Die Abenteuer des Meisters: Bulgakow-Ausstellung in Moskau

In diesem Jahr feiert die deutsche Übersetzung des Romans „Der Meister und Margarita“ sein 50-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass hat das Michael-Bulgakow-Museum die beeindruckende Ausstellung „Moskau ist nicht Berlin“ zusammengestellt, die sich mit dem schweren Schicksal des „russischen Faust“ in Deutschland auseinandersetzt.

Die Ausstellung „Moskau ist nicht Berlin“ zeigt neben historischen Editionen auch Plakatkunst. /Foto: Michael-Bulgakow-Museum.

Die Übersetzung eines Buches erscheint in der heutigen Zeit, eine nicht unbedingt übermäßig schwere Aufgabe zu sein. Vor einem halben Jahrhundert indes hätte jeder Verleger aus dem sozialistischen Lager vehement gegen diese Annahme argumentiert.

Es war das Jahr 1968, als der Meister, Margarita, der Kater Behemoth und Voland das erste Mal auf Deutsch zu ihren Lesern sprachen.  Zwei Jahre zuvor erschien der erste Teil des Romans „Der Meister und Margarita“ in zensierter Form in der Zeitschrift „Moskwa“. Diese Ausgabe geriet zufällig in die Hände von Thomas Reschke, Übersetzer des Verlages „Volk und Welt“ aus der DDR. Er verliebte sich in den Roman und bat den Verlag, ihn übersetzen zu dürfen. Während der Arbeit mit dem Text stellte Reschke fest, dass er einiges, wie beispielsweise mythische Anspielungen und die Namen der Helden, nicht verstand. Nachdem er einer sowjetischen Kollegin des Verlags „Progress“ von seinen Sorgen erzählt hatte, schlug diese ihm vor, ihn mit der Witwe Jelena Bulgakowa bekannt zu machen. So begann die Geschichte eines langen Schriftwechsels und mehrerer Treffen zwischen Reschke und Bulgakowa.

Zum Vergleich: die zensierte und die vollständige Ausgabe des Romans mit faustischen Motiven. /Foto: Michael-Bulgakow-Museum.

Das kann man alles aus erster Hand vom Übersetzer erfahren, der mittlerweile 85 Jahre alt ist. Und zwar in der Ausstellung „Moskau ist nicht Berlin“, die im Michael-Bulgakow-Haus in Moskau gezeigt wird. Dort gibt es ein Telefon, an dessen anderem Ende Thomas Reschke in einem exzellenten Russisch die Geschichte der Begegnungen mit der Witwe des Schriftstellers schildert.

Wie Verleger die Zensur umgingen

So erhielt Reschke, als er gerade mit der Übersetzung fertig war, eine eigenartige Broschüre eines italienischen Verlages. Dem Leser war diese unverständlich, für den Verleger war sie indes eine Handlungsanweisung. Die Broschüre enthielt Auszüge von „Der Meister und Margarita“, die der sowjetischen Zensur anheim gefallen sind. Der Versuch Reschkes, diese Auszüge in seine Übersetzung einzuarbeiten, endete in einem Fiasko. „In der DDR gab die Zensur die Bücher genau so wieder, wie sie in der Sowjetunion erschienen. Das waren Beispiele davon, wie  die DDR Texte noch weiter zensierte, die bereits durch die sowjetische Zensur gekürzt wurden.“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung Marina Sarwanskaja. Die einzige Veränderung, die er einschmuggeln konnte, war das Wort „frei“ im Kapitel „Der Flug“. Bulgakow schreibt dort, dass Margarita, nachdem sie eine Creme benutzte, die Asasello ihr gab, unsichtbar und frei wurde. Dies ging bei der sowjetischen Zensur nicht durch.

Parallel zur ostdeutschen Ausgabe begann die Übersetzung von „Der Meister und Margarita“ in der Bundesrepublik. Diese erschien 1968, fünf Jahre bevor die erste unzensierte Ausgabe den Lesern in der Sowjetunion zugänglich gemacht wurde. Die Korrespondenz mit dem Verlag lief seinerzeit über einen Neffen  Jelena Bulgakowas – Ottokar Nürnberg, der Jurist war und in Westdeutschland lebte.

Konstantin Simonow, Julian Semjonow und Swjatoslaw Richter – allesamt Freunde und Bekannte der Witwe Bulgakows – halfen dabei, Textfragmente und Dokumente heimlich aus der Sowjetunion zu schmuggeln und brachten  westliche  Zeitschriften und Zeitungen mit großartigen Rezensionen des Romans «Der Meister und Margarita» mit zurück in die UdSSR.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung wurde Michail Bulgakow dem deutschen Publikum bekannt und zu einem seiner Lieblingsautoren.

Bulgakows Ruhm im Westen

Der Schriftsteller selbst hatte bereits in den 1920ern die Möglichkeit, im Ausland berühmt zu werden. Damals erschien in Deutschland sein Theaterstück „Die Tage der Turbins“, welches in Breslau aufgeführt wurde. Den Text übersetzte Katja Rosenberg, die Cousine der Frau Thomas Manns. Nach einer Vorstellung war jedoch alles vorbei. „Dem Meister und Margarita“ wurde ein besseres Schicksal zuteil. Der Klassiker wurde vertont, verfilmt und inszeniert. Es gab insgesamt 40 deutsche Aufführungen.

Die Ausstellung im Michael-Bulgakow-Museum zeigt dem Publikum eine Vielzahl an Interpretationen von „Der Meister und Margarita“ – vom Puppenspiel bis zum avantgardistischen Theaterstück, in dem Voland, der Mephisto des Romans, von einer nackten Frau gespielt wird. Die Kuratorin Marina Sawranskaja hat mehrere Theater angeschrieben, um Plakate und Aufzeichnungen der Aufführungen zu erhalten. „Für uns Russen ist es wichtig, wie uns unsere westlichen Partner wahrnehmen, und was sie von uns halten. Ich denke, dass einem bei dieser Ausstellung warm ums Herz wird. Sie zeigt, dass die Deutschen ‘Den Meister und Margarita’ außerordentlich lieben», so Sawranskaja.

Die Austellung  ist bis zum 1. Juli im Bulgakow Museum zu sehen.

Ul. Bolschaja Sadowaja 10, Eingang 6, WNr 50

Ljubawa Winokurowa

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