Rubelkurs: Nicht schwach, sondern flexibel

Der Rubelkurs sinkt derzeit mit dem Ölpreis. Ende Juni war er so schwach wie seit Beginn des Jahres nicht mehr. Woran das liegt, wer davon profitiert und wie es weitergehen könnte.

Rubel am Boden? Im Vergleich zu Euro und Dollar hat die Währung zuletzt an Wert verloren. / pixabay

Rubel am Boden? Im Vergleich zu Euro und Dollar hat die Währung zuletzt an Wert verloren. / pixabay

Auf einmal wurde aus der Fünf eine Sechs auf den Anzeigetafeln und die Frage stand wieder im Raum: Was wird mit dem Rubel? Wird er jetzt noch weiter fallen, nachdem schon mehr als 60 Rubel für einen US-Dollar bezahlt werden müssen?  Russische Medien spekulierten, Experten gaben allerdings Entwarnung: Grund zur Panik bestehe derzeit nicht.

Was ist passiert?

Seit Beginn des Jahres war der Rubel relativ stabil. Ende Juni mussten nun erstmals wieder mehr als 60 Rubel für einen Dollar gezahlt werden. So niedrig war der Kurs zuletzt Anfang Februar. Für einen Euro bekam man Ende des vergangenen Monats bis zu 68 Rubel. So viel wie zuletzt im Dezember vergangenen Jahres.

Wie kommt das?

Grund für die Schwäche des Rubels ist vor allem der Ölpreis, der Ende Juni ebenfalls einen Tiefpunkt erreichte. Er sank auf unter 45 US-Dollar pro Barrel der Nordseesorte Brent. So günstig war Öl seit Mitte November vergangenen Jahres nicht mehr. Die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) hat sich deswegen mit zehn weiteren Staaten (darunter Russland) darauf geeinigt, ihre Förderung bis Ende 2018 zu drosseln. Bisher hat das aber keine Wirkung gezeigt, auch weil zum Beispiel die USA nicht mitmachen und für billiges Öl sorgen. Ein weiterer Grund für die Schwäche des Rubels ist Analysten zufolge die Diskussion um die Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland.

Wer profitiert?

Ein schwacher Rubel ist laut Tom Levinson, Chefstratege der Sberbank, gut für Russlands große Öl- und Gasexporteure, aber auch für den Staat. Denn der niedrige Kurs lässt die Steuereinnahmen aus Energieverkäufen steigen. Daneben profitieren natürlich Reisende, die Euro oder Dollar in Rubel umtauschen.

Und wer verliert?

Abgesehen von den großen Exporteuren brauchen russische Firmen allgemein eher einen starken Rubel, sagt Oleg Schibanow, Dozent an der Moskauer Privathochschule New Economic School. Untersuchungen zeigten, dass heimische Unternehmen einen Kurs von durchschnittlich 52 Rubel pro US-Dollar bevorzugten, so der Wissenschaftler. Weil Firmen bei ihren Investitionen auch auf Waren aus dem Ausland angewiesen sind, müssen sie bei einem schwachen Kurs tiefer in die Firmenkasse greifen. Das führt dazu, dass die Preise steigen, was schließlich auch die Verbraucher zu spüren bekommen.

Wie geht es weiter?

Levinson sagt voraus, dass der Kurs bis Ende des Jahres auf mehr als 63 ubel pro US-Dollar klettern wird. „Zunächst suchen wir nach Anzeichen dafür, dass er sich bei über 60 einpendeln wird.“ Schibanow gibt zu bedenken, dass der Rubel weiterhin stark vom Ölpreis abhängen wird. Letzterer sei im Moment aber schwer zu berechnen. Kurzfristig werde der Rubel wahrscheinlich weiter fallen, auf Dauer werde er sich wohl  zwischen 56 und 66 Rubel pro US-Dollar bewegen. Einen drastischen Einbruch befürchten Experten nicht.

Was ist der beste Kurs?

„Als Verbraucher würde ich sagen, je stärker, desto besser“, meint Schibanow. Er sehe aber auch die makroökonomischen Folgen – steigende Importe zum Beispiel. Daher sollte der Markt bestimmen. „Wenn die Nachfrage nach Dollars wächst, dann soll es so sein, dann lasst den Dollar stärker werden.“ Einen idealen Wechselkurs gebe es nicht, ergänzt Levinson. Der Rubel sollte als dynamisch betrachtet werden und sich den Marktbedingungen anpassen. „Urteilt man nach den Kommentaren wichtiger Regierungsbeamter, denken viele, dass der Rubel bei einem Ölpreis unter 50 US-Dollar schwächer sein sollte, als er im Moment ist“, so Levinson.

Und die Zentralbank?

Sie hält sich weitgehend heraus. Laut Schibanow zeigten Studien des Internationalen Währungsfonds, dass flexible Wechselkurse, wie sie seit Ende 2014 gelten, für Länder wie Russland besser seien. Sie können als „Stoßdämpfer für die Wirtschaft“ wirken, meint Levinson. Die Zentralbank werde daher nicht eingreifen, um den Rubel zu stärken. Sie hat keinen Zielwert, bei dem sie den Kurs halten will.

Rubel oder Dollars?

Während es im Jahr 2015 eindeutig besser war, US-Dollars auf dem Konto zu haben, zahlte es sich laut Schibanow 2016 aus, in Rubel zu investieren. Derzeit will er aber keinen Rat geben: „Es gibt keine einfache Antwort auf diese Frage.“

Corinna Anton

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