Und am Abend noch ein Lied: Ein Streifzug durch Moskaus Karaokebars

Die Russen sind verrückt nach Karaoke. In Moskau gibt es unzählige Möglichkeiten, am Abend in geselliger Runde ein paar Lieder zu singen. Die MDZ hat drei dieser Orte besucht.

Karaoke

Die kleine Bühne der Bowie Bar. /Foto: Daniel Säwert

In den 1970er Jahren erfand der Japaner Daisuke Inoue Karaoke, um das Publikum in den Pausen der Auftritte seiner Band zu unterhalten. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fand das „leere Orchester“, wie Karaoke übersetzt heißt, seinen Weg nach Russland und stieß hier auf großes Interesse. Die Russen sind ein singendes Volk und es gibt wohl kaum ein Zusammenkommen, bei dem nicht irgendwann Lieder angestimmt werden.

Singen passt zum Streben der Russen nach einem festlichen Leben. Seinen Siegeszug in Russland begann Karaoke auf der Straße. Vor zehn Jahren konnte man in so ziemlich jedem Park Menschen antreffen, die lautstark Karaoke sangen. Heute sind Karaokeauto- maten weit verbreitet und stehen in vielen Restaurants und Cafés.

So kann es durchaus vorkommen, dass man gemütlich bei einem kleinen Georgier sitz und am Nebentisch ein Ehepaar aufsteht, um sich das Mikrofon zu schnappen und innig ein paar Schlager zu singen. Echte Fans bevorzugen aber Bars und Partys, in denen Karaoke im Mittelpunkt steht.

Vinil

Der Karaoke Club „Vinil“ bezeichnet sich selbst als einen der besten in Moskau. Zentral gelegen, lockt er die Gäste mit der Aufforderung, es sich nach einem langen Arbeitstag nicht auf dem heimischen Sofa gemütlich zu machen, sondern zur Entspannung noch ein wenig zu singen.

„Vinil“ ist so, wie man sich einen Karaoke-Club vorstellt. Laut, bunt und verspielt. Wer es gesellig mag, der begibt sich in einen der beiden Hauptsäle. Zur Wahl stehen der allgemeine Saal, den eine großen Diskokugel dominiert, und der orientalische Saal. In diesem Bereich finden auch zu vielen Anlässen Partys statt. Wer keine Lust auf so viel Rummel hat, der kann sich mit seinen Freunden in einen VIP-Raum zurückziehen, der ab 800 Rubel pro Stunde zu haben ist.

Egal wo man zum Mikrofon greift, die Auswahl an Lieder ist groß. Das gilt für russische ebenso wie für eng- lischsprachige Songs. Von Disco bis Rock und Soul ist alles dabei. Wer etwas Stärkung benötigt, für den hat die Karte eine reiche Auswahl an europäischen und asiatischen Speisen im Angebot.

Geöffnet hat der Klub „Vinil“ täglich von 18 Uhr bis 6 Uhr.

Karaoke Club „Vinil“

Uliza Sadowaja-Spasskaja 13/2 

Metro Krasnye Worota

www.karaokeclub-vinil.ru

Bowie Bar

Als die Bowie Bar vor etwas mehr als einem Jahr eröffnete, war die Vorfreude unter Moskaus Partygängern groß. Endlich ein neues Format! Die Bowie Bar bezeichnet sich selbst als alternatives Karaoke. Wer den Weg in den Keller auf der Mjasnizkaja-Straße findet, erfährt auch gleich warum. Auf der Treppe warnt eine Leuchtschrift davor, dass man besser nicht versuchen sollte, Lieder von Grigorij Leps anzustimmen. Man käme auch nicht dazu. Denn russische Lieder sucht man im Repertoire der Bowie Bar vergebens.

Hier wird nur westliches Liedgut zum Besten gegeben. Dafür sind alle Musikwünsche kostenlos. Bei unserem Besuch an einem Sonntagabend versucht sich eine Frau grade an einem deutschen Schlager. Barmann Stanislaw erzählt, dass das Repertoire bewusst so gewählt wurde, dass sich nicht jeder angesprochen fühlt.

Viel Platz bietet die Bowie Bar nicht, lediglich fünf Tische gibt es für die Gäste. Aber das hält niemanden ab. An den Wochenenden ist es hier immer voll.

Geöffnet hat die Bowie Bar täglich außer montags ab 19 Uhr.

Bowie Bar 

Uliza Mjasnizkaja 16

Metro Lubjanka

www.bowiebar.ru

Karaoke

Ponykaraoke animiert dei Gäste zum Tanzen. /Foto: Anton Zimerman

 

Ponykaraoke

Ponykaraoke ist der Newcomer in der Karaokelandschaft Moskaus. Und es hat einen Auftrag. Die beiden Macherinnen Lana Gogotischwili und Aljona Salmanowa wollen mit Ponykaraoke die 1990er und 2000er wieder auferstehen lassen, die geprägt waren von Küchenpartys und Karaoke-Spelunken, in denen jeder so schlecht er konnte Lieder zum Besten gab.

Bei Ponykaraoke geht es um Freiheit. Die Freiheit, dem Alltag zu entfliehen und sich so zu geben, wie man möchte. So darf man auch gerne seine „bad taste“-Klamotten wieder aus dem Schrank hervorholen. Beim Repertoire gibt es keine Grenzen, jeder darf sich wünschen, was er will. Gibt es keine Karaokeaufnahme von einem Lied, so erstellen die Organisatoren in Windeseile eine.

Das Konzept kommt vor allem bei den jungen Moskauer Partygängern gut an. Aber auch jemand, der in den 2000ern schon gefeiert hat, wird sich mit Sicherheit wohlfühlen und an seine wilde Zeit erinnern. Bisher hat Ponykaraoke noch keinen festen Veranstaltungsort. Wann und wo die Partys stattfinden, erfährt man auf Facebook.

www.facebook.com/ponikaraoke

Daniel Säwert

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