Magische Mittsommernacht

Am 7. Juli wird in Russland die Iwan-Kupala-Nacht gefeiert. Dieses uralte Fest war eine der wichtigsten Heidenfeiern zu Ehren der Sonne. Das Fest der Sommersonnenwende ist mit Ritualen, Sagen und Legenden verbunden.

Ein beliebtes Ritual: Je ferner der Kranz schwimmt, desto schneller soll sich der Wunsch erfüllen. / Foto: VIKTOR DRACHEV/AFP/Getty Images.

Mittsommer ist der Tag der Sonnenwende. Es ist auch die längste Nacht des Jahres. Wenn das Gestirn seinen Höhepunkt erreicht hatte, feierte das heidnische Volk das Kupala- Fest, um Mutter Natur zu danken. „Unter dem Namen Kupala beteten unsere Voreltern die wohltuende Kraft des Wassers und die Wärme der Sonne an und glaubten, dass Kupala sich im Wasser, Feuer und in den Kräutern verbarg“, erklärt der kirchliche Schriftsteller S.W. Bulgakow in seinem „Tischbuch für Kleriker”. Die Slawen glaubten, dass sie am Tag der Sonnenwende heilende Kräfte gewannen, weil es der Höhepunkt des Sommers war. Erst nach dem Kupala-Fest begann man das Gras zu mähen, erklärt Warwara Dobrowolskaja, Ethnologin am staatlichen Volkskundezentrum in Moskau.

Spuk und Tanz nach Sonnenuntergang

Doch auch böse Geister sollen in dieser Nacht ihren Schabernack wie beim Koljada Fest, die Feier der Wintersonnenwende, treiben. Deshalb nennt man diese Sommernacht auch „die grünen Swjatki“, denn im Kalender stehen diese zwei Feste symmetrisch gegenüber. Um sich vor dem Spuk zu schützen, führten die Vorfahren der Russen verschiedene Rituale durch. Zum Beispiel hängten sie Kräuter am Gürtel auf und legten Nesseln vor die Tür und auf Fensterbretter.

Erst nach dem Sonnenuntergang begannen die Feierlichkeiten. Man tanzte, spielte und machte Lagerfeuer an Flussufern. Mütter verbrannten Kleidung kranker Kinder, damit sie gesund wurden und junge Menschen eiferten im Überspringen des Feuers: Wer am höchsten springt, würde glücklich und gesund sein. Auch Paare übersprangen zusammen das Feuer, um ihre Beziehung zu testen. Denn die Hände mussten während des Sprungs fest zusammen sein.

Eine der beliebtesten Traditionen bei jungen Frauen war mit Kränzen verbunden. Früh am Morgen flochten sie aus zwölf Kräutern einen Kranz, nach dem Sonnenuntergang dachten sie sich einen Wunsch aus und ließen ihn mit einer angezündeten Kerze im Wasser treiben. Auf diese Weise wollten sie Heirat oder Glück vorhersagen. Je ferner der Kranz schwimmt, desto schneller soll der Wunsch in Erfüllung gehen.

Nach der Annahme des Christentums sind die heidnischen Traditionen teilweise mit den christlichen verschmolzen. Der im Volksmund bekannte Iwan-Kupala-Tag ist in den kirchlichen Kalender als Johannistag eingegangen. Auch die astronomische Bindung mit der Sonnenwende ging verloren. „Heutzutage kann man diese Traditionen im Gebiet Wladimir finden, aber die Tendenz ist, dass die Sommerfeste allmählich verschwinden“, resümiert die Ethnologin.

Alexandra und Kristina Poljakowa

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