Immer weniger Russen auf alpinen Pisten

Österreich ist bei russischen Ski-Touristen sehr beliebt. Hier hatte man sich auf die kaufkräftigen Gäste aus dem Osten längst eingestellt. Nun bleiben sie aus. Ein Tourismusjahr zwischen den beiden Ländern soll Abhilfe schaffen. 

Immer weniger Russen urlauben in Österreichs Skigebieten – ein Tourismusjahr soll diesen Trend umkehren. Foto: Pixabay / Pexels

Florian Moosbrugger sieht schwierige Zeiten auf sich zukommen. Zumindest, was die Anzahl der russischen Gäste in seinem Fünf-Sterne-Hotel „Gasthof Post“ im österreichischen Lech am Arlberg betrifft. „Wir hatten in den letzten fünf Jahren einen Rückgang von zehn Prozent auf fünf Prozent russischer Gäste“, erklärt Hotelier Moosbrugger auf Anfrage der MDZ. Und das, obwohl sein Betrieb über ein eigenes Verkaufsbüro vor Ort in Russland verfügt, das mit Reisebüros zusammenarbeitet. „Diese Reisebüros übernehmen auch die Abwicklung der Visa für die Gäste.“ Trotzdem bleiben viele der – gewöhnlich recht finanzkräftigen – russischen Stammgäste diese Saison aus. Österreich ist für die Russen zwar weiterhin das beliebteste Reiseziel für alpinen Wintersport, doch die Zahl russischer Gäste ist drastisch gesunken. Der Hype der Jahre 2008 bis 2013 ist vorbei.

Ein Drittel weniger Russen

Das zeigt ein Bericht des österreichischen Wirtschaftsministeriums für das Jahr 2015, der bei Gästen aus Russland den „höchsten relativen Nächtigungsrückgang“ verzeichnete – nämlich um 34 Prozent im Vergleich zu 2014. Waren es 2014 noch 1,8 Millionen Nächtigungen russischer Gäste, sank die Zahl auf 1,2 Millionen im Folgejahr. Als Ursache für diesen Abwärtstrend nennt der Bericht die EU-Sanktionen gegen Russland, die infolge der Ukraine-Krise verabschiedet wurden. Ein weiterer Faktor sei der instabile Rubelkurs und die anhaltende Wirtschaftskrise.

Ein Richtungswechsel soll nun das „Tourismusjahr Österreich– Russland“ bringen, das die beiden Länder für das Jahr 2017 ausgerufen haben. Die von der Welttourismusorganisation UNWTO unterstütze Aktion soll „die Kooperation zwischen österreichischen und russischen Unternehmen, Destinationen und Experten intensivieren“ und das „große touristische Angebot und Potential beider Länder“ darstellen.

Im Rahmen des Tourismusjahres finden in Österreich und Russland eine Reihe von Kulturveranstaltungen statt. Weiterhin ist eine Zusammenarbeit zwischen Regionen geplant, etwa zwischen dem nordkaukasischen Karatschai-Tscherkessien und dem Bundesland Tirol, beide Gegenden sind für ihren Bergtourismus bekannt. Besonders mit Blick auf den Confederations Cup 2017 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland soll das Tourismusjahr in beiden Richtungen förderlich sein. Auch eine Visaerleichterung wird aktuell diskutiert. Laut Rosstat besuchten in den ersten drei Quartalen 2016 knapp unter 40 000 österreichische Touristen Russland, ein Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr davor.

Stimmen gegen Sanktionen

Eine Annäherung zwischen Österreich und Russland wünscht sich auch der österreichische Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, der regelmäßig für ein Ende der Sanktionen gegen Russland appelliert: „Sanktionen sind langfristig nicht der richtige Weg, um in Zukunft gute Kooperationen aufzubauen“, betonte er zuletzt im November.

Für Florian Moosbrugger vom „Gasthof Post“ ist das allerdings nicht genug. „Wenn die Politik weiterhin so gegen den Tourismus arbeitet“, lässt der Hotelier wissen, „wird es schwierig.“ Unter fehlender Auslastung leide das Hotel allerdings nicht, versichert seine Assistentin Sandra Krappinger: Es kämen genug Gäste aus anderen Ländern. Nur der Konsum – der dürfte bei den russischen Gästen wohl ein anderer gewesen sein.

Paul Krisai

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