Ungezügelte Improvisationslust

Der Herbst in Moskau steht im Zeichen des Jazz: Im November bringt das Goethe-Institut führende Vertreter der deutschen und europäischen Jazz-Szene im Rahmen des Festivals auf die Bühne.

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Das Trio mit Martin Blume, Wilbert de Joode und John Butcher (v.l.n.r.) live auf der Bühne.

Verrauchter Club, schwarzer Rollkragenpulli, ein Glas Rotwein in der Hand und die Füße wippen zum Groove des Saxophons. So stellt man sich einen typischen Besuch um Jazzclub vor. Doch Jazz ist nicht nur ein Vergnügen für intellektuelle Musikbegeisterte, sondern für Jedermann. Davon ist das Goethe Institut in Moskau überzeugt. Im Rahmen des Festivals „Jazz im Herbst – Impro“ entführen führende Vertreter der deutschen und europäischen Free-Jazz- und Improvisationsszene das Moskauer Publikum in ihre Klangwelten.

Bereits zum 6. Mal organisiert das Goethe-Institut das Jazz-Festival. Und die Moskauer Jazz-Szene kann nicht genug davon haben. „Das Festival ist unlängst zu einm Begriff für anspruchsvolle Musik geworden. Die treue und eingeschworene Fangemeinde freut sich immer, wenn wieder ‚Jazz im Herbst’ beginnt“, berichtet Astrid Wege, Leiterin der Kulturprogramme des Goethe-Instituts in Moskau. Das abwechslungsreiche Programm zieht Jung und Alt an. Von elektronischen Synthesizern, über Improvisationen bis zu avantgardistischen Experimenten ist alles beim Jazz-Festival vertreten. „Jede Veranstaltung ist eine Erkundungsreise, die sich im Hier und Jetzt entfaltet“, erklärt Wege.

Die Konzerte finden wieder in den Räumen des Kulturzentrums „Dom“ statt – ein Domizil für kosmopolitischen Jazz. „Es ist ein sehr schöner Ort, an dem kein Mainstream gespielt wird, sondern große Namen des zeitgenössischen Jazz treten hier auf“, so Wege. Deswegen sei das Festival im „Dom“ meistens voll und ausverkauft. „Da stapeln sich die Leute.“

Kirill Polonksij ist Konzertorganisator und stand auch in diesem Jahr dem Goethe-Institut als Partner zur Seite. Er ist in der europäischen Jazz-Szene sehr gut vernetzt und konnte viele Ausnahmekünstler ans Land ziehen.

So gab das Konk Pack Trio im Oktober mit Thomas Lehn am Analogsynthesizer, dem Multi-Instrumentalisten Tim Hodgkinson an E-Tischgitarre, Elektronik und Klarinette sowie Roger Turner an Schlagzeug und Percussion den Auftakt. Am 6. November ist das Trio mit Martin Blume, John Butcher & Wilbert de Joode in klassischer Free-Jazz-Besetzung, Saxophon – Kontrabass – Schlagzeug, an der Reihe das Moskauer Publikum mit rhythmischen Klangmosaik zu begeistern. Die Altmeister aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden spielen schon seit zehn Jahren in dieser Konstellation zusammen.

Höhepunkt des Festivals ist das Doppelkonzert der Free-Jazz-Legende Peter Brötzmann.  Auf der Bühne wird er seinen 75. Geburtstag feiern. Zunächst spielt der Altmeister im Duo mit der jungen amerikanischen Pedal-Steel-Gitarre-Spielerin Heather Leigh. Im zweiten Teil tritt er mit dem Kontrabassisten John Edwards und dem Schlagzeuger Steve Noble auf, die gefragtesten Musiker der britischen Avantgarde-Jazz-Szene. Bekannt ist Brötzmann für sein sehr kraftvolles und intensives Spiel auf dem Saxophon, das von Kritikern als „brötzen“ bezeichnet wird. Das wird er am 25. November hoffentlich dem Publikum zeigen.

Zum Abschluss des Festivals folgt ein Konzert von Kazuhisa Uchihashi. Der japanische Improvisationsmusiker konnte bereits letztes Jahr das Moskauer Publikum auf der Gitarre und dem Daxophon zum grooven bringen. Ihm folgt das DDK-Trio mit Jacques Demierre am Piano, Axel Dörner an der Trompete und Jonas Kocher am Akkordeon. Sie bilden am 1. Dezember mit vielschichtigen Klangexperimenten und Improvisationen den Schlussakkord des Festivals.

Katharina Lindt

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