Träume aus buntem Schaum

Sie heißen Lager, Stout, Pale Ale oder IPA: Craft-Beer ist seit einigen Jahren ein Trend in der Bierindustrie. Auch in Russland schwappt der Schaum über die Ladentheke. Ein Überblick.


Im «Sosna i Lipa» kann man auch lokales Craft-Beer trinken. / Foto: Katharina Lindt

Craft-Beer heißt der Trend, der zuerst aus Amerika nach Europa und nun auch nach Russland schwappte. Zu Deutsch bedeutet Craft „Handwerk“. Das also handwerklich gebraute Bier wird in sogenannten Mikrobrauereien hergestellt. In Deutschland sind laut Brauer-Bund rund die Hälfte der Betriebe sogenannte Mikrobrauereien, die im Jahr rund 1000 Hektoliter Bier brauen und durch einen niedrigen Steuersatz begünstigt werden. In Moskau gibt es mittlerweile 54 solche Craft-Brauereien. Und es werden jedes Jahr mehr. Die Brauer setzen dabei auf hochwertigen Aromahopfen und pfeifen auf das überall im Ausland bekannte Reinheitsgebot.

Die Moskauer Mikrobrauereien experimentieren mit Farben und Früchten. / Red Button Brewery

Dass dieses Dogma der Kreativität beim Bierbrauen im Weg steht, zeigt die Beliebtheit der Craft-Beer-Bars. In Moskau eröffneten Alexander Malejew und Artjom Popow von der Rap-Gruppe „ILWT“ 2014 die erste Craft-Beer-Bar. Sie tauften sie nach einem ihrer Lieder: Wse twoi drusja“ („Alle sind deine Freunde“). „Zu uns kommen die unterschiedlichsten Leute. Aber meistens sind sie über 30. Es sind Journalisten, Musiker, Fußballfans oder auch Bier-Geeks, die dir einen ganzen Vortrag halten können“, sagt Malejew. Früher soll es nur ein spezialisiertes Geschäft gegeben haben, das Piligrim“ auf dem Kolokolnikow Pereulok, das hand- verlesenen Gerstensaft verkaufte.

Zu den Craft-Bars der ersten Stunde gehört auch das Sosna i Lipa“ („Kiefer und Linde“) auf der Pokrowka-Straße. Neben Craft-Beer aus den Staaten und Europa führt der Pub auch eine große Vielfalt an russischen Bieren. Sie hätten ein Herz für kleine, lokale Produktionen, sagen die Besitzer Santschir Badakow und Andrej Lipa. Leider sei das gar nicht so einfach. „Haben die Russen eine Wahl zwischen einem westlichen und einem heimischen Bier, greifen sie in 90Prozent der Fälle zur ausländischen Variante“, klagt Lipa. „Westliche Produkte gelten als qualitativ hochwertiger.“ Dabei gäbe es auf dem russischen Markt sehr gute Alternativen.

Bier ist nicht gleich Bier – Craft-Bars schwören auf Vielfalt

Doch wie bei jedem Trend gebe es auch in der Craft-Beer-Szene Trittbrettfahrer. Weil der Name aus Marketinggründen zieht, steht häufig „Craft“ auf dem Etikett, wo eigentlich keine Handarbeit drin ist. „Wir müssen sehr viele Hersteller ablehnen. Entweder stimmt das Produkt nicht oder die Einstellung der Bierbrauer“, erzählt der 27-Jährige. „Die großen Player wissen, dass der Markt wächst und sich mit Craft-Beer Geld verdienen lässt.“

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Das weiß auch Daniil Smyschljajew. Zusammen mit seinem Freund Pawel Perewesenkow gründete er die Mikrobrauerei „Red Button Brewery“. „Craft-Bier ist noch eine junge Kultur“, sagt er. „Ältere Semester lieben dagegen Klassiker wie Pils.“ Aber der Markt wachse. Zum Bierbrauen kam der 29-Jährige so: „Mein Freund hat mich da reingezogen. Nach ein paar Bieren dacht‘ ich: Das will ich auch machen.“ Er hing seinen Job als Pilot an den Nagel und widmete sich dem Bierbrauen. „Die Szene ist klein und man hilft einander, wo man kann“, sagt er.

Das Experimentieren mit Zutaten macht für ihn den Reiz an Craft-Beer aus. „Alles passiert im Kopf. Ich gehe Kombinationen durch und dann werden sie getestet.“ Beispielsweise blaues Bier mit Kokosgeschmack. „Es ist etwas Neues, es schmeckt und man kann es den ganzen Abend trinken.“ Aber nicht des Trinkens wegen, sondern für den Genuss.

Von Katharina Lindt 

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