My Home is my Eigentum: Privatisierung auf Russisch

Wohneigentum und kostenlos sind zwei Begriffe, die nicht zueinander zu passen scheinen. Aber in Russland tun sie es doch.

Privatisierung

Der russische Wohnungsmarkt hat seine Eigenheiten. / Tino Künzel

Vermieter können ihre Macken haben. Mal sind sie schnippisch, mal nachlässig, mal aufdringlich oder überbesorgt. Wer hätte deshalb nicht schon mal über eine Eigentumswohnung nachgedacht? Und den Gedanken beim Blick auf die Preislage gleich wieder verworfen. In diesem Kontext eine frappierende Zahl aus Russland: Die Wohneigentumsquote liegt hier offiziell bei 93 Prozent. In Deutschland sind es laut Eurostat etwas mehr als 50  Prozent.

Wie kommt es, dass so viele Deutsche mieten und so viele Russen besitzen? Einer der Hauptgründe ist die Möglichkeit zur kostenlosen Privatisierung von staatlichem und kommunalem Wohnraum in Russland. Sie gilt seit 1992 und befreite die damals in der postsowjetischen Agonie liegende Kommunalwirtschaft im Gegenzug von der finanziellen Bürde, Sorge für die entsprechenden Wohnungen tragen zu müssen. Zunächst war das Gesetz bis 2007 befristet, wurde dann mehrfach verlängert und sollte nun zum 1. März 2017 endgültig auslaufen. Kurz davor hat die Duma beschlossen, jegliche Fristen für die Regelung aufzuheben, die sich zweifelsohne in den vergangenen 25 Jahren als sozialer Stoßdämpfer bewährt hat. 30,6 Millionen Menschen seien so zu Wohnungseigentümern geworden, schreibt die „Rossijskaja Gaseta“. Viele konnten durch Weitervermietung ihren Lebensunterhalt aufbessern. Manchmal hat man als deutscher Expat in Moskau mit ihnen zu tun. Aber wir sind Miete ja gewohnt.

Tino Künzel

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