Gegeneinander für das Miteinander

Im Windschatten der Fußball-WM wird auch auf anderen Plätzen fleißig gekickt. Bei dem deutsch-russischen Projekt "Fußballbrücken" geht es über das Gegeneinander um das Miteinander.

Auf dem wuseligen Moskauer Bahnhof in St. Petersburg: 30 Jugendliche aus Deutschland besteigen mit müden, aber strahlenden Gesichtern ihren Doppelstockzug nach Moskau. „Das ist ein richtiges Abenteuer“, sagen die Mädchen aus dem vierten Schlafabteil. Keines von ihnen ist schonmal in Russland gewesen. Nur Kim aus Düsseldorf hat einen Bezug: „Mein Freund ist Russe. Zuhause kocht er manchmal russisch für mich.“ Die Jugendlichen sind jedoch nicht nur hier, um Land, Leute und Küche zu erkunden.

Deutsch-Russische Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Deutsch-Russische Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Sie sind zum Fußball hier, aber nicht nur zum Gucken. Im Rahmen des Projekts „Deutsch-Russische Fußballbrücken“ haben die Brandenburgische Sportjugend im Landessportbund Brandenburg, das Deutsch-Russische Forum und der Deutsche Fußball-Bund in drei WM-Städten internationale Straßenfußball-Turniere organisiert. Neben den Deutschen nehmen daran Teams aus der jeweiligen Spielregion teil.

Anton Hlinov kam vor über 20 Jahren mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland. Er engagiert sich regelmäßig bei der Brandenburgischen Sportjugend und ist bei Fahrten ins russischsprachige Ausland unersetzlich: „Letztes Jahr bin ich mit Markus (Penke, Koordinator Integration durch Sport des Verbands – Anm. d. Red.) schon zusammen zum Jugendforum (der 14. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz) nach Krasnodar gefahren.“ Dort stellten sie das Konzept des internationalen Straßenfußballturniers auch dem damaligen Bundesaußenminister Siegmar Gabriel vor. Dieses Jahr nun steht das dreiwöchige Programm.

Fairer Kampf um den Ball bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Fairer Kampf um den Ball bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Beim ersten „Fußballbrücken“- Turnier an der Schule von Nowoje Dewjatkino bei St. Petersburg waren rund 100 Fußballbegeisterte in Aktion. Wie bei der WM wurde in acht Gruppen gespielt, wobei die 30 Mannschaften aus je drei Spielern plus Auswechselspieler bestanden. Jedes Team erhielt per Los den Namen eines WM-Teilnehmerlandes.

Fairplay-Regeln aufstellen bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Fairplay-Regeln aufstellen bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Beim Straßenfußball für Toleranz geht es aber nicht nur ums Gewinnen, sondern vor allem um Miteinander, Austausch und Verständnis, erklärt Penke am Vorabend des Turniers ausführlich. Darum stellen die Mannschaften vor Spielbeginn drei eigene Fairplay-Regeln auf, zum Beispiel Aufhelfen nach Sturz. Am Ende gibt es dann auch Punkte und den größten Pokal fürs Fairplay. Die Schiedsrichter ersetzen beobachtende Teamer, die – hier vor allem durch Übersetzung – sicherstellen, dass sich die Mannschaften einigen können. Außerdem denken sich die Teams eine gemeinsame „Tradition“ fürs Spielende aus: vom Ruderboot über Bockspringen bis zu Tänzen.

Gemeinsamer Nach-Spiel-Tanz bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Gemeinsamer Nach-Spiel-Tanz bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

In jedem Team ist mindestens ein Mädchen. Wenn sie ein Tor schießt, zählt das doppelt. Darum haben die Fußballerinnen wenig Zeit zum Verschnaufen. Denn schnell folgen die kurzen Spiele aufeinander. Absprechen, jubeln, spielen, seine Tradition zeigen und weiter geht’s im Spielplan.

Mädchen gehören in jede Mannschaft bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Mädchen gehören in jede Mannschaft bei den Deutsch-Russischen Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Die Stimmung beim ersten Turnier sei „ganz toll“ gewesen, sagt Cheforganisator Uwe Koch. Weniger toll: Der Lkw aus Deutschland mit Spielcourts, DFB-Original- Trikots und anderer Ausrüstung steckte vier Tage an der lettisch- russischen Grenze fest, was den Organisatoren schlaflose Nächte und zahllose Telefonate mit Botschaften und Zollämtern bescherte. Da wollen die „Fußballbrücken“ nun Grenzen überwinden helfen – und dann so etwas. In Nowoje Dewjatkino musste improvisiert werden, nachdem sogar die Absage des Turniers im Raum stand. Inzwischen sind Teilnehmer und Lkw nach Rostow am Don und Sotschi unterwegs.

Deutsch-Russische Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Deutsch-Russische Fußballbrücken in Nowoje Dewjatkino / Peggy Lohse

Dort sind zum Jahrestag des Überfalls Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 eine Kranzniederlegung und ein Freundschaftsspiel zwischen Funktionären und Projektteilnehmern aus beiden Ländern geplant, außerdem wird es in jeder Stadt ein weiteres Straßenfußballturnier geben.

Peggy Lohse

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