Im Dienste des Präsidenten

Künstler, Ärzte, Sportler und Unternehmer: Sie alle machen Wahlkampf für Wladimir Putin. Damit unterstreicht er seinen Volkscharakter. Ein Überblick über die sogenannten „Vertrauensleute“ des Präsidenten.

Wladimir Putin trifft sich mit seinen Vertrauenspersonen. /Foto: RIA Novosti

Wladimir Putin kann auf eine Reihe von „Vertrauensleuten“ zählen. Ihre Aufgabe: Agitationsarbeit. Sie können selbständig bei öffentlichen Veranstaltungen auftreten und Bürger davon überzeugen, für ihren Kandidaten zu stimmen. Sie hören aber auch zu. Wie beispielsweise bei der Aktion „Direkte Telefonleitung“, wenn ältere Menschen über ihre kleine Rente schimpfen, Putin jedoch viel Glück für die Wahlen wünschen.

Die russische Gesetzgebung sieht vor, dass ein Präsidentschaftskandidat bis zu 600 Vertrauensleute nominieren kann. Laut der russischen Zentralen Wahlkommission kann Putin aktuell eine Liste mit rund 500 Namen vorweisen. Sehr vielen Russen sagen jene Namen etwas. Denn es handelt sich vornehmlich um illustre Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie etwa Rapper Timati oder Eishockeyspieler Owetschkin. Letzterer gründete sogar die Bewegung „Team Putin“, die mit viel Marketing beworben wird.

Anerkennung und Belohnung

Doch worum geht es den Vertrauensleuten? Um Anerkennung, meint der Politologe Konstantin Kalatschew gegenüber „Wedomosti“. „Wenn man es einmal auf die Liste geschafft hat, dann kann man auch Jahre später daran erinnern, dass man eine Vertrauensperson des Präsidenten gewesen ist.“ Natürlich profitiert auch der Kandidat von der Vielfalt seiner „Vertrauensleute“. Sie zeigen seine Volksnähe, meint der Experte. Auch welchen elitären Gruppen er den Vorrang gibt, werde aus seiner Liste deutlich.

Viele Vertrauenspersonen werden später für ihre Loyalität belohnt. So auch Wladimir Medinskij. Bis 2012 war er Professor am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO). Danach fiel ihm der Posten des Kulturministers zu. Seitdem sorgt er regelmäßig für Skandale.

Autoritäre Persönlichkeiten

Neben Stars finden sich dieses Jahr Namen wie Michail Piotrowskij auf der Liste. Er ist Direktor der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg und dafür bekannt, auch außerhalb des Museumsbetriebs seine Meinung laut und stark zu vertreten. Auch auf Wladimir Urin kann Putin zählen. Der Direktor des Bolschoi-Theaters wird das erste Mal für den amtierenden Präsidenten agitieren, sagte er gegenüber TASS. Auch berühmte Ärzte finden sich unter den Unterstützern, wie etwa Alexander Rumjanzew, Präsident der Nationalen Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Aus den Reihen der Wirtschaft meldete sich Michail Kusnirowitsch, Geschäftsmann und Vorstand der Unternehmensgruppe Bosco di Ciliegi, ein Hauptaktionär des Warenhauses GUM am Roten Platz. Ebenso sind Führungskräfte aus der zivilgesellschaftlichen Sphäre vertreten. Beispielsweise Heinrich Martens, der sich für die deutsche Minderheit in Russland einsetzt. 1991 gründete er den Internationalen Verband der deutschen Kultur (IVDK) in Moskau.

Am 18. März wird in Russland gewählt. Bis dahin sind Putins Vertrauenspersonen landesweit unterwegs. Bei der Agitation ist alles erlaubt. Nur keine leeren Versprechungen dürfen sie machen, sagte Russlands Präsident bei einem Treffen mit ihnen im Gostinyj Dwor. „Denn Menschen können alles vergeben, nur keinen Betrug.“

Katharina Lindt 

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