Deutscher Botschafter: „Es ist wichtig, einen klaren inneren Kompass zu haben“

Die Moskauer Deutsche Zeitung ist 20 Jahre alt geworden. Gelesen wird sie auch an der Deutschen Botschaft in Moskau. Im Interview erklärt Rüdiger von Fritsch, deutscher Botschafter in Russland, was er an der MDZ schätzt, wie er sich zu Russland informiert und welchen Grundsatz er vertritt.

Der deutsche Botschafter in Russland: Rüdiger von Fritsch /Foto: Nikita Markov

Guten Tag, Herr Botschafter. Die Moskauer Deutsche Zeitung hilft Deutschen seit 20 Jahren, Russland zu verstehen. Wie verlief Ihr erster Kontakt mit der MDZ? 

Mir ist die MDZ schon bei früheren Besuchen in Russland in die Hände gekommen: Wer nach Moskau mit dem Flugzeug reist, wird quasi persönlich von der MDZ begrüßt,  sie liegt an jedem Flughafen aus. So habe ich die MDZ auch früher schon – wie auch heute noch – gerne gelesen.

Was schätzen Sie an der MDZ? 

Ich schätze an der MDZ, dass sie in deutscher Sprache sachlich und gut verständlich über Russland und Moskau informiert und so zur Stärkung und Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen beiträgt. Und ich finde es gut, dass die MDZ immer wieder auch scheinbar abseitige Themen aufgreift, dass sie Wissenswertes zu Tage fördert und oft auch interessante Schicksale und Lebenswege beleuchtet.

Aktuell überschlagen sich in Russland die Nachrichten, wie behalten Sie dabei den Überblick? 

Das Filtern und Verarbeiten der vielen und umfangreichen Informationen ist natürlich eine Herausforderung. Ich nutze mehrere Wege; zum einen schaue ich natürlich selber Nachrichten bzw. verfolge sie im Internet und lese Zeitung wie auch viele russlandbezogene Berichte der deutschen Diplomaten weltweit. Zum zweiten bereitet das Auswärtige Amt sehr gut Informationen zielgerichtet für uns auf und zum dritten sitze ich beinahe täglich mit meinen Mitarbeitern zusammen, die dann kurz und prägnant Wichtiges und Aktuelles aus ihren Arbeitsbereichen berichten.

Vor allem aber treffe ich sehr viele Menschen, die Interessantes aus und über Russland zu berichten wissen, ihnen höre ich zu. Wenn man das alles regelmäßig und konsequent macht und damit grundsätzlich à jour ist, dann sind die täglichen Zusatzinformationen gut zu verarbeiten und ich fühle mich eigentlich immer gut unterrichtet. Man lernt ja mit der Zeit auch, wichtige von weniger wichtigen Informationen zu unterscheiden und Dinge in ihrer Bedeutung einzuordnen.

Lesen Sie nur die deutsche oder auch die russische Presse? Welche Zeitschriften hat die Deutsche Botschaft abonniert?

Ich lese deutsche wie russische Zeitungen und verfolge eine Vielzahl von Medien auch elektronisch. Natürlich kann ich aus Zeitgründen nicht alle Zeitungen und Zeitschriften und nicht alle vollständig lesen, aber über das, was die russischen Zeitungen schreiben, bin ich schon durch die tägliche Presseschau der Botschaft gut informiert. Das Pressereferat liest alle großen und überregionalen russischen Zeitungen, verfolgt die elektronischen Medien und fasst die wesentlichen Inhalte zusammen. Zu den Zeitschriften: Wir haben mehrere Politikmagazine abonniert, die eben je nach Erscheinungsrhytmus gelesen werden.

Sie werden wahrscheinlich mit sehr vielen Meinungen konfrontiert. Inwieweit beeinflusst Ihre eigene Meinung Ihre Arbeit als Botschafter? Kommt es manchmal zu inneren Konflikten? 

In der Tat strömt vieles auf einen ein! Da ist es sehr wichtig, viel Erfahrung und einen klaren inneren Kompass zu haben. Denn es gilt ja auch ständig, Entscheidungen zu treffen. Ich kann mich nicht entsinnen, je in einem wirklichen inneren Konflikt gestanden zu haben – und das hat seinen Grund: So sehr die Parteien in der lebendigen Demokratie unseres Landes zu vielen Themen unterschiedlicher Auffassung sind – in Fragen der Außenpolitik gibt es in Deutschland einen großen Konsens, der von einem sehr breiten Spektrum der Parteien wie der Bürger getragen wird. Und dazu gehört nicht zuletzt der Grundsatz, beharrlich an guten Beziehungen zu Russland zu arbeiten.

Und zum Abschluss: Was wünschen Sie der MDZ für die nächsten 20 Jahre? 

Bleiben Sie weiterhin so interessant und vielfältig – und dies in journalistischer Unabhängigkeit!

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