Zwischen Fürsten und Kadavern: Brüder Grooth in Zarizyno

Im Museumspark Zarizyno ist eine Ausstellung der in Russland wohl bekanntesten deutschen Porträtisten des 18. Jahrhunderts zu sehen. Und die fällt gegen Ende auch noch mit einem Veranstaltungshöhepunkt mit deutscher Note zusammen.

Animalistik des Johann Friedrich Grooth / freie Quelle

Animalistik des Johann Friedrich Grooth / freie Quelle

Tote Tiere und prunkvolle Herrscherinnen zieren die bunten Wände des Brothauses im Museumspark Zarizyno. Ein ungewöhnliches Bild. Und eine ungewöhnliche Schau. Zusammen mit neun großen russischen Museen, darunter der Tretjakow-Galerie und dem Staatlichen Russischen Museum, veranstaltet Zarizyno zum 300-jährigen Jubiläum der Künstlerbrüder Georg Christoph und Johann Friedrich Grooth eine große Ausstellung ihrer Werke.

Die meisten Arbeiten gelten als verschollen und/oder verloren. „Es ist sehr ungewöhnlich, geradezu einzigartig, dass Künstler überhaupt ein 300-jähriges Jubiläum ‚feiern‘. Das muss schon was bedeuten“, meint Ludmila Markina, die Kuratorin der Ausstellung. Sie selbst ist auch Autorin des bislang einzigen auf dem russischen Markt erhältlichen Buches über die Malerbrüder.

Die beiden deutschen Grooth-Brüder verbanden ihre ganze künstlerische Laufbahn mit Russland. Sie schafften es unter die besten Porträtisten ihrer Epoche. Jelisaweta Petrowna und Katharina die Große zählten zu ihren Klientinnen und Modellen. Und doch kannte lange niemand die Namen der Künstler der umso bekannteren Werke. „Während meiner Studienzeit habe ich bemerkt, dass die Werke Grooths unverdient vergessen wurden“, sagt Markina. Auch darum liegt ihr dieses Projekt nun umso mehr am Herzen liegt.

Großfürstin Jekaterina, die künftige Zarin Katharina II. / Georg Christoph Grooth/wikipedia

Großfürstin Jekaterina, die künftige Zarin Katharina II. / Georg Christoph Grooth/wikipedia

Der eine Bruder, Georg Christoph Grooth bewährte sich mit Porträts im Rokoko-Stil. Er entwickelte eine Detailtreue und seinerzeit modische Farbauswahl. Oft traf er damit genau den Geschmack der damaligen Herrscher und Herrscherinnen. In seinen Werken spiegelte er ihr Leben und dessen prunkvollen Stil. Später bekam er Aufträge von bedeutenden und ein- flussreichen Persönlichkeiten wie etwa eben jener Großfürstin Jekaterina Aleksejewna, die dann zur Zarin Katharina II. wurde.

Sein Bruder Johann Friedrich Grooth, ebenfalls Maler, zeigte in seinen Bildern gern Tiere, insbesondere Vögel und gerne auch tot. Geboren in Deutschland, verbrachte er ganze 58 Jahre in Russland und erhielt sogar eine russifizierte Namensvariante: Ivan Fjodorowitsch. In der Kunstakademie in Sankt Petersburg leitete er den Kurs „Tiere und Vögel“.

Die damalige Herrscherin Jelisaweta Petrowna liebte die Jagd und Darstellungen von Jagdszenen, wilden und erlegten Tieren. „Zu der damaligen Zeit war es sehr unüblich, sich an toten, zerfetzten Tierkadavern zu erfreuen“, erläutert Markina weiter. Aber für den Pavillon im Park „Mon Bijou“ in Zarskoje Selo sollte Grooth dann dennoch 40 Jagd-Motive anfertigen. Damit galt der Maler als Initiator und erster Vertreter des künstlerischen Genre der Animalistik.

Markina ist sich sicher, dass der „Animalist“ die Besucher der Ausstellung in Zarizyno am meisten interessieren wird, vor allem, weil genau er den Begriff ja erst prägte. „Diese Ausstellung kann man als einzigartig betiteln“, erzählt Expertin stolz. „Unsere Intention war es, dass die Besucher die Künstler durch ihre Malerei erleben können. Man muss sich nur ganz genau diese detailreichen Arbeiten anschauen und sie genießen.“

Animalistik des Johann Friedrich Grooth / freie Quelle

Animalistik des Johann Friedrich Grooth / freie Quelle

Zarizyno ist einer der Publikumsmagneten rund um Moskau: Schon im Jahr 2016 kamen nach Angaben Markinas über 700 000 Zuschauer zu den Dauerausstellungen und Projekten in dem Museum unter offenem Himmel.

Und noch eine Besonderheit steht den Besuchern der Grooth-Schau bevor: Ihr letztes Öffnungswochenende Mitte September fällt auch noch genau mit dem Großen Katharinenball in Moskau zusammen, der ebenfalls im Museumspark Zarizyno stattfindet.

In diesem Moment können sich die Gäste also entweder im Voraus informieren, wie sie sich denn zum Ball kleiden können: bei Grooth dem Porträtisten. Oder sie können sich direkt vor Ort mit dem Chic der Zarenzeit vergleichen. In jedem Falle werden so mehrere Katharinas die Großen praktisch an einem Wochenende im Jahr 2017 in einem Moskauer Museumspark aufeinandertreffen. Und vielleicht machen die beiden ja auch einen kleinen Jagdausflug mit Ihnen zu Grooth dem Animalisten?

Julia Bordunov

Ausstellung „Brüder Grooth: Porträtist und Animalist. Deutsche Künstler am Russischen Hof“
Bis 17. September 

 

Festival der Ball-Tradition 

16. September 11 bis 19 Uhr 

 

Großer Katharinenball 

16. September 20 bis 2 Uhr 

 

Museumspark Zaryzino 

Ul. Dolskaja 1 Zarizyno

(495) 322 44 33

www.tsaritsyno-museum.ru 

Kommentare

Kommentare