Analyse: Warum das Normandie-Quartett eine endlose Geschichte wird

Merkel, Hollande, Poroschenko und Putin - diese vier Staatschefs sind die Mitglieder des Klubs, der „Normandie-Quartett“ genannt wird und über eine Art Monopol auf die Lösung der Ukrainekrise verfügt. Sie alle haben ein Interesse an immer neuen Treffen.

2959370 19.10.2016 19 октября 2016. Президент РФ Владимир Путин во время встречи в аэропорту Берлина. Российский президент прибыл в Германию для участия в переговорах в "нормандском формате" (Германия, Россия, Украина и Франция) по урегулированию ситуации на Украине. Михаил Метцель/POOL/Пресс-служба Президента РФ

Putin mit dem russischen Botschafter Wladimir Grinin (2. v. r) bei seiner Landung auf dem Flughafen Tegel / Pressestelle des russischen Präsidenten

Während sich die vier größten europäischen Länder Mitte Oktober in der deutschen Hauptstadt trafen, um den Friedensprozess in der Ostukraine am Leben zu erhalten, schalteten die Angelsachsen auf Angriff: Gleich vier prominente Nachrichtenmagazine schmückten ihre Titelseiten mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin in der Rolle des globalen Bösewichts: Mal führt er Donald Trump zur US-amerikanischen Präsidentschaft („The New Yorker“), mal bombt er mit Syriens Präsident Assad dessen Land in Schutt und Asche („New Statesman“), oder er wird teufelsgleich  mit Kampfflugzeugen anstelle von Augäpfeln als Ikone eines neuen „Ismus“ präsentiert, diesmal des „Putinismus“ („The Economist“). Noch mehr Ehre wurde ihm in der wohl ältesten Zeitschrift überhaupt, dem „Spectator“ zuteil: Die Londoner sehen Putin als jemanden, der sich der ganzen Welt entgegenstellt und dabei auch noch am Gewinnen ist.

Dieser so beschriebene Mann landete nun erstmals seit mehr als vier Jahren in Berlin und wurde zunächst von deutschen Soldaten empfangen – nicht jedoch, um einen Schurken von globalem Maßstab dingfest zu machen, sondern um dem Gast aus Moskau alle Ehre zu erweisen (dieses offizielle Protokoll genoss freilich auch der ukrainische Präsident Poroschenko). Auch wenn Putin in westlichen Medien inzwischen Nordkoreas Kim Jong-un als gefährlichsten Mann der Welt abgelöst hat, in Berlin wird ihm weiterhin der rote Teppich ausgerollt.

Gipfeltreffen wie das in Berlin bieten dem russischen Staatsfernsehen jedes Mal genug Stoff, um noch tagelang in Wort und Bild die These von der Isolation Russlands in der Welt zu widerlegen. Allein schon aus diesem Grund wird der Kreml an den Treffen festhalten, ganz abgesehen von den für ihn äußerst vorteilhaften Bestimmungen des Minsker Abkommens, die es ihm zum Beispiel erlauben, die Rolle eines unbeteiligten Dritten im Ukrainekonflikt zu spielen. „Was macht eigentlich Hollande dort?“, fragen immer wieder Menschen in Russland. In der Tat, der französische Präsident hat es nicht nur hier schwer, als Herrscher einer europäischen Atommacht wahrgenommen zu werden. Das Normandie-Quartett ist wohl die einzige Bühne von Bedeutung, auf der er sich persönlich in Szene setzen kann, da er ansonsten von seiner Kollegin im östlichen Nachbarland in den Schatten gestellt wird.

Dessen Kanzlerin Angela Merkel erzielte mit diesen Treffen ihren wohl größten politischen Erfolg der vergangenen Jahre – anstelle eines amerikanisch-russischen Stellvertreterkriegs im Donbass à la Syrien, wie er vor zwei Jahren drohte, kämpft sie mit Putin und Poroschenko am runden Tisch um die Reihenfolge der Maßnahmen im Protokoll von Minsk. Auch für sie wird bei den nächsten Wahlen nicht viel auf der Habenseite stehen. Immerhin wird sie mit Recht von sich sagen können, dass sie sich ein wenig um den Frieden in Europa verdient gemacht habe.

Bojan Krstulovic

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