Die Deutschen sind zurück: Russland bei Studienreisen wieder sehr gefragt

Nach einem Tiefpunkt 2015 hat Russland als Reiseziel ein Comeback hingelegt, berichten deutsche Anbieter von Studienreisen. Ausgerechnet die Fußball-WM 2018 dämpft allerdings den Optimismus für das laufende Jahr.

Studienreisen schärfen den Blick auch für Hintergründe. / Tino Künzel

Wer ein Land erleben will, ist mit einer Studienreise gut beraten. Im Gegensatz zum Massentourismus ermöglicht diese Art des Reisens ein intensives Auseinandersetzen mit der Kultur des jeweiligen Ortes. Bei den Deutschen liegt Russland dabei wieder voll im Trend: Seit zwei Jahren steigt die Nachfrage kontinuierlich an, ob nun nach Städtereisen in die russischen Metropolen, Kreuzfahrten auf der Wolga oder Erlebnisreisen mit der Transsibirischen Eisenbahn.

„Russland ist wieder sehr populär geworden“, sagt Uwe Lorenz, Geschäftsführer von Eberhardt Travel. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Reiseunternehmen aus Sachsen ein Gästeplus von 22  Prozent für das Land, selbst die Teilnehmerzahl von 2013 – vor dem Konflikt um die Krim und die Ostukraine – wurde übertroffen. „Für 2018 haben wir schon jetzt 25  Prozent mehr Kunden im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt“, berichtet Lorenz. In diesem Jahr stockte der Veranstalter sein Reise­angebot mit zwei weiteren Studienreisen in die russischen Regionen Tatarstan und Kalmückien auf, die abseits der klassischen Reiserouten liegen und deshalb ganz besondere Eindrücke versprechen.

Großer Beliebtheit bei Deutschen erfreuen sich in Russland nicht zuletzt Flusskreuzfahrten. / Tino Künzel

Einen Zuwachs von sogar 60  Prozent im Russlandgeschäft erzielten der Veranstalter Gebeco und seine Tochtermarke Dr. Tigges. „2017 war das beste Russlandjahr, das wir je hatten“, sagt Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco. Zu den Neuheiten des Veranstalters gehört die Themenjahrreise „Russland verstehen“, auf der Teilnehmer Moskau und St. Petersburg besuchen und mehr über die Komplexität des Verhältnisses zwischen Russland und Deutschland erfahren. Sicherheitsbedenken gibt es keine. „Das Land wird trotz der angespannten politischen Lage als sicheres Reiseziel wahrgenommen“, so Steinweg.

Auch bei Studiosus, Europas größtem Anbieter von Studien­reisen, konnte Russland 2017 mit deutlich mehr Besuchern punkten. Zwar werden deutsche Reisegäste durch die Russland-Berichterstattung in den Medien beeinflusst, doch Themen wie Krim und Ost­ukraine-Krieg schrecken nur vorübergehend ab. „Unsere Klientel ist sehr sensibel und zieht sich bei Krisen und Sicherheitsproblemen sofort zurück, spätestens nach ein paar Jahren geht es dann mit der Nachfrage aber wieder nach oben“, sagt Jörg-Dietrich Meltzer, Studiosus-Gebietsleiter für Russland. „Die Krim-Krise ist bei den Kunden, die Russland buchen, kein Thema mehr“, bestätigt auch Wolfgang Schneider, Produktmanager für Russland des hessischen Veranstalters Ikarus Tours. Angesprochen auf die südrussischen Städte Rostow am Don und Sotschi, zeigt er sich wegen deren Nähe zu den Konfliktregionen allerdings skeptisch, ob Angebote zum jetzigen Zeitpunkt eine gute Idee wären.

Der Winter und Holzhäuser sind zwei russische Klassiker. / Tino Künzel

Hält der generelle Aufwärtstrend auch im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft an, die vom 14. Juni bis zum 15. Juli stattfindet? Im Vorfeld des erwarteten Besucheransturms hätten russische Hoteliers kräftig an der Preisschraube gedreht, heißt es in der Branche. „Die WM ist ein Killer, die Kunden werden  abgeschreckt“, sagt Schneider. „Für unsere Art des Tourismus ist das Turnier kontraproduktiv. Aber das trifft auf jedes Event dieser Größen­ordnung zu“, erklärt Lorenz.

Die Reiseveranstalter hoffen aber, dass durch die hohe Medienpräsenz neue Städte wie Kasan ins Bewusstsein rücken. Mittelfristig gehen sie von weiterem Wachstum bei Russlandreisen aus.

Derweil ist die Tendenz auch im Gesamtmarkt positiv. In den ersten drei Quartalen 2017 hat der russische Tourismusverband 27 Prozent mehr deutsche Besucher gezählt als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Olga Kruglova

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