Leichter Aufschwung: Der russische Automarkt erholt sich langsam

Der russische Automarkt ist in Bewegung. Im letzten Jahr stieg die Zahl der Neuverkäufe erstmals seit 2012. Die MDZ gibt einen Überblick über den Markt und untersucht die Hintergründe des Wachstums.

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Ein Stand der Firma Lada auf dem Moskauer Autosalon/ Foto: RIA Nowosti

Auf den ersten Blick beeindrucken die Zahlen, die Jörg Schreiber, Vorsitzender des Ausschusses der Automobilhersteller der Association of European Businesses, am 12. Januar  präsentieren konnte. Der russische Automarkt befindet sich wieder im Aufschwung. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 1,59 Millionen Autos abgesetzt. Das bedeutet einen Zuwachs von 11,9 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Experten erwarteten waren lediglich vier Prozent.

Aufschwung ja, vom Rekord aber noch weit entfernt

Damit befindet sich Russland auf Platz fünf der größten Automärkte Europas. Spitzenreiter ist weiterhin Deutschland. Laut Angaben des Kraftfahrzeug-Bundesamtes wurden im Jahr 2017 bundesweit 3,44 Millionen Autos abgesetzt. Trotz des Wachstums ist der russische Automarkt noch weit entfernt vom Rekordjahr 2012. Damals wurden 2,9 Millionen Fahrzeuge verkauft, womit Russland der zweitgrößte Automarkt des Kontinents war. „Der Markt hat noch einen weiten Weg vor sich, um zu alter Stärke zurückzukehren, aber ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist gemacht“, bilanzierte Schreiber.

Nach einem schwachen ersten Quartal zogen die Verkäufe in den Folgemonaten an. Insgesamt wurden in jedem Monat mehr Autos als im Vorjahresmonat verkauft. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist die Stabilisierung der russischen Wirtschaft 2017 und der leichte Anstieg der Gehälter um drei Prozent. Hinzu kommt laut Igor Morscharetto von der Analyse-Agentur Avtostat der Nachholbedarf nach Jahren der Krise. Besonders in ländlichen Gegenden sind viele Menschen auf ein Auto angewiesen.

Käufer bekommen Unterstützung vom Staat

Hilfe bekamen die russischen Autokäufer auch vom Staat. Fast jedes zweite Auto wurde mit Hilfe staatlicher Unterstützung gekauft. Der Großteil dieser Unterstützung besteht aus vergünstigten Krediten. Der durchschnittliche Zinssatz beträgt hier 9,5 Prozent statt der in Russland üblichen 15 bis 18 Prozent. Zusätzlich traten am 1. Juli Förderprogramme für Erstkäufer und Familien mit mindestens zwei Kindern in Kraft, bei denen der Staat zehn Prozent der Kaufsumme übernimmt.

Nach Angaben von Avtostat gaben die Russen im Jahr 2017 insgesamt 1,8 Billionen Rubel für neue Autos aus. Dies entspricht 1,1 Millionen Rubel pro Neufahrzeug (16 100 Euro). Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Deutschen gaben, im Vergleich dazu, laut einer Untersuchung des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen im Jahr 2017 durchschnittlich 32 850 Euro für ein neues Auto aus.

Beliebt sind vor allem kleine und kompakte Autos

Während die Deutschen auch gerne Modelle der Mittelklasse wählen, bevorzugen Russen eher Klein- und Kompaktwagen aus dem unteren Preissegment (siehe Tabelle). Insgesamt 84 Prozent aller russischen Neuwagen des letzten Jahres gehören zu dieser Kategorie. Sehr hoch ist der Anteil an Crossover-Modellen, der 39 Prozent beträgt (in Deutschland waren es 2017 15,2 Prozent). Die große Zahl günstiger Automobile in Russland ist auch Folge der staatlichen Förderpolitik. Diese unterstützte im Jahr 2017 den Kauf eines Neuwagens nur bis zu einem Preis von 1,14 Millionen Rubel. In diesem Jahr soll die Obergrenze bei 1,45 Millionen Rubel liegen.

Das meistverkaufte Auto in Russland ist der KIA Rio. Unangefochtener Platzhirsch ist aber weiterhin AwtoWAS mit der Marke Lada. Mit 311 600 verkauften Fahrzeugen (ein Plus von 17 Prozent) konnte der Hersteller aus Togliatti seinen Marktanteil auf 19,5 Prozent erhöhen. Zum Vergleich: Der deutsche Branchenriese Volkswagen setzte im Vorjahr in Russland 96 500 Autos ab. Damit sicherten sich die Wolfsburger einen Marktanteil von sechs Prozent. 

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Daniel Säwert

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