Von Profis lernen: Eine Bandy-Mannschaft aus Mainz zu Besuch in Moskau

Mitte März hatte Moskau ungewöhnlichen Besuch. Eine Kindermannschaft aus Mainz war in die russische Hauptstadt gekommen. Aber nicht, um sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, sondern um an einem internationalen Bandy-Turnier teilzunehmen.

Bandy

Das Team Europa: Deutsche und niederländische Kinder liefen in einer gemeinsamen Mannschaft auf. /Foto: Dimitrij Fichter

Als die sieben jungen Sportler, alle im Alter von 12 bis 13 Jahren, gemeinsam mit ihren Eltern und dem Trainer am Flughafen Domodedowo ankamen, empfing Moskau sie mit Schneefall und Frost. Das ideale Wetter für eine Partie Bandy unter freiem Himmel. Bandy, oder auch russisches Eishockey, wie es manchmal genannt wird, ist ein Freiluftsport. Gespielt wird auf einer Eisfläche mit kurzen Schlägern und einem elastischen Ball anstelle eines Pucks.

Bandy ist vor allem in Skandinavien und Russland beliebt. In anderen Ländern hat es immer noch die Aura von etwas Exotischem. In Mitteleuropa, wo Bandy sich gerade verstärkt entwickelt, sind deshalb auch überall russische Spuren zu finden. So auch in der Kindermannschaft aus Deutschland. Deren Trainer ist der Russlanddeutsche Dimitrij Fichter. Im Jahr 2013 gründete er gemeinsam mit anderen Aussiedlern, die alle früher Eishockey gespielt haben, die deutsche Bandy-Nationalmannschaft. Kurz nach der Gründung nahm man bereits internationalen Turnieren teil. Mittlerweile tritt die Mannschaft bei den Weltmeisterschaften an, wo sie sich mit den Profiteams aus Russland und Schweden misst.

In Deutschland ist Bandy eine Randsportart

In Deutschland kann man von Bandy nicht leben. Dimitrij arbeitet tagsüber als Ingenieur bei der Lufthansa und widmet seine Abende dem Sport. Er unterstützt das Training der deutschen Nationalmannschaft und trainiert in Mainz selbst Kinder. „Wir haben uns einmal für eine extra Trainingseinheit entschieden. Wir wollten den Kindern zeigen, dass es noch eine andere Art des Eishockeys gibt. So haben wir kurze Schläger verteilt, einen Ball herausgeholt und gezeigt, wie man mit ihm umgeht. Die Kinder haben sich gewundert. Nach dem Training meinten aber alle, dass es ihnen Spaß gemacht hat“, erzählt Dimitrij. 

Seit diesem Moment sind drei Jahre vergangen. Im letzten Jahr hat die Mannschaft ihr erstes europäisches Spiel in den Niederlanden bestritten. Und jetzt ist sie nach Russland gekommen. Doch die Mannschaft, die in Moskau das Eis betrat, war keine rein deutsche. Zu ihr gesellten sich einige Spieler aus den Niederlanden. Nur so war das Team stark genug, um den Tschechen, Slowaken, Norwegern und Russen etwas entgegensetzen.

Die Bedingungen sind in Russland beeindruckend

Dimitrij Fichter hatte schon lange davon geträumt, mit seinen Schützlingen nach Russland zu fahren, um ihnen zu zeigen, unter welchen Bedingungen hier Bandy gespielt wird. Drei der Mainzer Sportler waren bereits letztes Jahr in Russland. Damals verbrachten sie eine Woche in Uljanowsk. Die Kinder besuchten die örtliche Sportschule und trainierten dort gemeinsam mit der russischen Jugendmannschaft. Die deutschen Kinder waren von dieser Begegnung tief beeindruckt. Als die Mainzer dieses Jahr die Einladung nach Moskau bekamen, gab es von den Eltern keinerlei Einwände. Schnell wurden die Taschen gepackt und los ging es in die Hauptstadt des Bandy.

Das Turnier selbst fand in Krasnogorsk, vor den Toren Moskaus, statt. Die Gemeinde der Bandy-Spieler ist klein. So verwundert es nicht, dass sich alle gut kennen und das kleine Krasnogorsk intensive sportliche Beziehungen nach Deutschland pflegt. Der Trainer der deutschen Nationalmannschft Alexander Jepifanow war einst Spieler der berühmten Krasnogorsker Mannschaft „Zorkij“. Zum Turnier wurde er als Schiedsrichter eingeladen.

Doch es wurde nicht nur gespielt. Für die ausländischen Gäste wurde eine extra Trainingseinheit abgehalten, in der die Spieler von „Zorkij“ den jungen Talenten zeigten, wie man Hindernisse umfährt und seine Schusstechnik verbessert.

Im nächsten Jahr werden sie wiederkommen

Maximilian Fichter, einer der Söhne des Trainers, zeigte sich von den Bedingungen in Krasnogorsk beeindruckt. „Das ist eine großartige Eisfläche, so etwas haben wir in Mainz nicht“, so Fichter junior. Die Deutschen, die normalerweise in einer Halle spielen, hatten mit dem Geläuf zu Beginn auch so ihre Probleme. Vor allem die Orientierung fiel ihnen schwer. Aber dank der Ratschläge ihres Trainers und älterer Spieler gewöhnten sie sich allmählich an die Bedingungen und wurden selbstbewusster. Nach dem Training gab es zur Belohnung doch noch ein wenig Sightseeing in Moskaus Stadtzentrum. Am nächsten Tag ging es wieder sportlich zu. Die Eisfläche wurde in zwei Hälften geteilt, sodass vier Mannschaften gleichzeitig spielen konnten.

Mit Rücksicht auf das Alter der Spieler wurde entschieden, dass eine Halbzeit nur 15 Minuten dauern wird. So hatten die Kinder genügend Kraft, um mehrere Spiele hintereinander zu bestreiten. Die Deutschen erreichten dabei den vierten Platz. Die anderen Mannschaften spielten einfach schneller und präziser. Erster wurde Norwegen vor Russland. Die Mainzer waren durchaus enttäuscht, entschlossen sich aber auch, nächstes Jahr nach Russland zu kommen. Bis dahin wollen sie an ihren Fehlern arbeiten. Das Ziel für 2019 lautet Gold oder zumindest Silber, so wie die Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen.

Ljubawa Winokurowa

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