Eine Stadt wehrt sich

Moskau hatte Glück. Das Schicksal vieler anderer europäischer Metropolen, die von den deutschen Bombern im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurden, blieb Moskau erspart. Einen großen Anteil daran hatten die Menschen in der Stadt, die eine Flugabwehr organisierten und wichtige Ziele tarnten. Das Museum Moskaus zeigt in einer Ausstellung, wie die Bewohner die Verteidigung ihrer Stadt organisierten.

Eine Flaksoldatin hält auf dem Haus Niernsee Ausschau nach deutschen Fliegern. © Alexander Kapustjanskij/Museum Moskaus

Der Federazija-Turm ist das höchste Gebäude Moskaus. Für gewöhnlich kommen Einheimische und Touristen hierher, um von der Aussichtsplattform auf 372 Metern Höhe einen Blick auf die Stadt zu werfen. Noch bis zum 1. Juni können Besucher hier in der Fotoausstellung „Eine Stadt auf der Höhe. Moskau und die Moskauer in den Jahren des Krieges“ erfahren, wie sich die Stadt im Zweiten Weltkrieg gegen die deutschen Luftangriffe zur Wehr setzte.

Zunächst blieb Moskau nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 von den gefürchteten Bombardements verschont. Die Flieger der Luftwaffe brauchten mehrere Wochen, um die Stadt auszukundschaften und eine Karte mit lohnenden Angriffszielen zu erstellen. Diese Zeit nutzten die Moskauer und die Soldaten der Roten Armee, um sich auf die Bomben vorzubereiten. Alles, was als mögliches Ziel ausgemacht wurde – in erster Linie Fabriken und Baudenkmäler – wurde versucht zu verstecken. So erhielten die goldenen Kuppeln der Kreml-kirchen einen Tarnanstrich und die Roten Sterne, die die Kremltürme zieren, wurden abgedeckt. Auch an anderen Orten Moskaus  wurde getarnt und getäuscht. Ganze Häuser erhielten Tarnnetze und überall in der Stadt entstanden vermeintliche Flugfelder, Raffinerien und Fabriken.   

Moskau wollte sich in den Kriegstagen aber nicht nur verstecken, sondern auch wehren. Ein Netz von Flugabwehrkanonen durchzog die Stadt – auf der Philharmonie, Hotels, dem Ausstellungsgelände WDNCh und im Gorki-Park. Die Kanonen gehörten damals zum Stadtbild.

Berühmte Fotografen dokumentierten die Gegenwehr

Festgehalten wurde das Geschehen des Jahres 1941 von den bekanntesten sowjetischen Pressefotografen. Naum Granowskij, Semjon Fridljand, Jewgenij Chaldej und Alexander Kapustjanskij riskierten viel, um die Mühen zur Verteidigung Moskaus einzufangen. „Die Fotografien helfen uns zu verstehen, wie ernsthaft die Menschen damals agierten. Sie zeigen die Tragödie des Krieges aus einer persönlichen Perspektive“, meint die Kuratorin des Museum Moskaus Alina Fjodorowitsch.

Diese persönliche Perspektive umfasst auch die Wehrübungen, bei denen die Soldaten der Roten Armee den Einwohnern Moskaus zeigten, wie man Brandbomben entschärfen kann. Die Fotografien zeigen Moskauer, die Sandsäcke und Wassereimer auf Häuserdächer bringen, um die gefürchteten Brandsätze schnell zu löschen. Und Menschen, die nach deutschen Bombern Ausschau halten. Wie das Bild Alexander Kapustjanskijs, auf dem eine junge Rotarmistin auf dem damals höchsten Gebäude Moskaus, dem Haus Niernsee, den Himmel nach deutschen Bombern absucht.

Trotz aller Mühen, vollständig konnte Moskau nicht geschützt werden. So trafen die deutschen Bomben das Bolschoi-Theater, den Alten Arbat und den Kreml. Dort entstand an der Stelle des zerstörten Arsenals später der Kremlpalast.

Die Lücken, die der Zweite Weltkrieg in Moskau hinterließ, sind schon lange geschlossen. Die Fotografien rufen in Erinnerung, wie sich die Stadt und die Menschen gegen eine verheerende Zerstörung zur Wehr setzten.

Ljubawa Winokurowa

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