Subbotnik: Eine alte Tradition ist wieder populär

Ausgerüstet mit Besen, Eimern, Müllsäcken und Schaufeln, waren rund eine Million Moskauer einen Tag lang unterwegs, um die Parks der Stadt in Ordnung zu bringen. Subbotnik nennt sich diese Aktion - ein freiwilliger und unbezahlter Arbeitseinsatz im Frühling.

Frühjahrsputz: Der Park Museon wird auf Vordermann gebracht. / Foto: Anastassija Buschujewa.

„Während der Sowjetunion war man verpflichtet, an Subbotniks teilzunehmen. Heute ist es keine  Pflicht.“, erklärt Jelena Solotkowa erheitert, während sie ihrem kleinem Enkelkind dabei hilft, Laub in einen Eimer zu schütten. „Wir sind hier, weil es uns am Herzen liegt.“ Die Arbeit ist in vollem Gange: Studenten in grellgelben Schürzen, Rentner mit Gummihandschuhen, Mütter und Väter mit dick eingepackten Grundschülern putzen Denkmäler und sammeln den Müll, den der schmelzende Schnee freigelegt hat. Nieselregen und kalter Wind können den fleißigen Helfern nichts anhaben. Bekannte Radiosprecher holen zur Motivation Enthusiasten ans Mikrofon und reichen zur Belohnung heißen Kaffee und Croissants.

Der Frühjahrsputz spielte sich im Moskauer Park Museon ab, dem größten Freilichtmuseum für Skulpturen in Russland. Aber auch an 75 weiteren Orten der Stadt wurde am 8. April geschrubbt und gefegt.

Putzen für den Kommunismus

Die Tradition, am Sonnabend freiwillig und unentgeltlich zu arbeiten, ist schon fast hundert Jahre alt. Die ersten Subbotniks waren das Ergebnis des Revolutionsenthusiasmus in den Anfangsjahren der Sowjetunion. Für überzeugte Arbeiter war es ein Beitrag zum Aufbau des Kommunismus. Nachdem der Revolutionseifer nachließ, etablierte sich diese freiwillige Arbeit als verpflichtender Teil der sowjetischen Lebensweise, insbesondere während der Ferien und an Feiertagen.

Die Putzaktion war ein Mittel der Regierung, die Massen zu erziehen. Wer sich widersetzte, spürte die gesellschaftliche Missbilligung am eigenen Leib. „Man wurde schief angesehen, als Faulpelz und Schmarotzer beschimpft“, erzählt Tatjana Iwaschtschenko, die in einer Schlange für frisch gebrühten Kaffee wartet. „Ich kann mich nur an sehr wenige erinnern, die den Subbotnik verweigert haben.“ Die Rentnerin selbst ist an diesem regnerischen Samstag zum Arbeiten gekommen, weil sie ihren Lieblingsmoderator kennenlernen wollte.

Der Ingenieur Wladimir Karpow kam dagegen aus Neugier. Er erinnert sich noch an den Subbotnik während seiner Schulzeit. Damals mussten sich alle streng in einer Reihe aufstellen, bekamen Arbeitsgeräte in die Hand gedrückt und wurden zur Arbeit in den Nationalpark Lossiny Ostrow geschickt. „Ich habe im Museon etwas Ähnliches erwartet. Dagegen herrscht hier eine angenehme Stimmung. Viele junge Menschen machen mit. Es scheint, als ob der Subbotnik wieder populär geworden ist“, bemerkt er.

Wenn der kommunale Dienst schläft

Außerhalb Moskaus sieht das Bild anders aus. Swetlana  Michajlowa aus Ramenskoe im Moskauer Gebiet rechnet nicht damit, dass die Stadtverwaltung auch hierhin Kaffee, Croissants und bekannte Radiomoderatoren schickt. Sie hat selber die Nachbarn zum Subbotnik animiert. „Wenn der Schnee schmilzt, graust es einen, wenn man sieht, was dort zum Vorschein kommt. An unserem Haus schmeißen viele Autofahrer ihren Müll über den Zaun. Bis der kommunale Dienst tätig wird, wollen wir nicht warten“, sagt die Linguistin.

Der nächste Subbotnik findet am 22. April statt. Auch dann werden sich viele Russen organisieren, um die Sauberkeit ihrer Stadt zu erhalten.

Anastassija Buschujewa

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