MDZ-Serie: deutscher Professor an russischer Präsidenten-Uni (Teil 5)

Die Präsidenten-Akademie RANEPA in Moskau ist die erste Hochschule des Landes, die ein vierjähriges Bachelor-Studium durchgängig in englischer Sprache aufgelegt hat: „Global Governance and Leadership“. Der deutsche Professor und MDZ-Autor Frank Ebbecke führt Tagebuch.

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Universitäten sind „per definitionem“ Theorientempel. Gerade
Erstlingsstudenten wird hier das nötige Grundlagenwissen eingefiltert, um darauf in der Praxis ihre Zukunft solide aufbauen zu können. Geht es in so manchen Lehrstunden um das Streben nach interkultureller „Leadership“ in unserer immer enger vernetzten Welt, ein entsprechend gewandtes Auftreten und gepflegt-gescheite Ausdrucksweise, kann eine Berührung mit professionellen Realitäten nur hilfreich sein. Je früher desto besser.

Da war zunächst der „Global Account Director“ eines Marktführers aus der Hospitality-Branche mit Hauptsitz in Milwaukee/USA geladen. Der Engländer Dave Walker fand während eines Stopovers in Moskau – von Bali kommend auf Weiterreise nach Südeuropa – die Zeit, sein ruheloses Berufsleben auszubreiten. Drei Wochen pro Monat, Jahr für Jahr, sitzt er ent- weder im Flugzeug oder in Kundenmeetings. So ist er dem steten Wechsel von nationalen Eigenheiten, Sitten und Gebräuchen ausge- setzt. Und da kann Missachtung oder Fehlverhalten schnell auch zum Verlust eines Geschäftes führen. Da heißt es doch besser Frühkenntnis und Respekt vor fremden Kulturen.

Dann trat der Chefredakteur der angesehenen „Moskauer Deutschen Zeitung“, ein Deutscher mit kroatischen Wurzeln, Bojan Krstulovic, vor die Eleven. Welchen Beitrag kann Gedrucktes oder Gesendetes noch leisten, wo sich doch heut- zutage jeder über alles in Echtzeit im Internet ausmären und Meinung machen kann? Wie ist noch die Wahrheit in diesen weltumspannenden Diskussionen zu finden? Wie schärft sich das Berufsbild des Journalisten für morgen? Wie am geschicktesten verhalten, wenn mal selbst im Visier der Profi-Kommunikatoren – aus positivem wie negativem Anlass? Eigentlich so beeindruckend wie beruhigend, dass jedenfalls diese Studenten der „Digital Generation“ auch noch die klassischen Medien durch die Bank für ihre Meinungsbildung konsumieren.

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