die Waffe einsatzbereit sein wird, ist aber unklar und hängt nicht zuletzt von der Entwicklung der Sarmat-Rakete ab. Die Einführung im Jahr 2020 schätzte die NTI Anfang des Monats als ambitioniert ein.

Poseidon

Auch unter Wasser rüstet Russland auf. In Sewerodwinsk am Weißen Meer werde zurzeit eine atomar angetriebene Unterwasserdrohne erprobt, berichtete das Magazin „Forbes“ im August. Der russische „Torpedo“ soll nukleare Sprengköpfe tragen und bis zu 1000 Meter tief tauchen können. Die Waffe würde eine gigantische radioaktive Tsunami-Welle auslösen, um Marinestützpunkte oder ganze Küstengebiete zu verwüsten. Getragen würde sie von speziellen Atom-U-Booten, namentlich von den Typen Belgorod und Chabarowsk. Bis zu sechs dieser Unterwasserdrohnen soll das Boot Belgorod transportieren können. Sowohl die Waffe wie auch die Schiffe befinden noch in der Entwicklungsphase. Nach Schätzungen der NTI wird die Drohne nicht vor 2027 einsatzbereit sein.

Leonie Rohner

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