Die Lautsprecherin

Zwischen gewitzter Schlagfertigkeit und offenem Sarkasmus: Wenn Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa ans Mikro tritt, wird es meist ungemütlich und bemerkenswert undiplomatisch. Eine Sammlung ihrer denkwürdigsten Aussprüche.

Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa nimmt kein Blatt vor den Mund. (Foto: u-f.ru)

Bein zeigen im Weißen Haus

Anfang September postete Maria Sacharowa auf Facebook zwei Screenshots. Auf dem einen ist der serbische Präsident Aleksander Vučic zu sehen, der US-Präsident Donald Trump und dessen riesigem Schreibtisch gegenübersitzt und dabei etwas verloren wirkt. Da­runter montierte die Außenamtssprecherin ein Standbild aus dem Erotikthriller „Basic Instinct“, in dem Sharon Stone die Beine freizügig übereinanderschlägt. „Wenn Sie ins Weiße Haus gerufen werden und der Sessel wie bei einem Verhör aufgestellt wird, setzen Sie sich wie auf Foto Nr. 2 hin. Wer auch immer Sie sind. Glauben Sie es mir“, höhnte Sacharowa. Der Scherz zukosten Russlands engstem Verbündeten auf dem Balkan ging allerdings nach hinten los, Tausende russicher User kritisierten die Entgleisung und Belgrad tobte. Sacharowa ruderte daraufhin zurück, sie habe nur die Protokoll-Politik der amerikanischen Außenpolitik kritisieren wollen. Präsident Putin soll sich für den Ausfall bei der serbischen Führung entschuldigt haben.

Fresse halten

„Die Fresse halten – das können Sie Ihren Kollegen befehlen, wenn das der Umgangston unter amerikanischen Diplomaten ist! Solange Russland die Fresse nicht hält, haben Sie eine Chance, sich über die wirkliche Lage in Syrien zu informieren.“ Mit diesen Worte reagierte Maria Sacharowa am 9. März 2016 auf einen Ausfall des damaligen US-Außenamtssprechers Mark Toner. Sacharowas Amtskollege hatte am Vortag in Washington erklärt, es sei für Russland an der Zeit, in Syrien konkrete Taten zu unternehmen – oder die Fresse zu halten. Da­rüber hinaus hatte er Moskau dazu aufgerufen, die Ernsthaftigkeit der zu diesem Zeitpunkt anberaumten Waffenruhe in Syrien „nicht mit Worten, sondern mit Taten“ zu untermauern. „Wovon zeugen derart grobe Erklärungen der US-Seite?“, schob Sacharowa damals hinterher. „Allen voran vom fehlenden Verstand und von mangelnder Erziehung.

Lauter als ein Raketenwerfer

„Lassen Sie mich zu Wort kommen. Sonst hören Sie jetzt mal wirklich, was ein russischer Grad ist!“ Mit der Anspielung auf den legendären russischen Raketenwerfer „Grad“ erkämpfte sich die verärgerte Außenamtssprecherin im Juni 2015 das Wort in der politischen Talkshow „Der Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“. Zuvor hatten ukrainische Diskussionsgegner Sacharowa mehrmals unterbrochen. Für ihre Replik erntete die Politikerin den Applaus des Studiopublikums. Die Außenamtssprecherin trat während der Ukrainekrise oft als Gegnerin ukrainischer Positionen in russischen Talkshows auf.

Nachhilfe in Geschichte

„Eine Frage für Geschichtsliebhaber: Was meinte US-Präsident Barack Obama, als er über russische Territorien sprach, die im 19. Jahrhundert verloren wurden? Heute stellen wir gemeinsam für den nordamerikanischen Präsidenten Obama ein Inventarverzeichnis russischer Ländereien auf.“ Mit diesem Post auf der Facebook-Seite des Außenministeriums machte sich Maria Sacharowa, damals noch im Rang eines Stellvertreters in der Presseabteilung, im September 2014 über den damaligen US-Präsidenten Barack Obama lustig. Dieser hatte zuvor in einer Rede in der estnischen Hauptstadt Tallin die russische Außenpolitik kritisiert und vor einem Rückfall in imperiale Strategien der Vergangenheit gewarnt. Moskau könne im 21. Jahrhundert nicht versuchen, im 19. Jahrhundert verlorengegangene Gebiete zurückzuholen. Allerdings hatte Russland im 19. Jahrhundert keine Territorien abgeben müssen und einzig die Kolonie Alaska an die USA verkauft.

Unantastbares Gedenken

„Niemand hat das Recht, das Gedenken an die Soldaten der Roten Armee zu manipulieren. Denn die Mehrheit von ihnen kann für solche Worte nicht mehr einen auf die Fresse geben!“ Diese für Diplomaten höchst untypische Tirade veröffentlichte Sacharowa im Januar 2015 auf Facebook. Der Grund für den Ausfall: Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hatte der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna darauf verwiesen, dass die erste ukrainische Front der Roten Armee das Lager befreit habe. Sacharowa bezeichnete die Stellungnahme als „historischen Vandalismus“. Es gebe nichts Schrecklicheres als solche nationalistischen Spielchen auf den Knochen der Toten. „Auf diese Weise degeneriert das nationale Bewusstsein zum Nationalismus und mutiert letzten Endes zum Nazismus.“

Ein Volk mit Flügeln

„Ich würde gern die Frage beantworten, was der Westen mit der Einführung der Sanktionslisten bezweckt. Ich sage Ihnen, sie haben dabei auf eines gezählt: Dass wir zu ihnen kriechen mit der Bitte, wieder mitspielen zu dürfen.“ Dabei habe der Westen aber eines vergessen. „Am Kriechen stören uns historisch unsere Flügel“, erklärte Sacharowa in der Talkshow „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ im März 2015. Die Wendung wurde dank Internet sehr bekannt und verbreitete sich in zahlreichen Varianten auch in der Umgangssprache.

Birger Schütz

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