Fußball-WM 2018: Sponsoren bleiben aus

Die Uhr tickt, doch Werbepartner für die Fußball-WM 2018 halten sich, im Vergleich zum letzten Turnier, zurück. Schuldzuweisungen betreffen das Image Russlands und das der Fifa. Die will das Finanzloch durch überhöhte Übertragungskosten ausgleichen.


Der russische Präsident Wladimir Putin und der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter bei der Unterzeichnung eines Vertrages von Gazprom im Jahr 2013 zum offiziellen FIFA-Partner / Foto: Kremlin.ru

Nur noch etwas mehr als ein Jahr verbleibt bis zum Anpfiff der Fußball-WM in Russland – doch  zahlungskräftige Sponsoren sind Mangelware. Gerade mal zehn hat die Fifa insgesamt unter Vertrag, zum gleichen Zeitpunkt vor dem Turnier 2014 in Brasilien waren es doppelt so viele. Laut einem Bericht der Financial Times liege dies neben der Fifa, die sich vom Korruptionsskandal 2015 erhole, auch am schlechten Image Russlands, „nach der Annexion der Krim im Westen geächtet“. Nach zwei Jahren Rezension und den kostspieligen olympischen Spielen 2014 in Sotschi sowie der Eishockey-Weltmeisterschaft 2016 seien Unternehmen hierzulande zurückhaltend.

Den Ball gab Witalij Mutko, Vorsitzender des russischen WM-Komitees sowie des Russischen Fußballverbandes, prompt zurück. Es gebe kein Problem mit der Austragung der WM in Russland – das Problem bestehe allein im beschädigten Image der Fifa. Das habe auch Folgen für die Zeit nach dem Turnier im Sommer 2018.

Neben den Fifa-Partnern Adidas, Coca Cola, der Wanda Group, Gasprom, Hyundai und der Visa Group gibt es zwei Sponsorenkategorien. Zu den offiziellen Partnern der WM 2018 in Russland gehören Budweiser, McDonalds und Hisense. Der chinesische Elektronik-Konzern unterschrieb im April einen 100-Millionen-Deal bis 2018 mit der Fifa. Die will noch fünf bis sieben weitere Sponsoren in dieser Kategorie finden. Mit der Alfa Bank gebe es erst einen „nationalen Förderer“, die Fifa erwartet ein Dutzend mehr. Für die langjährigen Fifa-Partner Sony und Emirates, deren Verträge nach der WM 2014 ausliefen, wurden mit der chinesischen Wanda Group erst ein Nachfolger gefunden.

„Sponsorenverträge sind entweder kommerziell oder anderweitig von persönlichen Interessen oder aus Imagegründen gesteuert. Sie sind hochgradig politisiert“, erklärt Simon Chadwick, Professor für Sports Enterprises an der amerikanischen Universität Salford gegenüber dem Onlineportal The National. Bei der langfristigen Vergabe von Sponsorenplätzen für die oberen beiden Kategorien dürfte auch die Vergabe der Fußball-WM in Katar 2022 ins Gewicht spielen. Dass die chinesische Wanda Group einen langfristigen Vertrag bis 2030 unterschrieb, könnte auf Absichten Chinas für eine WM-Bewerbung hindeuten. Aufgrund des Rotationsprinzips sei dies erst im Jahr 2030 möglich.

Derweilen steht es um die Finanzen der Fifa nicht gut. Nach einem internen Bericht schloss die Weltfußballorganisation das Jahr 2016 mit einem Minus von 391 Millionen US-Dollar ab. Im Vorjahr betrug das Finanzdefizit rund 117 Millionen, allein der Korruptionsskandal kostete über 150 Millionen US-Dollar. Das Finanzloch soll nun durch die Vergabe der Übertragungsrechte gestopft werden. Sie machen den Hauptteil der Fifa-Einnahmen aus, etwa 5,65 Milliarden US-Dollar – knapp 700 Millionen mehr als beim Turnier 2014 in Brasilien. Witalij Mutko bestätigte, dass die Fifa von Russland ein „Vielfaches des Betrages“ fordere, den Brasilien 2014 zahlte. Nach Angaben von Bloomberg, soll Russland für die Übertragung der WM im eigenen Land rund 120 Millionen Dollar hinlegen – das Doppelte der Summe, die Brasilien bei der letzen WM an die Fifa überwies.

Seit Dezember konnten die führenden Staatsmedien keine Einigung über die Übertragungsrechte erzielen, zuletzt wurde der Fifa im Januar ein Angebot bereitet. Es wurden „weniger als 100 Millionen US-Dollar“ geboten, verriet Alexander Fajfman, Hauptproducer von Perwyj Kanal, gegenüber der Nachrichtenagentur Tass. Als nächste Frist hat die Fifa den 2. Mai genannt.

Christopher Braemer

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