Aus Alt mach Neu: Design-Ausstellung zwischen Tradition und Innovation

Recycling, Remix, Dekonstruktion: Europäische, amerikanische und russische Designer nutzen traditionelle Techniken und moderne Technologien, um Neues zu kreieren. Zu sehen gibt es 60 Objekte.

Design-Klassiker neu gedacht: ein handgeknüpfter Teppich von Richard Hutten und ein mit Isolierband
umwickelter Sessel des Designer-Duos Company / Foto: Andrej Gordejew.

Es steht ein großer Bär im Ausstellungsraum. Aber kein lebendiger, sondern einer aus Holz. Mit Ecken und Kanten. So, wie ihn vielleicht ein Konstruktivist gesehen hätte. Damit passt dieses Objekt des zeitgenössischen Designers Alexander Kanygin perfekt in die Ausstellung „new olds. Design im Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Innovation“, die aktuell im Museum der angewandten Kunst und Volkskunst läuft.

Design hat in Russland Tradition. Im Grunde genommen war die Oktoberrevolution seine Geburtsstunde, als Konstruktivisten ihren Auftrag darin sahen, Alltagsgegenstände des Arbeiter- und Bauernstaates zu revolutionieren, damit sie zur neuen Lebenswirklichkeit passten. Natürlich blieben die kühnen Entwürfe für die Proletariermassen zu abstrakt, weshalb die Avantgarde spätestens in den 30er Jahren kapitulieren musste. Das Wissen um das Design blieb aber im kulturellen Gedächtnis.

Zurück zu den Wurzeln

Dass heute Designer aus einem Fundus Formensprache, Materialien und Techniken schöpfen, zeigt, dass Traditionen in der heutigen Zeit weiterleben. „Letztendlich können sie nur lebendig bleiben, wenn man sie immer wieder neu denkt und weiterentwickelt“, sagt Astrid Wege, Leiterin der Kulturprogramme beim Goethe Institut in Moskau. „Interessant finde ich, wie eine Generation an Designern sich bewusst mit den Fragestellungen, in welchem Verhältnis Innovation und Tradition zueinander stehen, auseinandersetzt, munter recycelt, remixt und dekonstruiert.“

Der russische Bär des Designers Alexander Kanygin / Foto: Andrej Gordejew.

An dieser Ausstellung ist nicht nur das Goethe-Institut beteiligt, sondern auch das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), das die Kernausstellung konzipiert hat. Ergänzt wurde sie durch russische Akteure, um „den Dialog mit den Designern aus Europa und den USA einzugehen“, erklärt Wege.

Ironie als Distanz

Alexandra Sankowa, die Leiterin des Designmuseums Moskau, half, die russischen Designer zu finden. Und die scheinen sich stark mit Holz, das typisch für die russische Handwerkskunst ist, zu beschäftigen. Aber auch Glas spielt eine Rolle. So arbeitet die Designerin Jekaterina Kopitina mit der ehemals sowjetischen Glasmanufaktur Gus-Chrustalny zusammen, um ihre Lampen in der Form der Moltebeere, die im Norden Russlands wächst, herzustellen. Häufig finden sich auch ironische Anspielungen. „Gerade wenn es darum geht, mit traditionellen Elementen umzugehen, ist Ironie ein probates Mittel im zeitgenössischen Design, um eine Distanz zu gewinnen“, kommentiert Volker Albus, Kurator der Kernausstellung.

Um Neues zu kreieren, helfen heute 3D-Drucker und Algorithmen. So können Objekte komplexer modifiziert und leichter produziert werden. „Wir stehen an einem Paradigmenwechsel im Design“, sagt Albus, „diese neuen Werkzeuge formieren sich allmählich.“ Ein neues Kapitel wurde aufgeschlagen.

Katharina Lindt 

new olds

Bis 28. August

Museum der angewandten Kunst und Volkskunst

Ul. Delegatskaja 3

Majakowskaja

www.moscowdesignmuseum.ru

 

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