Fliegen wie Putin: Il-96 soll als Verkehrsflugzeug reüssieren

Wer sich in Russland in ein Großraumflugzeug setzt, der fliegt mit Airbus oder Boeing. Das soll sich ändern. Laut russischen Medien ist regierungsamtlich beschlossene Sache, dass die einheimische Flugzeugindustrie zwecks Serienproduktion einen Flieger auf den neuesten Stand bringen wird, der eine illustre Vorgeschichte hat.


Il-96

Bald nicht nur bei „Putin Air“ im Einsatz? Die Il-96, hier als Präsidentenmaschine in der kleineren 300er Ausführung, soll künftig auch das einfache Volk an Bord nehmen. / Wikimedia Commons

Die Iljuschin Il-96 ist das größte Passagierflugzeug, das in Russland je das Licht der Welt erblickt hat. Kommerziell erfolgreich war es bisher nicht wirklich: Von 1987 bis heute wurden nur um die 30 Stück gebaut. 2014 hat „Aeroflot“ seine Exemplare aus dem Verkehr gezogen. Die einzige Fluggesellschaft, die den Typ noch einsetzt, ist die kubanische „Cubana“.

Dafür aber wird die Maschine immer mal wieder von Fernsehkameras eingefangen, wenn Präsident Wladimir Putin irgendwo auf Staatsbesuch ist. Die Il-96-300 ist Russlands „Air Force One“, gleich in vierfacher Ausfertigung übrigens. Und was für den Präsidenten gut genug ist, wird ja wohl auch im Linienverkehr eine passable Figur machen, dachte sich offenbar Vizepremier Dmitrij Rogosin, der in der Regierung für die Luft- und Raumfahrt zuständig ist. Er gilt als größter Befürworter einer Adaption des Fliegers für die moderne kommerzielle Luftfahrt, hat schon vor Monaten Pläne für eine Serienproduktion angekündigt.

Als Basisversion einer grundlegenden Überarbeitung würde aber die größere Il-96-400 fungieren, die bisher nur in einer Frachtausführung existiert. Als Verkehrsflugzeug war sie ursprünglich für maximal 435 Passagieren konzipiert, was in etwa der Kapazität einer Boeing 777 oder eines Airbus A330 entspricht.

Wie russische Medien melden, wurde das Verkehrsministerium beauftragt, eine Aufstellung vorzulegen, welche Großraumflugzeuge in den nächsten Jahren von Fluggesellschaften in Russland außer Dienst gestellt werden, womit sich also eine Nische für die generalüberholte Il-96 auftut. Der „Kommersant“ zitiert eine Quelle bei „Aeroflot“, dass Russlands größte Airline sich zwar bis 2025 von allen Airbus A330 und Boeing 777 trennt, aber nicht die Absicht hat, die Il-96 als Ersatz in Betracht zu ziehen. „Aeroflot“ betreibt heute 30 SSJ-100 aus russischer Produktion. Hauptabnehmer der Il-96 könnte nach Medienberichten die Fluggesellschaft „Red Wings“ werden, deren Flotte heute aus sieben Tupolew-Maschinen besteht.

Als größtes Problem des aufzumöbelnden russischen Großraumfliegers bezeichnen Experten die Tatsache, dass es sich um eine vierstrahlige Maschine mit dreiköpfiger Cockpitbesatzung handelt. Das war vor 30 Jahren der Stand der Dinge, ist heute aber nicht mehr zeitgemäß.

Tino Künzel

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