Lindt ante portas

Was die berühmte Schweizer Schokolade und die neue MDZ-Redakteurin verbindet, erfahren Sie in unserer Kolumne.

HANDOUT - Lindt Teddy. (PHOTOPRESS/Chocoladefabriken Lindt und Spruengli AG)

Die vor allem hierzulande beliebte Schweizer Schokolade / Lindt und Sprüngli AG

Schokolade soll bekanntlich glücklich machen. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten greifen Menschen häufiger zu ihr, um sich über die Krise hinwegzutrösten. Kein Wunder also, dass manche Ökonomen darin einen Indikator für Zukunftsprognosen sehen. Dass nun der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli in Russland sein erstes Verkaufsgeschäft eröffnet, kann wohl als Omen gedeutet werden. Denn der Verkauf von Schokolade stieg laut Euromonitor letztes Jahr um 17,5 Prozent – auch in diesem Jahr werden die Zahlen nach oben klettern. In bitteren Zeiten scheinen Russen einen Heißhunger auf Süßes zu haben. Überraschenderweise war Russland für Lindt bislang eine Terra Incognita. Nur 0,6 Prozent Marktanteil besitzt das Schweizer Traditionshaus in Russland. Dabei ist der russische Schokoladen-Markt nach Einschätzung des Unternehmens einer der größten weltweit. Doch Lindt wittert nicht nur das große Geschäft in Russland. Es geht auch um Imagepflege. Trotz guter Verkaufszahlen durchleben Premiummarken einen Abwärtstrend. Schuld daran sind die schlechte Kakaobohnenernte, die den Preis für diesen Rohstoff in die Höhe schießen ließ, und der schwache Rubelkurs.

Doch anscheinend sieht Lindt Licht am Ende des Tunnels. Pünktlich zur Weihnachtssaison läutet das Traditionshaus die Eroberung des russischen Marktes ein. In Moskau wird auf 65 Quadratmetern im Einkaufszentrum „Mega Chimki“ um die Gunst des Konsumenten gebuhlt. Wer braucht schon die Twerskaja-Straße mit ihren schicken Boutiquen als Standort, wenn im Einkaufszentrum der Superlative jährlich 30 Millionen Menschen einkaufen gehen. Eine Zahl, die Lindt wohl überzeugt hat. Denn in den eigenen Flagship-Stores erwirtschaftet das Unternehmen etwa zehn Prozent seines Gesamtumsatzes. Der Schweizer Schoggi-Gigant ist mein Namensvetter. Und Lindt zu heißen, ist nicht das Schlechteste, was einem passieren kann. Beim Klang meines Namens lachen viele Menschen, freuen sich und bekommen just in dem Moment Lust auf Schokolade. Wenn ich im November meine Arbeit bei der MDZ beginne, und Lindt nach Russland expandiert, kann das kein Zufall sein. Und weil Russen nicht an Zufälle, sondern an Schicksale glauben, sehe ich darin ein gutes Omen. Sobald Lindt seine Pforten öffnet, gibt es für die Moskowiter hoffentlich einen Grund mehr, glücklich zu sein.

fullsizeoutput_a87Katharina Lindt studierte Kunst- und Literaturdiskurse in München und arbeitete zuletzt als Editorin bei FOCUS Online. Im November fängt sie ihre Tätigkeit als ifa-Redakteurin bei der MDZ an. 


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