Petersburger Sommernachtstraum: Hier spielt die Musik

Vom 19. bis 21. August spielen ein Dutzend Bands auf drei Brücken und verwandeln das St. Petersburger Stadtzentrum in einen offenen Konzertsaal. Möglich wurde das fast ohne jegliches Startkapital. Das Spektakel unter freiem Himmel soll keine Eintagsfliege bleiben.

St. Petersburg

Die Generalprobe auf der Bankowskij Most: Hier wird das Festival eröffnet / Fotos (2): Veranstalter

Angefangen hat alles mit einem Internetvideo. Darin ist ein junger Mann zu sehen, der voller Begeisterung für seine Idee wirbt: das erste Festival auf den Brücken von St.  Petersburg. Diesen Sommer solle die Stadt an der Newa für drei Tage zu einem „musikalischen Avignon“ werden, sagt er in Anlehnung an die französische Stadt. Der Haken: Geld hat Dmitrij Karanewskij, Schauspieler am Lensowjet-Theater, keins. Doch das Projekt stößt in den sozialen Netzwerken auf große Resonanz. Namhafte Medienportale wie „Sobaka.ru“,  „Fontanka.ru und „The Village“ berichten. Über eine Crowdfunding-Webseite kommt fast eine Million Rubel zusammen. Kurzzeitig scheint die Initiative doch noch zu scheitern, als gespendetes Geld durch einen Fehler an Dutzende Absender zurückgeht. Doch auch dieser Schreck ist letztlich ausgestanden: Die Veranstaltung vom 19. bis 21. August erhielt grünes Licht vom Organisator. Das Festival ist vor allem eine Plattform für lokale Bands: Sängerin Nina Karlsson, „Duo YarushkinAxenov“, „Malinen“, „Kusto“, „The Hatters“ und das „Quintett of Four“ sind keine unbekannten Namen in der zweitgrößten Stadt des Landes.

St Petersburg

Dieser Retrobus kutschiert die Besucher zwischen den drei Bücken vor der Erlöserkirche.Zur „Bühne“ für das Festival werden drei Fußgängerbrücken am Gribojedow-Kanal. Den Auftakt macht am 19. August um 19 Uhr „Nina Karlsson“ auf der Bankowskij most. Danach spielen „Malinen“ und die Gruppe des Veranstalters selbst „Proletarskoje Tango“. Die weiteren Brücken Italjanskij most und Malyj konjuschenij most befinden sich nur ein paar Geminuten entfernt und führen direkt auf die Erlöserkirche zu. Die Konzerte wechseln sich im Stundentakt auf den Brücken ab. Von akustischer Musik, Swing, Jazz und Gypsi Jazz bis hin zu einem klassischen Orchester ist dabei musikalisch alles vertreten.

„Ich habe unzählige Nachrichten von Leuten erhalten, die das Festival unterstützen wollen. Leider war die Organisation sehr kurzfristig“ so Karanewskij. Für das nächste Jahr habe man jedoch bereits zahlreiche Sponsoren gefunden. Karanewskij hofft, dass sich das Festival fest im Veranstaltungskalender von St. Petersburg etablieren wird. Die Vorfreude ist bei vielen aber schon diesmal groß. „Sommer, Brücken, Musik – und das alles in St. Petersburg. Das klingt einfach verlockend. Ich bin dabei“, sagt die Petersburgerin Daria Popowa. „Das Festival steht im Einklang mit dem Geist von St. Petersburg. Ich will mir das auf keinen Fall entgehen lassen“, pflichtet ihr Politikstudent Naid Machmudow bei, der vor allem wegen Nina Karlsson kommt. Als großer Fan von akustischer Musik hat er die Künstlerin zuvor auf einem Konzert in St. Petersburg erlebt.

Ohne seine Brücken wäre St. Petersburg wohl nicht St. Petersburg. Ganze 342 gibt es in der Stadt, die von Peter dem Großen im Jahre 1703 auf Moorland erbaut wurde. 22 davon sind Hängebrücken, die traditionell jede Nacht aufklappen. Ein Hauch von Romantik weht insbesondere von Ende Mai bis Anfang Juli durch das „Venedig des Nordens“: Während der „Weißen Nächte“ wird die Nacht zum Tag.

Christopher Braemer

Infos und Spielplan: www.lenmost.ru

Kommentare

Kommentare