Wirtschaftsprognose 2017: Verhalten positiv

Die Wirtschaftskolumne des Osteuropa-Experten Andreas Schwabe von der Raiffeisen Bank.


Andreas Schwabe ist Analyst für Osteuropa mit Schwerpunkt Russland und Ukraine in der volkswirtschaftlichen Abteilung bei der Raiffeisen Bank International in Wien.

Andreas Schwabe ist Analyst für Osteuropa mit Schwerpunkt Russland und Ukraine in der volkswirtschaftlichen Abteilung bei der Raiffeisen Bank International in Wien.

Wie erwartet hat sich die Rezession in Russland in diesem Jahr abgeflacht. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren hat sich das externe Umfeld zwar nicht deutlich verbessert, zumindest jedoch stabilisiert. Mit dem frei schwankenden Rubel konnte ein neuerlicher Ölpreisrückgang zu Jahresbeginn gut abgefedert werden, ohne dass sich Ängste eines Rückfalls in die Rezession bewahrheiteten. Dennoch wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr wohl noch um 0,5 Prozent zurückgegangen sein, während wir für das nächste Jahr eine leichte Erhöhung des Bruttoinlandproduktes um rund 1 Prozent bei einer etwas stärkeren heimischen Nachfrage rechnen. Damit liegen wir im Rahmen der mittleren Erwartungen von Finanzanalysten von 1,2 Prozent.

Unsere Projektion für den Ölpreis liegt mit einem Jahresschnitt von 55 US-Dollar für 2017 merklich über der sehr konservativen russischen Ölpreisannahme von 40 Dollar pro Fass – derzeit handelt Öl der Marke Brent bei über 50 Dollar. Daher sehen wir auch von Seiten der Öl-und Gasexporte Unterstützung für die russische Konjunktur und den Rubel. Die Entscheidung der OPEC zu Produktionskürzungen unterstützt – auch bei gewissen Implementierungsrisiken – unsere optimistischere Einschätzung der Ölpreisentwicklung. Damit könnten im russischen Staatshaushalt mehr Ausgabespielräume bestehen, als derzeit vorgesehen sind. Dies ist angesichts der herannahenden Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2018 nicht ganz unwichtig, und eine gewisse fiskalische Lockerung könnte in der zweiten Jahreshälfte 2017 erfolgen.

Der Rubel hat unserer Ansicht nach noch etwas Aufwertungspotential. Von Seiten der amerikanischen Notenbankpolitik – die Fed wird die Zinsen im nächsten Jahr anheben – sehen wir nur begrenzt negative Auswirkungen auf den Rubel und russische Finanzinstrumente. Russische Anleihen sollten von einer weiter sinkenden Inflation und Leitzinssenkungen (1,5 Prozentpunkte in 2017) profitieren. Derzeit rechnen wir für das kommende Jahr mit einem durchschnittlichen Rubelkurs von 62-63 zum Dollar und von 65-66 zum Euro.

Dennoch ist der erwarte Aufschwung im historischen Kontext schwach. Die russische Wirtschaft erholte sich direkt nach der Finanzkrise weitaus schneller mit Wachstumsraten von über 4 Prozent pro Jahr. Hingegen stagniert trotz der verbesserten Konkurrenzfähigkeit durch die Rubel­abwertung die Industrieproduktion seit zwei Jahren. Die Einzelhandelsumsätze haben sich nach einem Rückgang um 15 Prozent erst vor kurzem stabilisiert.
Es könnte bei langsamen Wachstumsraten bis 2020 dauern, bis das Bruttoinlandsprodukt wieder das Niveau von 2013-2014 erreicht.

Auch wenn sich die Beziehungen zu den USA nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen verbessern sollten, sehen wir nur begrenzt direkte positive Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Es ist zu erwarten, dass europäische Wirtschaftssanktionen in der ersten Jahreshälfte 2017 in Kraft bleiben und wohl auch in die zweite Jahreshälfte verlängert werden. Schließlich werden auch Strukturreformen zur Steigerung der langfristigen Wachstumsrate zumindest vor den russischen Präsidentschaftswahlen 2018 als eher unwahrscheinlich eingestuft.

 

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