Von Schröder bis Seehofer: Wer Russland die Hand reichen will

Nicht nur dem Alt-Kanzler wird vorgeworfen, ein "Putin-Freund" zu sein. Aus fast allen Parteien haben in den vergangenen Monaten Politiker versucht, für einen neuen Kurs gegenüber Russland zu werben.

Gerhard Schröder

Nicht der einzige „Putin-Versteher“: Gerhard Schröder beim SPD-Parteitag 2015 /Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu

Gerhard Schröder weiß, wie man eine Bundestagswahl gewinnt. Zweimal hat er es bewiesen: 1998 gegen Helmut Kohl und 2002, mit Gummistiefeln im Hochwassergebiet und einem Nein zum Irak-Krieg, gegen Edmund Stoiber. Aber ob er als Wahlkampfhelfer für Martin Schulz taugt, das wird in der SPD derzeit bezweifelt. Denn Schröder ist seit Langem in Russland ein gefragter Mann. Und jetzt auch noch Kandidat für den Aufsichtsrat – russische Medien vermuten sogar Aufsichtsratschef – des halbstaatlichen Energiekonzerns Rosneft.

Dass er sich in dieser Funktion für die strategische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland im Energiesektor einsetzen soll, kam in Berlin gar nicht gut an. Der Altkanzler mache sich damit zum „russischen Söldner“, sagte zum Beispiel der Generalsekretär der CSU Andreas Scheuer. Kritik übten auch die Linkspartei und die Grünen. Selbst die Sozialdemokraten waren irritiert. Spitzenkandidat Schulz war im Juni noch gemeinsam mit Schröder beim Parteitag aufgetreten. Nun distanzierte er sich öffentlich.

Quer durch die Parteien

Vereinzelt gab es jedoch auch Unterstützung für Schröder. So wies der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) darauf hin, dass Rosneft derzeit etwa ein Viertel der deutschen Rohöl-Importe liefere. Der Vorsitzende der SPD in Nordrhein-Westfalen Michael Groschek sagte, Schröder sei „einer der wichtigsten Brückenbauer zwischen den Aufgeregtheiten in Deutschland und der russischen Politik“.

Solche Brücken zu bauen, haben seit Beginn der Krim-Krise auch andere versucht, und zwar quer durch die Parteien. Für viel Wirbel sorgte zuletzt FDP-Chef Christian Lindner. Dessen Vorstoß wurde unter anderem von der Spitzenkandidatin der Linken Sahra Wagenknecht begrüßt. Die AfD fordert das Ende der Sanktionen sogar im Parteiprogramm. Und selbst aus der Union kommen Töne, die vorsichtig zumindest als russlandfreundlich interpretiert werden könnten. So hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Januar gefordert, die Wirtschaftssanktionen bis Ende des Jahres aufzuheben. Zudem solle Russland in den Kreis der G8 zurückkehren. Man müsse unterschiedliche Standpunkte klarmachen, sich aber zugleich „um vernünftige wirtschaftliche Beziehungen bemühen“.

Corinna Anton

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