Beats im Freien: Russlands angesagteste Sommerfestivals

Wenn die Tage länger werden, strömen die Russen zu zahlreichen Musikfestivals – egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Mehr als 200 Festivals finden dieses Jahr in Russland statt. Die riesige Programmvielfalt sorgt dafür, dass für jeden Musik- und Kulturgeschmack etwas dabei ist. Doch einige Events sollte man auf keinen Fall verpassen.

Festival
Hingabe für die Musik beim „Stereoleto“-Festival © Konstantin Kondruchow

Im Dorf Kanakowo im Gebiet Twer wird es vom 19. bis zum 21. Juli laut. Und zwar richtig laut. Denn am diesem Wochenende findet Russlands größtes Festival „Nashestvie“ statt. Zur 20. Ausgabe des Musikmarathons werden in diesem Jahr 200 000 Menschen erwartet. Seinen Ruf hat sich das „Nashestvie“ durch seine klare musikalische Linie erarbeitet. Zu hören bekommen die Besucher ausschließlich russischen Rock. Auf drei großen Bühnen treten in diesem Jahr sowohl klassische Größen wie die Band „Leningrad“, als auch Rockstars der neueren Generation auf. Zusätzlich zu den musikalischen Highlights gibt es für die Besucher auch Freizeitak- tivitäten wie Kino, Theater und Sportmöglichkeiten.

Das Kontrastprogramm zum „Nashestvie“ gibt es bereits Anfang Juli in St. Petersburg. Das dortige Festival „Stereoleto“ bietet Hafen, Meer und ein durch und durch modernes musikalisches Line-up. Bei Russlands erstem unabhän- gigen Musikfestival stehen alternativer Rock, Pop und Indie im Mittelpunkt. Das Line-up bein- haltet bekannte Stars wie „Icepeak“ oder „Monetotschka“, die für neuen russischen Elektropop ste- hen. Doch die Veranstalter sind auch offen für ganz andere musikalische Richtungen. So werden im Juli erstmals auch Hip-Hop-Klänge zu hören sein. Daneben versteht sich das „Stereoleto“ auch als Plattform für junge russische Künstler, die hier die Möglichkeit bekommen, sich mit ersten großen Auftritten vor einem begeisterten Publikum einen Namen zu machen. Eine weitere Neuerung ist der Ort: Die Festival-Location ist in diesem Jahr erstmalig das Kultur- und Veranstaltungsgelände „Port Sevkabel“. Gelegen direkt an der Newa, bietet sich den Besuchern vom 6. bis 7. Juli eine einzigartige Kulisse zwischen alten Fabrikgebäuden, mit Blick auf den Finnischen Meerbusen.

Auch Moskau hat Interessantes zu bieten. Direkt an der Moskwa, inmitten satten Grüns, versammeln sich Anfang August jedes Jahr mehr als 50 000 Menschen beim Eintagesfestival „Picknick Afischa“. Hier wird in dem Weltkulturerbe des Parks Kolomenskoje zu angesagter russischer und internationaler Musik gefeiert. Headliner ist in diesem Jahr die britische Gruppe „The Cure“, das musikalische Angebot wird von weiteren bekannten Vertretern aus Pop, Rock und Hip-Hop ergänzt. 2019 wird auch die russische Hip-Hop-Legende „Basta“ auftreten und die Herzen aller Rap- Fans höherschlagen lassen. Über den Tag hinweg ändern sich die Musikrichtungen, bis am Abend der Moskauer Nachtklub „Gasgolder“ die Bühne übernimmt und alle Tanzwütigen zum Weiterfeiern bittet. Die Veranstalter schaffen es außerdem immer wieder, neben den musikalischen auch andere Trends zu präsentieren. Dieses Jahr wird es beispielsweise einen Street-Food-Markt geben, der alle hungrigen Feiernden mit den ange- sagtesten Leckereien versorgt.

Weit weg von urbaner Stadtkultur und in Abgrenzung zum musikalischen Mainstream existiert schließlich das Festival „Archstojane“. Eine vierstündige Autofahrt südwestlich von Moskau bringt es alle kunst-, architektur- und musikinteressierten Menschen nach Nikola-Leniwez, dem größten Kunstpark Europas. Die hier überdie hügelige Landschaft verteilten modernen Kunstwerke schaffen eine spirituelle Atmosphäre und bieten die besten Voraussetzungen für das alternative Festivalprogramm. Drei Tage lang, vom 26. bis zum 28. Juli, können sich die Besucher mit verschiedenen Formen von Kunst auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht dieses Jahr der Entstehungsprozess von Kunstgegenständen und die Geburt neuer Musik. Diese wird als Chill-Rave beschrieben und ist dem elektronischen Genre zuzuordnen. Die Veranstalter beschreiben das Event als ein Projekt, was wie ein eigener Organismus funktioniert. Highlight der Veranstaltung: ein vor den Gästen über die Zeit wachsendes Kunstobjekt.

Fiete Lembeck

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