Wieso es so viele russische U-Boote gibt

Jenes russische U-Boot, das westliche Medien und die schwedische Marine im Herbst 2014 wochenlang vor der Küste Stockholms wussten, war ein schwedisches. Das Überraschende an dieser Nachricht ist, dass die Schweden es Mitte Juni durch ihren Verteidigungsminister selbst einräumten. U-Boot-Ortungen oder gar -Sichtungen waren eine Begleiterscheinung des Kalten Kriegs. Gerade die Briten als Seefahrernation hatten schon immer ein Faible für das Ungeheuer aus der Meerestiefe. Also ließ man den Sowjetrussen damals und den Putinrussen heute dort unten lauern, während oben die Sonne schien.

Das sowjetische U-Boot hat heute neue Gestalten angenommen: Der russische Leistungssportler ist ein springender und laufender Hinterhalt, weil er gedopt sein könnte. Wenn russische Fußballfans Europas Städte und Stadien besuchen, muss schon damit gerechnet werden, dass sie sich als Kampf-Hooligans des russischen Auslandsgeheimdienstes entpuppen. Das Internet ist ein Meer voller virtueller russischer U-Boot-Piraten in Gestalt von Hacker-Armeen des Kreml: Mal knacken sie den Bundestag, mal die US-Demokraten. Und hinter dem „Cyber-Kalifat“ soll das nimmermüde Land auch noch stecken und nicht etwa jene Terrororganisation, die man in Syrien bekämpft. Putin schickt seine Tschetschenen als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland. Selbst Edward Snowden haben die Russen umgepolt, der sich also nicht mehr für die Transparenz bei den US-Geheimdiensten einsetzt, sondern Putins Wühlarbeit gegen den Westen unterstützt.

Damit ist die Aufzählung der neuen russischen U-Boote noch lange nicht abgeschlossen. Glaubt man bestimmten deutschen Medien, Think Tanks und Politikern, die sich gerne auf „westliche Nachrichtendienste“ berufen, ist die Bundesrepublik voll von russischen U-Booten, echten oder auch nur potenziellen. Sind die Russlanddeutschen nicht besonders anfällig für Putins Manipulationen? In Waldemar und Eugen lauert noch der alte Russe, so wohl die Vorstellung, und wehe Deutschland, wenn die Kreml-Propaganda das  Signal sendet und es bei ihnen Klick macht.

Dann gibt es noch die Kommentarspalten-U-Boote: Kann denn ehrlich sein, wer in den Kommentaren bei Internetmedien das vom Journalisten Geschriebene für unfair gegenüber Russland hält? Diese hintertriebenen Gesellen wurden bekanntlich „Kremltrolle“ getauft. Experten und Journalisten hingegen, die mit dieser nichttraditionellen Ausrichtung aufgefallen sind, also um Verständnis für Russland werben, werden „Einflussagenten“ des Kreml genannt. Und daher darf man sich hier wie dort fragen: Liegt unter der netten Oberfläche nicht ein Abgrund von Rubeln und Kreml-Einflüsterung verborgen?

So bedrückend das alles auch ist, in einem Punkt haben die U-Boote von heute und morgen jenen von gestern etwas voraus: Man muss nicht auf das Geständnis eines schwedischen Verteidigungsministers warten oder gar auf die investigative Arbeit der Medien hoffen, um die neue alte Masche ins Leere laufen zu lassen. So hat sich eines der angeblichen russischen Cyber-U-Boote, das unter anderem Daten von Hillary Clintons Privatrechner abgesaugt haben soll, von selbst zu Wort gemeldet: Es war wohl ein junger Mann aus Rumänien. Dass man immer wieder Kreml-Hacker für Netzangriffe verantwortlich macht, ist verständlich und wird in Zukunft noch zunehmen: Wer lässt sich schon gerne von einem jungen Rumänen hacken, erst recht, wenn man die künftige Präsidentin der USA werden möchte?

Bojan Krstulovic

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