Moskaus Tore zur Vergangenheit

Ein langer Spaziergang über drei der sehenswertesten Friedhöfe der Hauptstadt führt uns durch die gesamte Geschichte Russlands.

Friedhof: ein Hof des Friedens / Peggy Lohse

Friedhof: ein Hof des Friedens / Peggy Lohse

Nowodewitschje 

"Schauspielerin" von Pasternak an Sujewas Grabstein / Peggy Lohse„Zeiten der Härte werden weicher, 

Worte verlieren ihre Neuigkeit, 

Talent – das ist die einzige Neuheit, 

die wirklich immer neu erscheint.“

Dies dichtete einst Boris Pasternak für die Schauspielerin Anastassija Sujewa. Das Gedicht „Schauspielerin“ ziert bis heute ihren Grabstein auf dem Moskauer Neujungfrauen-Friedhof. Eine ganze Allee ist ihren Kollegen und Kolleginnen gewidmet. Zuletzt wurde hier 2014 Tatjana Samoijlowa, die berühmte „Anna Karenina“ in der Verfilmung von 1967, beerdigt.

In einer weiteren Ecke verbergen sich die Grabstätten großer Literaten, Maler und Kulturschaffender: Anton Tschechow, Isaak Lewitan, Wladimir Majakowskij, Pawel Tretjakow und viele andere mehr. Außerdem hat ein Bruder von Wladimir Lenin ebenso einen Platz hier gefunden sowie erfolgreiche Rotarmiste, Partisaninnen und Boris Jelzin.

Wie alle ersten Friedhöfe entstand er am gleichnamigen Kloster. Einst galt er gar als zweitrenommiertester nach der Kremlmauer. Zu Sowjetzeiten, als Dutzende ebenso alte Ruhestätten aufgelöst wurden, entstand hier ein Museum. Und dennoch – man mag es kaum glauben, wenn man über das riesige Areal streunt – sind heute nur noch einige hundert von den früher über 2800 Gräbern erhalten.

Übrigens: Hier ruht auch Stalins Ehefrau, die Gerüchten zufolge von ihrem Mann in den Selbstmord getrieben wurde.

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M Sportiwnaja

Wagankowo 

Nach der Pestepidemie 1771 wurde das Beerdigen innerhalb der Moskauer Stadtgrenzen per Erlass der Zarin Katharina der Großen endgültig verboten. Vor den Toren der Stadt entstand eine Vielzahl neuer Friedhöfe, darunter auch nahe der Siedlung Wagankowo.

Neben dem sowjetischen Liedermacher und Schaupieler Wladimir Wyssotzkij und dem Dichter Sergej Jesenin unterscheidet sich der Friedhof vor allem durch seinen „sportlichen Teil“ von seinen Kollegen: Unter der „Trainer-Allee“ ruhen Russlands größte Sporttrainer wie beispielsweise der „Vater des russischen Eis-Hockey“, Anatolij Tarassow, der die sowjetische Nationalmannschaft in den 60ern zu Weltruhm führte.

Ul. Sergeja Makejewa 15 

M Begowaja

Donskoj-Friedhof 

Auch der Donskoj gehört zu den ältesten Friedhöfen Moskaus. Er galt als Aristokraten-Stätte. Hier sind reich verzierte Gruften bis heute gut erhalten geblieben. Die Sowjets lösten ihn dann von der Kirche und machten ihn zum Museum. Viele aufwendig gestaltete Gräber geschlossener Friedhöfe wurden dann hierher versetzt.

1927 entstand an diesem Ort das erste Moskauer Krematorium mit Kolumbarium für die Urnengräber. Später wurden hier viele Opfer der Stalinschen Säuberungen beigesetzt. Auch die Asche zahlreicher Opfer des Zweiten Weltkriegs ist in anonymen Massengräbern „begraben“. Laut der Menschenrechtsorganisation Memorial soll sich in einer dieser Gruben auch die Asche von über 900 Deutschen befinden, die von 1950 bis 53 hingerichtet wurden, darunter viele unpolitische Zivilisten.

Außerdem ruhen hier der radikal antirealistische Theaterregisseur Wsewolod Meyerhold sowie der deutschstämmige sowjetische Spion in den USA, Rudolf Abel.

Ul. Ordschonikidse 12 

M Schabolowskaja

Peggy Lohse

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